Passanten mit Einkaufstüten gehen durch eine Fußgängerzone. | dpa

Steigende Preise Konsumklima auf historischem Tief

Stand: 27.04.2022 10:41 Uhr

Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat ein historisches Tief erreicht. Die explodierenden Energiepreise und die hohe Inflation drücken das Konsumklima sogar unter das bisherige Rekordtief aus dem Frühjahr 2020.

Die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland hat sich im April erneut deutlich verschlechtert und einen neuen historischen Tiefstand erreicht. Das geht aus der aktuellen Konsumklimastudie des Nürnberger Forschungsunternehmen GfK hervor. Sowohl die Erwartungen der Deutschen hinsichtlich der konjunkturellen Aussichten und ihrer Einkommen als auch ihre Kauflust hätten im April spürbare Dämpfer erhalten. Dies wird sich nach Einschätzung der Marktforscher auch Mai bemerkbar machen.

Es wird mehr gespart

Der GfK-Index ist bereits für April um 15,7 Punkte abgestürzt - für Mai werden jetzt minus 26,5 Punkte prognostiziert, wie die Marktforscher mitteilten. "Der Ukraine-Krieg sowie die hohe Inflation haben der Verbraucherstimmung einen schweren Schlag versetzt", sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Die Gesamtlage sei so eingetrübt wie noch nie seit dem Beginn der Erhebungen im Jahr 1991. Mit der schlechten Stimmung werde sogar der bisherige Tiefstand aus dem April 2020 unterschritten - dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle mit einem ersten weitgehenden Lockdown, heißt es von GfK. Ein deutlich spürbarer Anstieg der Sparneigung im April habe den Absturz noch einmal beschleunigt. "Neben der generellen Verunsicherung dämpfen vor allem die stark steigenden Preise die Konsumlaune", sagte Bürkl: "Wenn für Benzin, Heizöl und Gas deutlich mehr ausgegeben werden muss, bleiben entsprechend weniger finanzielle Mittel für andere Anschaffungen."

Gefahr der Rezession

"Gestiegene Preise von Alltagsgütern üben einen beständigen Druck auf Portemonnaies aus. Da hilft es dem Konsum nicht wirklich, wenn Corona-Beschränkungen entfallen. Die starken Realeinkommensverluste dürften durch Lohnsteigerungen und Staatshilfen nicht kompensiert werden", urteilt Alexander Krüger, Chefökonom bei Hauck Aufhäuser Lampe. Entsprechend sind die Erwartungen der deutschen Verbraucher hinsichtlich ihrer Einkommensentwicklung so schlecht wie zuletzt im Februar 2003. "Eine nachhaltige Trendwende beim Konsumklima wird es nur dann geben können, wenn es beim Krieg in der Ukraine zu erfolgreichen Friedensverhandlungen kommt", sagte Bürkl.

Derzeit aber sähen die Verbraucher eine echte Rezessionsgefahr: Die Gefahr einer länger schrumpfenden Wirtschaft werde als hoch eingeschätzt, so die Ergebnisse der GfK-Umfrage. Die Marktforscher verwiesen auch auf die jüngst von Wirtschaftsforschern deutlich gesenkten Konjunkturprognosen für dieses Jahr. Auch die Bundesbank hatte zuletzt vor einer Rezession gewarnt, sollte der Konflikt mit Russland weiter eskalieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2022 um 06:05 Uhr.