Gaskraftwerk für die Pipeline "Kraft Sibiriens" | REUTERS

EU-Plan bis Ende 2022 Zwei Drittel weniger russisches Gas

Stand: 08.03.2022 17:12 Uhr

Die EU-Kommission plant, die Einfuhren von Gas aus Russland bis Ende des Jahres um zwei Drittel zu reduzieren. Bis "deutlich vor 2030" soll die EU komplett unabhängig von russischen fossilen Brennstoffen sein.

Wegen der schweren Spannungen mit Russland will die EU so schnell wie möglich unabhängig von russischem Gas werden. Die EU-Kommission legte einen Plan mit Maßnahmen vor, um russische Gasimporte innerhalb von einem Jahr um zwei Drittel zu reduzieren. Es geht demnach darum, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen, neue Quellen für Gaslieferungen zu erschließen und den Energieverbrauch zu senken.

Umstieg auf erneuerbare Energien forcieren

"Es ist Zeit, dass wir unsere Schwachstellen angehen und bei der Wahl unserer Energie schnell unabhängiger werden", sagte EU-Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans. Der Krieg in der Ukraine zeige, wie dringend es sei, auf erneuerbare Energien umzusteigen. Die Umsetzung liege in der Verantwortung der einzelnen Regierungen.

Mehr flüssiges Erdgas aus Katar, USA und Ägypten

Bei einer breiter aufgestellten Versorgung durch alternative Lieferanten setzt die Kommission besonders auf verflüssigtes Erdgas (LNG). Dieses könne die EU künftig stärker aus Ländern wie Katar, den USA und Ägypten importieren, heißt es in dem Vorschlag der Brüsseler Behörde.

Um für vollere Gasspeicher in Europa zu sorgen, schlug die Kommission eine Regel vor, dass bis Oktober jeden Jahres die Gasspeicher zu mindestens 90 Prozent gefüllt sein müssen. Derzeit liegt der Stand bei rund 30 Prozent. Für diesen Winter sei die Versorgung der Mitgliedstaaten aber gesichert.

Bundeskanzler Scholz hatte am Montag gesagt, er sehe keine Möglichkeit, kurzfristig auf russische Energie-Importe zu verzichten. "Die Versorgung Europas mit Energie für die Wärmeerzeugung, für die Mobilität, die Stromversorgung und für die Industrie kann im Moment nicht anders gesichert werden."

Mehr als 40 Prozent des in die EU importierten Gases kommt aus Russland; besonders Deutschland ist von den russischen Importen abhängig. Die EU könne nach Schätzungen der Kommission noch deutlich vor 2030 ganz auf russisches Gas verzichten.

Durch die Jamal-Pipeline fließt russisches Gas nach Deutschland, Nord Stream 1 ist in Betrieb, Nord Stream 2 nicht. Die South Stream-Pipeline kam nie zustande. Die Erdgasspeicher in Rehden, Haidach, Jemgum und Etzel betreibt Gazprom teils in Kooperation mit europäischen Konzernen.

Durch die Jamal-Pipeline fließt russisches Gas nach Deutschland, Nord Stream 1 ist in Betrieb, Nord Stream 2 nicht. Die South Stream-Pipeline kam nie zustande. Die Erdgasspeicher in Rehden, Haidach, Jemgum und Etzel betreibt Gazprom teils in Kooperation mit europäischen Konzernen.

Es wird allerdings befürchtet, dass Russland Gaslieferungen kurzfristig von sich aus stoppen könnte. Am Montag hat Moskau erstmals offen gedroht, kein Gas mehr durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 zu liefern.

Versorgung im restlichen Winter gesichert

Die EU-Kommission betonte erneut, dass die EU für den Rest dieses Winters auch im Fall eines russischen Gas-Lieferstopps auf der sicheren Seite stehe. Alle Regionen hätten Zugang zu mehr als einer Gas-Quelle und seien daher widerstandsfähiger. Im kommenden Winter sähe die Situation aber anders aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2022 um 17:00 Uhr.