BMW X1

Weniger Zulassungen im Juli Mehr Gegenwind für Autobauer

Stand: 03.08.2022 12:42 Uhr

Die Zahl der Auto-Neuzulassungen ist im Juli weiter zurückgegangen. Das zweite Halbjahr dürfte eine große Herausforderung für die Deutschlands Schlüsselindustrie werden.

Lieferengpässe und die hohe Inflation machen den Autobauern weiter schwer zu schaffen. Im Juli kamen nach Angaben des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) mit 205.900 Fahrzeugen 12,9 Prozent Neuwagen weniger auf die Straßen als vor Jahresfrist.

Bereits in den vergangenen Monaten waren die Neuzulassungen geschrumpft. Seit Jahresbeginn ergibt sich dadurch ein Absatzrückgang von gut elf Prozent auf rund 1,4 Millionen Fahrzeuge. Unter den deutschen Marken verzeichnete im Juli nur der zu Volkswagen gehörende Sportwagenbauer Porsche ein Verkaufsplus. Bei den Importmarken erreichte Tesla prozentual den höchsten Zuwachs.

BMW rechnet mit Absatz-Rückgang

Der Autobauer BMW stellt sich nach einem Umsatzplus im zweiten Quartal auf Gegenwind ein. Die Münchner werden bei ihren Verkaufszielen vorsichtiger. Für das laufende Jahr wird nun mit einem Autoabsatz "leicht unter" dem Vorjahresniveau von 2,5 Millionen Autos gerechnet, wie das DAX-Unternehmen heute mitteilte. Das bedeutet bei BMW ein Minus zwischen einem und fünf Prozent. Bisher hatte Vorstandschef Oliver Zipse das Vorjahresniveau angepeilt.

Die BMW-Aktie wird daraufhin im Frankfurter Handel nach unten durchgereicht. Mit einem Minus von über fünf Prozent gehört sie zu den größten Verlierern im DAX. Seit Jahresbeginn hat sie bereits rund 16 Prozent ihres Werts eingebüßt und damit in etwa so viel wie der deutsche Leitindex.

BMW: hohe Inflation und Zinsen drücken Nachfrage

Zur Begründung für die nach unten angepasste Prognose verwies BMW auf das schwierige Umfeld mit Versorgungsengpässen. Die Geschäftsbedingungen dürften in der zweiten Jahreshälfte schwierig bleiben.

"Inflation und Zinssteigerungen, die das makroökonomische Umfeld auch in den kommenden Monaten prägen, wirken sich auf die Nachfrage aus. Entsprechend ist gegen Jahresende mit einer Normalisierung des überdurchschnittlich hohen Auftragsbestands - insbesondere in Europa - zu rechnen."

ifo: Gaskrise und China dämpfen Geschäftserwartungen

Auch das Münchner ifo-Institut malt ein düsteres Bild für die Autobranche: Die Geschäftslage der deutschen Autobauer hat sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte verschlechtert. Das entsprechende Barometer fiel im Juli um 1,9 auf 20,5 Punkte, wie das Institut heute zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte.

Die Preiserwartungen der Hersteller brachen von 73,1 Punkten im Juni auf 38,6 Stellen im Juli ein. "Die Möglichkeiten der Pkw-Hersteller, steigende Materialkosten an den Verbraucher weiterzugeben, scheinen eine Grenze erreicht zu haben", sagte der Leiter des Ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien, Oliver Falck.

Zugleich habe der Auftragsbestand der Autobauer abgenommen. Auch ihre Produktion haben die Hersteller zurückgefahren. "Sorgen um eine mögliche Gasverknappung und die weiterhin pandemiegeschwächte chinesische Wirtschaft als wichtiger Auslandsmarkt beeinträchtigen die künftigen Geschäfte der Autobauer", sagte Falck. Entsprechend deutlich fiel der Rückgang bei den Geschäftserwartungen aus, von plus 10,1 Punkte auf minus 6,5 im Juli.

PwC: Produktionsengpässe bremsen E-Auto-Absatz

Produktionsengpässen, Lieferkettenproblemen und Lockdowns in China haben der Unternehmensberatung PwC zufolge derweil auch den Absatz von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) weltweit gebremst. Die Neuzulassungen von E-Autos in 14 ausgewählten Märkten seien im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 108 Prozent gestiegen, im zweiten Quartal nur noch um 62 Prozent. "In Europa werden in diesem Jahr nur knapp 1,5 Millionen BEVs produziert werden - bei maximaler Kapazität und ohne Engpässe könnten es mehr als doppelt so viele sein", sagte PwC-Branchenexperte Felix Kuhnert.

"Die Elektromobilität stemmt sich gegen einen strauchelnden Gesamtmarkt", sagte Kuhnert. Deutsche Autohersteller seien besonders stark von Lieferengpässen als wirtschaftlicher Folge des Kriegs in der Ukraine betroffen gewesen. Die Modellauswahl war eingeschränkt, die Lieferzeiten waren lang. Im Weltmarkt sank der BEV-Marktanteil deutscher Hersteller von 14 auf elf Prozent.

Die Branchenexperten sehen inzwischen jedoch "erste Anzeichen für eine Entspannung der Lieferengpässe" und erwarten mehr Produktionskapazitäten für Elektroautos mit einem stärkeren Wachstum im zweiten Halbjahr. In Deutschland erwarten sie eine konstant steigende Nachfrage, die auch durch die Kürzung der staatlichen Förderungen nicht stark gebremst werden dürfte.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 03. August 2022 um 12:39 Uhr.