Adler Real Estate-Logo auf einem Smartphonedisplay

Immobilien-Unternehmen Großrazzia bei Adler Real Estate

Stand: 28.06.2023 12:54 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das BKA durchsuchen mehr als 20 Objekte des Immobilienkonzerns Adler Real Estate. Es geht unter anderem um den Verdacht der Falschbilanzierung und Marktmanipulation.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt durchsucht das Immobilienunternehmen Adler Real Estate. Das bestätigte ein Firmensprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gesellschaft ist Teil der Adler Group, einem der größten Immobilienentwickler in Deutschland. Man kooperiere vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft, hieß es vom Unternehmen.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt erklärte, sie durchsuche zusammen mit dem BKA insgesamt 21 Objekte - darunter Geschäftsräume, Wohnungen und eine Rechtsanwaltskanzlei - in Berlin, Düsseldorf, Köln und Erftstadt sowie in Österreich, den Niederlanden, Portugal, Monaco, Luxemburg und Großbritannien. Beteiligt seien rund 175 Beamte.

Eine Sprecherin sagte tagesschau.de, mit Angaben zu den Ergebnissen der Maßnahme sei heute nicht mehr zu rechnen.

Verdacht auf Scheingeschäfte

Bei den Beschuldigten handele es sich um deutsche, österreichische und englische Staatsangehörige im Alter zwischen 38 und 66 Jahren, so die Staatsanwaltschaft. Ihnen werde vorgeworfen, in ihrer damaligen Funktion als Vorstände im Zeitraum 2018 bis 2020 die Bilanzen des Unternehmens falsch dargestellt oder hierzu Beihilfe geleistet zu haben.

Es bestehe weiterhin der Verdacht, dass die Beschuldigten Gefälligkeitsangebote oder Scheingeschäfte tätigten, um Preise für Projekte in die Höhe zu treiben und ertragreiche Kreditgeschäfte abschließen zu können, hieß es laut der Nachrichtenagentur Reuters von den Ermittlern.

Unternehmen aus Fusion entstanden

Die Adler Group war erst Ende 2020 aus dem Zusammenschluss der in Luxemburg ansässigen ADO Properties mit den Berliner Wohnungsunternehmen Adler Real Estate und Consus Real Estate hervorgegangen. ADO Properties hatte dafür erst den eigenen Großaktionär Adler Real Estate und dann Consus übernommen.

Die Adler Group hat mehrere große Bauprojekte im ganzen Land unterhalten. Ein Großprojekt ist die Entwicklung des Geländes der früheren Holsten-Brauerei in Hamburg-Altona, wo eigentlich bis zu 1300 Wohnungen entstehen sollten.

Vorwürfe schon seit 2021

Bereits Anfang Oktober 2021 wurden erstmals schwere Vorwürfe gegen die Adler Group laut. Urheber war der britische Leerverkäufer Fraser Perring, der an fallenden Kursen der von ihm kritisierten Unternehmen Geld verdient. Sein Research-Dienst Viceroy warf Adler Betrug, Manipulation und Täuschung seiner Geldgeber vor.

Adler wies diese Anschuldigungen "auf das Schärfste" zurück und sprach von Unterstellungen. Um sie zu entkräften, beauftragte das Unternehmen seinen damaligen Wirtschaftsprüfer KPMG mit einer Sonderprüfung. Der Mitte April 2022 veröffentlichte Bericht wies auf Mängel in den Bilanzen hin, lieferte aber keine Hinweise auf systematischen Betrug.

Allerdings blieb den Prüfern nach eigener Aussage der Zugang zu Tausenden Dateien des Unternehmens verwehrt. Im August 2022 teilte zudem die Finanzaufsicht BaFin mit, dass die Jahresbilanz 2019 der Adler Real Estate fehlerhaft sei.

Milliardenverlust im vergangenen Jahr

Für das Geschäftsjahr 2022 wies der Immobilienkonzern im April einen Milliardenverlust aus. Unter dem Strich stand wegen einer Abwertung des Immobilienportfolios sowie der Wertberichtigung auf Forderungen ein Fehlbetrag von knapp 1,7 Milliarden Euro. Die hochverschuldete Adler Group hatte nur mit Zugeständnissen der Gläubiger eine Insolvenz abgewendet.

Die Aktionäre der Adler Group hatten erst in der vergangenen Woche dem Unternehmen den Rücken gestärkt. Sie stimmten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Luxemburg mit 100 Prozent für die Fortführung des Unternehmens. 57 Prozent der Adler-Aktionäre waren dort vertreten.

Die Mitglieder des Verwaltungsrats wurden mit 93,1 Prozent entlastet, obwohl das Unternehmen noch immer keinen Abschlussprüfer für die Bilanz des Jahres 2022 gefunden hat. Adler Group hatte nur mit Zugeständnissen der Gläubiger eine Insolvenz abgewendet.

Heike Borufka, HR, tagesschau, 28.06.2023 13:21 Uhr

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juni 2023 um 12:01 Uhr.