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Anstieg von nur 0,5 Prozent Inflation auf Vier-Jahres-Tief

Stand: 06.01.2021 16:49 Uhr

Trotz der gigantischen Geldsummen, die die Notenbanken in die Märkte gepumpt haben, bleibt die Inflation niedrig. Im Corona-Jahr stiegen die Preise um nur 0,5 Prozent -  und damit deutlich schwächer als 2019. Warum?

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Seit Jahren warnen Ökonomen und Crash-Propheten vor der Rückkehr der Inflation. Sie argumentieren damit, dass die Staatsverschuldung weltweit immer weiter zunimmt und die Notenbanken die Märkte mit billionenschweren Geldsummen fluten. Doch die befürchtete höhere Inflation ist ausgeblieben - auch 2020.

Negative Teuerungsrate im Dezember

Mehr noch: Die Teuerungsrate war 2020 monatelang sogar negativ. Im Dezember sanken die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Grund dafür sind vor allem die niedrigeren Energiepreise. Sie verbilligten sich um sechs Prozent. Hinzu kam die im zweiten Halbjahr gesenkte Mehrwertsteuer.

Auf Jahressicht zog die Inflation um 0,5 Prozent an. Das ist der niedrigste Anstieg seit 2016. Im Jahr 2019 hatte die Teuerungsrate noch bei 1,4 Prozent gelegen.

Niedrige Energiepreise dämpfen die Teuerung

Vor allem die günstigere Energie bremste die Inflationsentwicklung. Infolge der Corona-Krise und des globalen Wirtschaftseinbruchs brachen zeitweise die Rohölpreise auf den Weltmärkten ein, was sich in gesunkenen Energiepreisen niederschlug. Seit Juli galten zudem bis Ende 2020 niedrigere Mehrwertsteuersätze in Deutschland. Damit wollte die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist die niedrige Teuerungsrate in Deutschland ein Problem, strebt sie doch eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent im Euroraum an. Dieses Ziel verfehlt sie seit vielen Jahren.

Inflation dürfte 2021 stärker anziehen

Mittel- und langfristig dürfte die Teuerungsrate aber wieder steigen. Die EZB rechnet mit jährlichen Steigerungen von etwa 1,3 Prozent im Euro-Raum. In Deutschland dürfte die Inflation 2021 stärker zulegen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prophezeit einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,6 Prozent - wegen der Rückkehr der Mehrwertsteuersätze auf das alte Niveau. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft stellt sich gar auf eine Inflationsrate von 2,6 Prozent ein.

Sollte die Teuerung tatsächlich wieder anspringen, ist sie kaum aufzuhalten. Der frühere US-Präsident Ronald Reagan meinte einst, die Inflation sei "mindestens so gewalttätig wie ein Straßenräuber". Mit der Inflation sei es wie mit Ketchup aus der Flasche, sagen Ökonomen. Man müsse lange auf die Flasche klopfen, bis der Ketchup kommt. Aber wenn er kommt, dann ziemlich gewaltig.

Gefühlte Inflation noch viel höher

Viele Bürger halten die Inflation schon jetzt für viel höher, als sie tatsächlich ist. Das zeigen regelmäßige Umfragen, die die EU-Kommission durchführt. So betrug 2019 die gefühlte Inflation rund sechs Prozent.

Kritiker werfen den offiziellen Statistikämtern unrepräsentative Messungen vor. Nimmt man zum Beispiel die Wohnungspreise und -mieten, sind diese deutlich stärker gestiegen als die Inflationsrate.

Die Bundesbürger haben ohnehin ein schwieriges Verhältnis zur Inflation. So hat sich die Hyperinflation in der Weimarer Republik als traumatische Erfahrung in der älteren Generation eingeprägt. Auch mehrere Währungsreformen in den letzten 100 Jahren haben die Deutschen verunsichert.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. Januar 2021 um 15:41 Uhr.