Eine Rubel-Münze liegt neben einer Mir-Karte | AFP

Mir-Karten und Koronapay Türkei lockt Russen mit Zahlungswegen

Stand: 23.05.2022 07:58 Uhr

Die Türkei hofft trotz des Ukraine-Kriegs auf das Geschäft mit vielen Urlaubsgästen aus Russland. Sie erleichtert russischen Bürgern deshalb Zahlungen, Geldtransfers und Konto-Zugänge.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

Kurz nach dem Überfall der russischen Armee auf die Ukraine kommt Elena nach Istanbul. Sie arbeitet im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für eine russische Universität. Dafür müsse sie nicht in Moskau leben, das gehe auch online, sagt die Russin. Ihr Arbeitgeber mache ihr keine Probleme, wenn sie sich in westlichen Medien äußere, so Elena. Aber der russische Staat übe Druck aus, deshalb wolle sie ihren Nachnamen nicht veröffentlicht sehen.

Oliver Mayer-Rüth ARD-Studio Istanbul

Sie besitze eine Wohnung in Moskau und müsse deshalb sicherlich auch wieder dorthin. Vorerst bleibe sie aber lieber in der Türkei, denn der Regierungsapparat von Wladimir Putin werde immer repressiver.

Abheben am Automaten funktioniert

Seitdem Elena in Istanbul ist, muss sie sich Gedanken machen, wie sie ihren Lohn, den sie in der russischen Währung Rubel ausbezahlt bekommt, nach Istanbul überweisen kann. Sie habe zwei Kreditkarten, die zum russischen Zahlungssystem Mir gehören. Mit diesen könne sie in Istanbul an Geldautomaten abheben, die mit dem besagten Zahlungssystem verbunden sind. Die Automaten der Banken Is, Ziraat und Vakif akzeptieren Abhebungen mit den russischen Karten. Andere türkische Banken, an denen ausländische Geldhäuser Anteile halten, sind offenbar aufgrund der Sanktionen vorsichtiger.

Nurredin Nebati, Finanzminister der Türkei, hat den russischen Türkei-Reisenden versprochen, dass es in dieser Saison keinerlei Probleme bei der Zahlung mit Mir-Karten in der Türkei geben werde. Dabei appellierte die ukrainische Zentralbank im April unter anderem an die Türkei, Zahlungen über das Mir-System nicht mehr zu akzeptieren.

Alternativen zu Mir-Kreditkarten

Zur Kreditkarte gibt es Alternativen. Elena hat ein Investment-Konto bei einer türkischen Bank eröffnet, und das sei ganz einfach, wenn man ausreichend Bargeld mitbringe, sagt sie. Über dieses Konto kann sie Geld aus Russland in die Türkei überweisen. Bis zu 50.000 US-Dollar.

Und schließlich gebe es Koronapay, ergänzt Elena. Ein Zahlungssystem, das in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion viele nutzen, ähnlich wie "Western Union", der US-amerikanische Anbieter von Auslandsüberweisungen. Wenn vor türkischen Postfilialen viele Russen Schlange stünden, dann würden sie sich per Koronapay Geld auszahlen lassen, so die in Istanbul lebende Russin.

Russen in der Türkei ohne Angst um Rubel-Konten

Die Türkei ist seit Kriegsbeginn ein Land, in dem russische Staatsbürger keine Angst haben müssen, keinen Zugriff mehr auf ihre Rubel-Konten zu haben. Das haben sicherlich nicht nur Putin-Kritiker registriert. In der Internetzeitung "Duvar English" heißt es, reiche Russen schütteten Geld im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine in den türkischen Immobilienmarkt. Im April habe sich der Kauf von Immobilien durch Russen im Vergleich zum Vormonat verdoppelt. Diese stünden an der Spitze ausländischer Käufer.

2021 kamen 4,7 Millionen russische Touristen in die Türkei, so viele wie aus keinem anderen Land. Trotz westlicher Sanktionen lässt Präsident Recep Tayyip Erdogan nichts unversucht, auch 2022 den Urlaub für russische Badegäste an der türkischen Riviera möglich zu machen.

Touristikfirmen stehen bereit

Die drei Touristik-Unternehmen Southwind-Airlines, Coral-Travel und Mavi-Gök sollen dazu beitragen. Southwind ist eine Neugründung und könnte bereits Ende Mai Fluggäste aus Russland nach Antalya bringen, heißt es bei türkischen Touristikern. Der Versuch türkischer Unternehmen, das Geschäft mit russischen Reisenden auszuweiten, dürfte eine Reaktion auf die Sanktionen gegen russische Luftfahrtunternehmen sein, die bisher Russen in die Türkei brachten. Gleichzeitig gibt es aber auch immer noch Flüge der russischen Fluggesellschaft Aeroflot zwischen Moskau und Istanbul.

Elena sagt, ihre Mutter sei vor wenigen Tagen mit Aeroflot gekommen. Sie musste lediglich eine Stunde länger fliegen, weil der ukrainische Luftraum gesperrt ist. Der Urlaub für russische Touristen an der türkischen Riviera scheint sicher - allen Sanktionen zum Trotz. Urlauber aus Moskau können auch diesen Sommer in Antalya am Pool liegen und Putins Angriffskrieg verdrängen.