Autoshow in Shanghai Niemand lacht mehr über Chinas Autos

Stand: 28.03.2019 09:37 Uhr

Geely, Chery oder Great Wall - nicht nur die Namen chinesischer Autos sorgen in Europa bisher für Skepsis. Doch die internationale Konkurrenz und Experten sind sich einig: Qualität und Design haben sich verbessert. Der Erfolg im eigenen Land ist schon da.

Von Markus Rimmele, ARD-Hörfunkstudio Shanghai

Premiere in Shanghai für den neuen Haval H2, einen Gelände-SUV des chinesischen Autoherstellers Great Wall. Der H2 liegt derzeit auf Platz drei bei den meistverkauften SUVs in China. Die Haval-Serie insgesamt ist ein großer Erfolg. Im vergangenen Jahr verkaufte Great Wall davon 430.000 Stück, 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Der neue H2 bekommt gute Kritiken.

"Das ist - wie man hört - ein vernünftiges Fahrzeug. Der ist schon von der Qualität her gar nicht so schlecht", sagt Jochen Siebert, Automarktforscher und Berater in Shanghai.

Great Wall ist beileibe nicht der einzige chinesische Hersteller, der mit SUVs Erfolg in China hat. In kurzer Zeit haben die heimischen Firmen diese boomende Nische erobert. Vor zwei Jahren hatte es erst ein chinesisches SUV-Modell unter die Top Ten geschafft. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es acht. Mit dabei ist auch der Autohersteller BYD aus dem südchinesischen Shenzhen.

Chinas Autobauer scheuen den Vergleich nicht mehr

"Vor fünf Jahren hatten wir die Qualität der ausländischen Marken noch nicht erreicht", sagt Michael Austin. Er ist zuständig für BYD in den USA. "Aber heute sind wir absolut auf Augenhöhe. Ich hätte keine Scheu, unsere SUVs mit Marken wie Toyota, Hyundai oder Honda zu messen", sagt er.

Auch die meisten Auto-Experten sind sich einig: Chinesische Autos sind bei der Qualität und dem Design deutlich besser geworden. Gleichzeitig sind sie günstig. Der Haval H2 ist ab 100.000 Yuan zu haben, rund 15.000 Euro. Honda und Hyundai sind um mindestens 60 Prozent teurer.

Nicht nur bei den SUVs holen die Chinesen auf. Sie greifen auch bei den Limousinen an. Der Hersteller Geely hat in Shanghai eine neue Autostudie vorgestellt. Geely ist der neue Eigentümer von Volvo.

"Ein viertüriges Coupé, das von Peter Horbury designt wurde. Horbury war früher bei Volvo und bei Ford. Der hat die ganzen schönen Volvos entworfen. Das wird die neue Plattform sein, die sowohl von Volvo als auch Geely benutzt wird", sagt der Experte Siebert. Er spricht von einem europäischen Qualitätslevel.

Matthias Wissmann
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VDA-Chef Wissmann: "Überheblichkeit wäre ein Fehler."

Niemand macht sich mehr lustig

Auch bei den westlichen Branchenvertretern macht sich niemand mehr lustig über die Chinesen. "Die chinesischen Wettbewerber werden eines nicht so fernen Tages Produkte auf den Märkten auch außerhalb Chinas haben - man wird sich warm anziehen müssen. Also es wäre ein großer Fehler, wenn wir überheblich würden, weil wir die stärkste Automobilindustrie der Welt sind", sagt Matthias Wissmann, der Präsident des deutschen Verbandes der Automobilindustrie.

Allerdings werden nicht alle deutschen Hersteller gleichermaßen von der chinesischen Konkurrenz betroffen sein. Volkswagen spürt in China den Druck im Massensegment schon heute. Das Wachstum im SUV-Bereich geht an den Wolfsburgern weitgehend vorbei. Die deutschen Premiumhersteller wiederum zeigen sich noch entspannt.

"Wir sehen ja außerordentlich erfolgreiche Koreaner, die seit Jahren ohne eine Premiummarke unterwegs sind. Wir sehen von den Japanern, die seit Jahrzehnten im Weltmarkt im Volumensegment außerordentlich erfolgreich sind, lediglich Lexus. Insofern sind zum Glück die Eintrittshürden im Premiumsegment recht hoch, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Die Expansion der Chinesen nach Europa und in die USA wird nicht leicht werden. Namen wie Geely, Chery, BYD, Great Wall und Chang’an rufen im Westen noch große Skepsis hervor. Doch die Zukunft einer globalen chinesischen Autoindustrie hat schon begonnen - in China.

Dieser Beitrag lief am 21. April 2015 um 08:35 Uhr auf NDR Info.

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