US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping (Archivbild vom 9. November 2017) | dpa

Zollstreit USA-China Angst vor Handelskrieg wächst

Stand: 19.06.2018 12:50 Uhr

Die Börsenkurse in China drehen ins Minus, die Angst vor einem Handelskrieg mit den USA wächst. Die Auswirkungen weiterer Zölle dürften auch die EU-Staaten spüren.

Von Steffen Wurzel,

ARD-Studio Shanghai

Die Angst vor einem ausgewachsenen Handelskrieg zwischen den USA und China schlägt zunehmend auf die Börsen durch. In Hongkong gab der für ganz Asien wichtige Hang-Seng-Index um knapp drei Prozent nach, und auch die Aktien in Festland-China verloren an Wert: An der Shanghaier Börse ging es im Schnitt fast vier Prozent runter, in Shenzhen brach der Composite Index um fast sechs Prozent ein.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Auch wenn die festlandchinesischen Börsen nicht mit denen in Frankfurt, London oder New York vergleichbar sind: Eine gewisse Nervosität ist spürbar.

Die möglichen neuen US-Zölle gegen Produkte aus China sind zwar noch nicht beschlossene Sache, trotzdem hat die Regierung in Peking verbal schon einmal kräftig zurückgekeilt. Die Vereinigten Staaten sollten ihre schädlichen Worte und Taten unterlassen, erklärte das Außenministerium. Das Handelsministerium wurde noch deutlicher: Falls die US-Seite tatsächlich den Verstand verliere und die neuen Zölle in Kraft setze, werde China gezwungen sein, kraftvoll zurückzuschlagen.

"Handelskrieg nützt niemandem"

Erneut betonte Chinas Staats- und Parteiführung außerdem, dass ein Handelskrieg zwischen den USA und China beiden Staaten schade - und auch dem Rest der Welt. Davor warnt auch die Europäische Handelskammer, der größte Lobbyverband europäischer Firmen, die in China aktiv sind.

"Ein Handelskrieg nützt niemandem", warnt Carlo D’Andrea von der Europäischen Handelskammer. "Protektionismus funktioniert nicht auf dieser Welt. Die Geschichtsbücher zeigen, wozu Protektionismus in der Vergangenheit geführt hat. Was den Handelskonflikt zwischen den USA und China angeht, besteht die Gefahr, dass auch europäische Firmen ins Kreuzfeuer geraten."

Auch Unternehmen im Rest der Welt seien indirekt betroffen, warnt Deborah Elms vom Asian Trade Centre, einer Wirtschaftsdenkfabrik in Singapur. Im Wirtschafts-Fernsehsender Bloomberg erklärt sie: "Wenn man sich mal die Lieferketten anschaut von Produkten, auf denen offiziell 'Made in China' steht: Teile dieser Produkte kommen häufig auch aus anderen asiatischen Staaten oder sogar aus Europa. Wenn also US-Zölle auf diese Produkte in Kraft treten, werden die Folgen schwerwiegender sein als derzeit angenommen."

China kündigt weitere Öffnung an

Die chinesische Führung wies die neuen Zolldrohungen der USA heute in Peking nicht nur zurück, sie nutzte die Gelegenheit einmal mehr, um sich als Kämpfer für weltweit offene Märkte darzustellen: "China wird wegen eines Handelskriegs mit den USA nicht seine Türen verschließen oder Reformen aufgeben. Im Gegenteil: Wir sollten uns weiter öffnen", sagte Wang Changlin von der staatlichen Kommission für Entwicklung und Reformen. "Wir werden unsere Politik in Richtung stabiler, gesunder und nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung weiterverfolgen."

Die Lesart allerdings, dass sich China in Sachen Freihandel vorbildlich verhalte, entspricht nach Auffassung der meisten internationalen Wirtschaftsexperten nicht der Wahrheit. China hat in den vergangenen Jahren zwar viele Reformen hin zu mehr Marktöffnung angekündigt, aber nur wenig davon umgesetzt. In einigen Bereichen hat sich China zuletzt sogar wirtschaftlich weiter abgeschottet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juni 2018 um 12:41 Uhr in der Wirtschaft.