Zollbeamte überwachen in Hamburg die Vernichtung von mehreren Zehntausend gefälschten Turnschuhen.
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Produktpiraterie Billige Sneakers für den sozialen Status

Stand: 04.02.2024 12:30 Uhr

Viele Jugendliche kaufen nachgemachte Markensneakers - um den gleichen Stil wie ihre Idole zu tragen und Freunde zu beeindrucken. Für illegale Händler ist das ein riesiges Geschäft.

Von Ilias Hamdani, WDR

Dass streng limitierte Sneakers mehrere Tausend Euro kosten, kommt gar nicht so selten vor. Sie sind vor allem bei Jugendlichen beliebt, die sich die teuren Originale nicht leisten können. Der Markt mit gefälschten Markensneakern boomt. "Mit Fake-Sneakers machst du auf jeden Fall nichts falsch, weil du Geld sparst und quasi die gleiche Qualität bekommst." Für Ali aus Korschenbroich am Niederrhein sind Schuhe ein Statussymbol.

Weil die besonders begehrten Sneakers oft zu teuer sind, kauft der 18-Jährige seit Jahren sogenannte Fakes. Er wolle einfach mithalten, sagt er: "Alle Jugendlichen stehen auf ausgefallene Sachen, und die Vorbilder tragen halt alle so teure Schuhe. Deswegen kaufen wir die."

Egal, ob Rapper wie Travis Scott und Ye (früher Kanye West) oder Sportlegenden wie Michael Jordan: Viele Promis tragen und vermarkten ihre eigenen, sehr teuren Sneakers, meist in Kooperation mit großen Schuhherstellern wie Nike oder Adidas. Damit lösen sie einen Sneakers-Hype bei ihren Fans aus. Der Schwarzmarkt für Fälschungen ist groß.

Gefälschte Schuhe am Geruch erkennen

Jens Ahland vom Hauptzollamt Köln beschäftigt sich täglich mit der Suche nach gefälschter Kleidung. Er und seine Kollegen kontrollieren stichprobenartig Post-Pakete auf zollpflichtige Ware. Ein klassischer Fund: gefälschte Sneakers. Allein im Jahr 2022 habe das Hauptzollamt Köln Fake-Sneakers mit einem Originalwert von drei Millionen Euro aus dem Verkehr gezogen. "Ich erkenne gefälschte Schuhe mittlerweile schon am Geruch."

Wenn die Zollbeamten sich nicht sicher sind, ob sie es mit einer Fälschung zu tun haben, fragen sie beim Hersteller nach: "Wir arbeiten eng mit denen zusammen. Ich mache ein Foto davon, schicke das dem Rechteinhaber, und die schreiben mir innerhalb von Minuten zurück, etwa: 'Diese Kombination gibt es gar nicht.' Das können die Nähte verraten oder ein Detail im Innenbereich. Da gibt es super viele Möglichkeiten."

Lukrativ, aber illegal

Trotzdem: Viele Fakes gehen dem Zoll auch durch die Lappen. Die Dunkelziffer ist hoch. Das zeigt sich etwa an Yanik aus Nordrhein-Westfalen. Er heißt eigentlich anders, er will anonym bleiben. Yanik ist Abiturient und handelt nebenbei mit Fake-Sneakers. Angst vorm Zoll hat er nicht: "Wenn ich eine Bestellung mache, kann ich ja sehen, wo die gerade ist. Und wenn ich sehe, die ist gerade im Zoll drinnen, habe ich natürlich ein mulmiges Gefühl: Geht sie durch, bleibt sie stecken? Aber es gibt auch Sendelinien, die um den Zoll herumgehen." Wie genau das funktioniert, will er nicht ausführen.

Yanik bestellt seine Ware aus China. Für ein Paar Fakes zahlt er 20 bis 30 Euro und verkauft sie für 150 bis 200 Euro. Eine Gewinnmarge, von der konventionelle Händler nur träumen können. "Insgesamt mache ich damit im Monat 8.000 bis 12.000 Euro." Ein lukratives, aber illegales Geschäft. Dass Yanik sich als Verkäufer von gefälschten Schuhen strafbar macht, ist ihm klar. Würde er erwischt werden, müsste er mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe rechnen.

Auch Käufer müssen Strafen befürchten

Aber auch auf die Käufer von gefälschten Markenschuhen können Probleme zukommen. Jens Ahland vom Kölner Zoll warnt dringend davor, sich gefälschte Ware zu bestellen: "Wir informieren die Rechteinhaber und die können mit ihren Anwälten gegen die Besteller vorgehen. Und das wird teuer." Zur Schadenersatzforderung der Rechteinhaber kämen noch Kosten für die Lagerung und Vernichtung der Schuhe hinzu. Das könnten schnell mehrere Hundert oder Tausend Euro ergeben.

Trotzdem: Viele Jugendliche lassen sich von der drohenden Strafe nicht abschrecken. Auch Ali bleibt gelassen: "Um ehrlich zu sein, habe ich da wirklich gar keine Angst vor", sagt er lachend. "Ich kenne auf jeden Fall viele, die da hochgenommen wurden. Aber meistens ist es dann so, dass die dir einen Brief nach Hause schicken und dann gehst du darauf halt einfach nicht ein. Dann kommt oft auch einfach nichts mehr. Das sagt dir wirklich jeder, der sich da bisschen in der Branche auskennt." Man sei ein zu kleiner Fisch für die Anwälte der großen Marken. Ali wird also auch weiterhin das Risiko eingehen und günstige Fake-Sneakers kaufen.

Worauf sollte man beim Sneakerkauf achten?

Aber auch Kunden, die das Original kaufen möchten, können am Ende gefälschte Ware in den Händen halten. Experten empfehlen, ausschließlich bei bekannten, seriösen Händlern zu kaufen. Das erkenne man an einer seriösen Zahlungsmethode und Rückgabepolitik. Außerdem solle man sich Erfahrungsberichte anderer Käufer anschauen. Ist ein Paar Schuhe bei einem Händler deutlich günstiger als der übliche Marktpreis, sei das oft ein Indiz für gefälschte Ware.

Zudem könne man seine Bestellung bei großen Onlinehändlern prüfen lassen. Carlo Bellmann ist bei ebay verantwortlich für das Sneakers-Geschäft. Er erklärt: "Bei uns wird jeder Sneaker über 100 Euro geprüft. Das geht schon los bei der Box, bei den Etiketten. Der Schuh wird ganz genau untersucht. Sohle, Nähte, Logos. Wir führen unter anderem auch einen Geruchstest durch. Es gibt also unzählige Prüfpunkte, bevor wir sagen: Wir können den Sneaker durchgehen lassen." Auch andere Plattformen wie vinted oder stockx bieten eine solche Produktprüfung an.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete der WDR in "Aktuelle Stunde" am 23. Oktober 2023 um 18:45 Uhr.