Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. | Bildquelle: AP

Bundeskanzlerin in Davos Merkel warnt vor erneuter Bankenkrise

Stand: 23.01.2019 16:26 Uhr

Kanzlerin Merkel hat in Davos dazu aufgerufen, alles zu tun, damit sich die Bankenkrise von 2008 nicht wiederholt: Die Zinspolitik der Notenbanken zeige, "dass wir immer noch an dieser Krise knabbern".

Beim Weltwirtschaftsforum hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Politik und Wirtschaft aufgefordert, alles zu tun, damit sich die Bankenkrise von 2008 nicht wiederholt. Die Zinspolitik der großen Notenbanken zeige, "dass wir letztendlich immer noch an dieser Krise knabbern, dass wir immer noch nicht raus sind", sagte sie in Davos. "Wenn man ehrlich ist, steckt uns diese Krise heute noch in den Knochen."

Die Krise habe viel Vertrauen in Politik und Wirtschaft gekostet. Zwar hätten die in der Folge eingeführten Regulierungen Fortschritte gebracht, aber der Glaube an einen stabilen, internationalen Finanzsektor habe "doch sehr gelitten". Deshalb müsse alles getan werden, um eine Wiederholung zu verhindern.

Erneutes Plädoyer für Multilateralismus

Zu derzeit sinkenden Wachstumsprognosen führen aus Merkels Sicht unter anderem eine "Vielzahl von Störungen und Verunsicherungen im multilateralen System". Es gebe Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden könnten, etwa den Klimawandel, Handels- und Sicherheitsfragen - "alles andere würde ins Elend führen", sagte sie. Sie werde sich deshalb sehr stark dafür einsetzten, dass die multilaterale Ordnung künftig nicht an den Grenzen der EU ende.

Die bisherige internationale Ordnung gerate unter Druck: China und Indien beeinflussten die Weltwirtschaft inzwischen stark - als Beispiel nannte sie die Gründung einer asiatischen Investitionsbank als Gegengewicht zur Weltbank, die sie als "Warnschuss" bezeichnete. Bei einer Reform internationaler Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank müssten sich neue "Kräfteverhältnisse" widerspiegeln.

Verantwortung der Industriestaaten für Klima

Die Industrieländer trügen auch eine besondere Verpflichtung, mit dem Klimawandel umzugehen: "Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Klimaveränderung für uns, für die gesamte Welt, eine Riesenbedeutung hat", sagte Merkel.

Industriestaaten hätten die Fähigkeit und auch die Verantwortung, Technologien zu entwickeln, von denen andere dann profitieren könnten. In Deutschland werde angesichts des geplanten Kohleausstiegs Erdgas in den kommenden Jahrzehnten eine größere Rolle spielen, das aus Russland, aber auch den USA und anderen Staaten geliefert werden soll. Die Infrastruktur werde in alle Richtungen ausgebaut.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2019 um 16:00 Uhr.

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