Das Logo von Spotify ist auf einem Display eines Smartphones zu sehen. | dpa

Nach Künstlerprotest Künftig Corona-Aufklärung bei Spotify

Stand: 31.01.2022 09:19 Uhr

Spotify kündigt an, alle Beiträge zu Covid-19 künftig mit einem Hinweis zu wissenschaftlichen Informationen über die Pandemie zu versehen. Der Streamingdienst reagiert damit auf Kritik berühmter Musiker und deren Abkehr von der Plattform.

Angesichts wachsender Kritik von Künstlerseite hat die schwedische Streaming-Plattform Spotify angekündigt, Hörer von Corona-Podcasts zu wissenschaftlichen Informationen aus verlässlichen Quellen über die Pandemie zu leiten. "Wir arbeiten daran, jeder Podcast-Episode, die eine Diskussion über Covid-19 enthält, einen Inhaltshinweis hinzuzufügen", erklärte Spotify-Chef Daniel Ek.

Diese neue Initiative gegen Falschinformationen werde in den kommenden Tagen weltweit umgesetzt, teilte Ek mit. Damit gehe Spotify auf seine Nutzer ein, die in den vergangenen Tagen Fragen über die Grenze zwischen akzeptablen und inakzeptablen Inhalten der Plattform aufgeworfen hätten, hieß es weiter.

Richtlinien für Urheber

Über den technischen Hinweis sollten die Hörer "Zugang zu datengestützten Fakten, aktuellen Informationen, die von Wissenschaftlern, Ärzten, Akademikern und Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt verbreitet werden, sowie Links zu vertrauenswürdigen Quellen" erhalten, erklärte Ek. Zudem wolle das Unternehmen Richtlinien für Urheber von Inhalten veröffentlichen, in denen die Plattform genauer definiert, was sie als "gefährlich" und "irreführend" ansieht.

Ihm sei "klar geworden, dass wir eine Verpflichtung haben, mehr zu tun, um Ausgewogenheit zu schaffen und Zugang zu Informationen zu gewähren, die von den medizinischen und wissenschaftlichen Gemeinschaften weitgehend akzeptiert werden", erklärte der schwedische Milliardär.

"Potenziell tödliche Desinformation"

Zuvor hatten mehrere Künstler, darunter die Rockmusiker Neil Young und Joni Mitchell, angekündigt, ihre Musik von Spotify abzuziehen. Young hatte vor einigen Tagen seine gesamte Musik von der Streaming-Plattform entfernen lassen. Der 76-Jährige hatte Spotify zuvor erfolglos aufgefordert, den Podcast des umstrittenen US-Comedian Joe Rogan zu entfernen. Er und Mitchell warfen Rogan vor, Falschinformationen über das Coronavirus zu verbreiten. "Spotify ist zu einem Ort der potenziell tödlichen Desinformation über Covid geworden", kritisierte Young.

Spotify wolle seinen Nutzern alle Musik- und Audioinhalte zugänglich machen, hieß es darauf zunächst in einem Statement des schwedischen Konzerns. Das Unternehmen habe umfassende Inhaltsrichtlinien und seit Beginn der Pandemie mehr als 20.000 Podcast-Episoden mit Bezug auf Corona aus dem Angebot entfernt.

Rogan ist einer der beliebtesten Podcast-Hosts weltweit. Ihm wird jedoch vorgeworfen, unter anderem von der Impfung Jugendlicher abgeraten und für die Behandlung von Covid-19 mit dem vorwiegend in der Tiermedizin eingesetzten Entwurmungsmittel Ivermectin geworben zu haben. Vergangenes Jahr hatte der 54-Jährige mit Spotify einen geschätzt 100 Millionen Dollar, das entspricht 89 Millionen Euro, schweren Exklusiv-Vertrag geschlossen. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Januar 2022 um 23:59 Uhr.