Ein Lokführer sitzt in einem Triebwagen
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Ausbildungen bei der Bahn Warum junge Menschen Lokführer werden wollen

Stand: 07.12.2023 10:30 Uhr

In Deutschland werden Lokführer gesucht. Schon jetzt fehlen Tausende Fachkräfte in der wachsenden Bahnbranche. Dabei ist die Arbeit auf der Schiene für viele genau der richtige Job.

"Lokführer zu werden, war für mich ein Kindheitstraum", sagt Tobias Soffner. Der 19-Jährige ist seit 2022 Auszubildender zum Eisenbahner im Betriebsdienst bei der S-Bahn. "Das Thema Bahn hat mich schon immer fasziniert, die Größe der Züge, das Gewicht, die Power, einfach die gesamte Art der Fortbewegung und das Gesamtkonstrukt Bahn", sagt er. Nach einem Praktikum in den Sommerferien wusste er genau, wo er arbeiten will.

Sein Arbeitsplatz ist mittlerweile der hellblaue Führerstand der S-Bahn. Ein wenig wirkt der wie ein Cockpit in einem Flugzeug, mit vielen Instrumenten, Schaltern und leuchtenden Knöpfen. "Hier bei der S-Bahn fahren wir in der Stammstrecke beispielsweise einen 90-Sekunden-Takt, da muss betrieblich einfach alles sitzen."

Der angehende Lokführer Tobias Soffner

Für Tobias Soffner ist der Job des Lokführers ein absoluter Traumberuf. Aktuell steuert er während seiner Ausbildung S-Bahnen.

Verantwortung für 1.000 Reisende

Teilweise habe er die Verantwortung für bis zu 1.000 Reisende an Bord, und dieser Verantwortung müsse man sich immer bewusst sein. Er fährt 40 reguläre Schichten mit einem Fahrtrainer mit, um für die Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Zeitgleich heißt es lernen in der Berufsschule.

"Lokführer ist kein Job wie jeder andere", sagt Jörg Linack. Der 55-Jährige ist Azubi-Fachkoordinator bei der S-Bahn in München, organisiert die Ausbildung und begleitet die Nachwuchskräfte. "Man muss für sich selbst herausfinden, ob einem das Herz aufgeht, wenn man unsere S-Bahn-Züge morgens in den Sonnenaufgang fahren darf, oder eher nicht. Kurzum: Der Job muss zu einem passen", sagt Linack. Das sei die wichtigste Voraussetzung, um sich wohlzufühlen mit dem Beruf.

Und das trifft auf den Azubi Soffner zu: "Für mich war die Bahn schon immer ein Thema, mit dem ich meine Familie teilweise bis zum Umfallen zugeredet habe", sagt der 19-Jährige. "Die Komplexität und Vielfalt machen den Beruf des Lokführers aus und für mich dadurch so spannend."

Zahl der Einstellungen auf Rekordniveau

Wie gerade überall sei der Arbeitsmarkt für die Bahn angespannt. Aber das Unternehmen stelle auf Rekordniveau ein, da sind natürlich auch viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger dabei. Weil viele Lokführerinnen und Lokführer in den kommenden Jahren in Rente gehen, sind junge Bahnbegeisterte wie Tobias Soffner wichtig für das Unternehmen. Aktuell werden schon jetzt fast 450 Lokführerinnen und Lokführer gesucht bei der Deutschen Bahn. Die verschiedenen Bahnunternehmen liefern sich einen Wettbewerb um das fehlende Personal.

Auch Zugbegleiter und Disponenten in Leitstellen werden händeringend gesucht. "Wessen Herz an der Verkehrswende hängt, für den ist der Beruf Lokführer natürlich super motivierend, aber auch die Arbeitsbedingungen sind attraktiv", wirbt Azubi-Fachkoordinator Linack. "Wir geben uns auch viel Mühe, den Nachwuchs direkt anzusprechen. Wir sind auf Berufsmessen und insbesondere in Schulen bei Bewerbungsplanspielen vertreten."

Verkehr auf der Schiene ist komplex

Auch Anna Walter gehört zum Lokführer-Nachwuchs. Die 20-Jährige ist erst seit diesem Jahr bei der DB Regio in Köln und lässt sich dort zur Eisenbahnerin ausbilden. "Meine Familie und Freunde finden meine Wahl der Ausbildung sehr cool", sagt Anna Walter. "Ich bekomme immer viele Fragen gestellt, wie es denn so ist, ob ich schon mal selbst gefahren bin und was denn eigentlich die Ausbildungsinhalte sind."

Es sei faszinierend, wie viele verschiedene Berufsfelder gut kommunizieren und zusammenarbeiten müssten, damit ein Bahnbetrieb überhaupt möglich sei. Bevor Azubis vorne im Führerstand mitfahren können, müssen sie zunächst die Grundlagen lernen, berichtet Walter. Dazu zählten Richtlinien, Signale, das Grundverständnis des Bahnbetriebs und vor allem auch Sicherheitseinweisungen. "Wir wollen schließlich alle, dass die Leute, die uns zur Arbeit oder zur Schule fahren, auch wissen was sie tun und einfach gut in ihrem Job sind", sagt die junge Auszubildende.

In knapp zwei Wochen geht es für sie in die theoretische Führerscheinprüfung. "Je mehr ich mich einlebe, desto mehr verstehe ich die Komplexität hinter einem funktionierenden Verkehr auf Schienen", sagt Anna Walter. Nach der Führerscheinprüfung darf sie endlich durchstarten in der Praxis-Phase auf der Schiene.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Dezember 2023 um 10:00 Uhr.