Container im Hamburger Hafen
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Deutscher Außenhandel Der Export schwächelt leicht

Stand: 05.02.2024 14:38 Uhr

Die Außenhandelsbilanz des vergangenen Jahres zeigt, welche Folgen die Unsicherheiten auf den Weltmärkten für deutsche Exporteure haben. Stark zurück gingen allerdings vor allem die Einfuhren.

Während der deutsche Export im vergangenen Jahr noch einigermaßen stabil blieb, sind die Importe um rund 150 Milliarden Euro gesunken. Allein Einfuhren aus China brachen um 37 Milliarden Euro ein.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte heute erste Zahlen zum Außenhandel 2023. Aus Deutschland wurden Waren im Wert von 1.562 Milliarden Euro exportiert und Waren für 1.353 Milliarden importiert. Damit sanken die Exporte gegenüber 2022 um zwei Prozent und die Importe um zehn Prozent.

Schwacher Konsum, weniger Importe

China ist und bleibt mit großem Abstand das Land, aus dem Deutschland am meisten importiert. Es sind vor allem billige Massenwaren und Rohstoffe. In den vergangenen Jahren hat China aber auch immer mehr anspruchsvolle Elektronik geliefert und plant, den europäischen Automarkt anzugreifen. Der Westen sieht mit Sorge, wie das kommunistische China seine Industrie entschlossen aufbaut.

Der aktuelle Rückgang der Importe um ein Fünftel ist unter anderem Befürchtungen geschuldet, sich von einer Diktatur abhängig zu machen. Auch die Erkenntnis, dass der Seehandel angreifbar ist und damit unsicher wird, spielt eine Rolle. So suchen sich Firmen andere Lieferanten in der Nähe. Außerdem dürfte der schwache Konsum in Deutschland dazu beigetragen haben, dass die Einfuhren so stark zurückgingen.

USA wichtigstes Exportland

Die meisten Exporte aus Deutschland gehen in die USA: Vergangenes Jahr wurden Waren für 158 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten verkauft, was einen geringen Anstieg gegenüber 2022 bedeutet.

Neben den USA und China spielen für den deutschen Außenhandel die direkten Nachbarländer und die Europäische Union die größten Rollen. Die Niederlande liegen dank ihrer Häfen, aber auch der Landwirtschaft und Industrie vorne.

Autos, Maschinen und Pharmaprodukte

Die deutschen Exporte hängen an der Metallindustrie. Die Liste der Warengruppen, die Deutschland ins Ausland verkauft, wird von Autos, Lastwagen und Traktoren angeführt (272 Milliarden Euro), gefolgt vom Maschinenbau (254 Milliarden Euro), Elektrotechnik und Pharma.

Diese Warengruppen führen auch die deutsche Importliste an. Das erklärt sich einerseits durch Vorprodukte und sogenannte Halbwaren, die im Ausland billiger hergestellt werden können und in Deutschland veredelt werden. Bei Autos liegt der Fall etwas anders: Kleine, billige Autos werden vor allem im Ausland hergestellt, während die deutsche Autoindustrie weltweit große Mengen teurer Wagen verkauft.

Noch größerer Außenhandelsüberschuss

Wenn ein Land mehr exportiert als importiert, spricht man von einer "positiven Außenhandelsbilanz". Weil die Importe deutlich stärker sanken als die Exporte, ist die deutsche Außenhandelsbilanz noch positiver als zuvor: 209 Milliarden Euro Überschuss. 2022 war die Lage wegen der stark gestiegenen Preise für Energieträger aus dem Ausland schwierig. Die Außenhandelsbilanz 2022 wies mit 89 Milliarden Euro den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2000 aus.

Da Deutschland wenig Rohstoffe, aber viele Menschen auf kleinem Raum hat, ist es für die Volkswirtschaft wichtig, viel zu exportieren. Unterm Strich kommen so Werte ins Land, die helfen, ein hohes Niveau von Wohlstand und Sozialstaat zu finanzieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle Länder positive Außenhandelsbilanzen haben können. Der weltweite Außenhandel gleicht sich insgesamt aus. Kritiker, vor allem in exportschwachen Ländern, sehen stark positive Außenhandelsbilanzen skeptisch und fürchten mangelnde Fairness.

Folgen des russischen Kriegs in der Ukraine

Der Krieg, den Russland in der Ukraine führt, hat deutliche Spuren im deutschen Außenhandel hinterlassen. Vor zehn Jahren wurden nach Russland noch für 36 Milliarden Euro Waren geliefert und für 41 Milliarden Euro gekauft. Vergangenes Jahr lag der Export unter neun und der Import unter vier Milliarden Euro. Gegenüber dem schon schwachen ersten Kriegsjahr 2022 bedeutet das Einbrüche von 40 Prozent beim Export und 90 Prozent beim Import.

Die Ukraine baut dagegen ihren Handel mit Deutschland auf niedrigem Niveau seit Jahrzehnten aus. Der Rückgang um ein Zehntel bei den deutschen Importen aus der Ukraine ist der dortigen Kriegswirtschaft und den umkämpften Lieferwegen geschuldet. Aus Deutschland wurden dagegen Waren im Wert von fast sieben Milliarden Euro geliefert, nahezu 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch hinter diesen kommerziellen Geschäften steckt Unterstützung der Ukraine.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Februar 2024 um 10:34 Uhr.