Händler an der New Yorker Börse
marktbericht

Uneinheitliche Tendenz Ratlosigkeit an der Wall Street

Stand: 11.08.2023 22:10 Uhr

Die Preisdaten vom Vortag haben heute die US-Anleger relativ ratlos zurückgelassen. Vor allem Technologieaktien leiden derzeit unter dem unklaren Kurs der Notenbank. Die Börse fand keine klare Richtung.

Im Nachgang der Preisdaten vom Vortag haben die US-Börsen zum Wochenschluss bei mäßigen Schwankungen keine klare Richtung gefunden. Während der Leitindex Dow Jones um 0,3 Prozent leicht zulegte auf 35.281 Punkte, fiel die Technologiebörse Nasdaq um 0,7 Prozent zurück. Der marktbreite S&P-500-Index ging bei 4464 Zählern um 0,1 Prozent etwas leichter aus dem Handel.

Die Anleger taten sich schwer mit der Interpretation der Daten, die zwar einen leichten Rückgang der Inflation angezeigt hatten, mit 3,2 Prozent aber weiter über der Zielmarke der Notenbank Federal Reserve (Fed) von 2,00 Prozent liegen. Der gestrige Kursrutsch am Rentenmarkt wirkte zudem noch nach und verstärkte die Fragen zur weiteren Zinspolitik der US-Notenbank. Auch heute setzten sich die Kursverluste fort, die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg auf 4,17 Prozent.

Auf der einen Seite schürte der verlangsamte Anstieg der US-Verbraucherpreise Hoffnungen auf ein Ende des aktuellen Zinserhöhungszyklus. Dem stand aber heute ein überraschend starkes Plus bei den Erzeugerpreisen gegenüber. Diese gelten als richtungsweisend für die künftige Inflation.

"Der Markt muss erst einmal durchschnaufen und die gemischt ausgefallenen Zahlen verdauen", sagte Adam Sarhan, Chef des Vermögensverwalters 50 Park. Denn das weitere Vorgehen der US-Notenbank sei alles andere als klar. "Selbst wenn die Fed mit ihren Zinserhöhungen einmal pausiert, stellt sich die Frage, was sie im Rest des Jahres tun wird."

Verschärft wurde die Verunsicherung der Anleger durch die Aussagen der Fed-Bankerin Mary Daly. Ihr zufolge ist der Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen. "Ob wir die Zinsen ein weiteres Mal erhöhen oder die Zinsen über einen längeren Zeitraum stabil halten - diese Dinge müssen noch entschieden werden."

Die unklare Position der Fed lastet derzeit vor allem auf den hochbewerteten Technologieaktien. Die Aktien von Amazon, Netflix, des Facebook-Betreibers Meta und der Google-Mutter Alphabet verloren bis zu 1,5 Prozent, konnten sich im Verlauf aber wieder etwas erholen.

Von Unternehmensseite ging es zum Wochenausklang nachrichtlich ruhig zu. Die Aktien von News Corp stiegen um 4,58 Prozent. Der Medienkonzern von Rupert Murdoch musste im abgelaufenen Quartal einen Umsatzrückgang von fast 10 Prozent und einen Gewinneinbruch von rund 75 Prozent hinnehmen.

Konzernchef Robert Thomson blickt aber dank der "bemerkenswerten Möglichkeiten" der Künstlichen Intelligenz (KI) optimistisch in die Zukunft. Die Verwendung von sogenannter generativer KI biete eine "bemerkenswerte Gelegenheit", neue Einkommensquellen zu erschließen und gleichzeitig die Kosten zu minimieren, so Thomson.

Der DAX hat zum Wochenschluss nicht an seine Erholung vom Vortag anknüpfen können und ging mit Verlusten aus dem Handel. Am Nachmittag baute der deutsche Leitindex dabei seine Verluste noch aus und schloss letztlich bei 15.832 Punkten um rund 1,0 Prozent schwächer. Im Wochenvergleich ergab sich damit ein Minus von 0,8 Prozent.

Der DAX entfernte sich damit wieder von der Marke von 16.000 Punkten, die gestern im Handelsverlauf kurz überwunden wurde. Im Tagestief fiel der Index bis auf 15.803 Punkte, das Tageshoch lag bei 15.963 Zählern. Der MDAX, der Index der mittelgroßen Werte, gab 0,88 Prozent nach auf 28.084 Zähler.

Gestern zeigten US-Inflationsdaten nur einen kleinen Zuwachs der Teuerungsrate und sorgten daher zunächst für gute Stimmung am Aktienmarkt. "Von einem Befreiungsschlag kann aber nicht gesprochen werden, die Anleger halten sich deshalb bedeckt", kommentieren die Experten der Helaba.

Im Mittelpunkt des heutigen Tagesgeschäfts standen hierzulande neben den Auswirkungen der gestrigen US-Preisdaten einige Ergebnisse von heimischen Unternehmen aus der zweiten Reihe, nachdem gestern zahlreiche große DAX-Konzerne ihre Bücher geöffnet hatten.

Die bisherige Berichtssaison der Unternehmen zeigt, dass auch große DAX-Konzerne die abflauende Konjunktur zu spüren bekommen. Ob wegen des Geschäfts in China, wo zuletzt sogar eine Deflation ausgewiesen wurde, oder im heimischen Markt - die Trauben hängen in einem nach wie vor inflationären Umfeld mit steigenden Zinsen nicht mehr so hoch. Ein Trend, der von Branche zu Branche zwar unterschiedlich deutlich ausfällt, die Anleger an den Börsen aber immer wieder zögern lässt und einen klaren Trend verhindert.

Besonders schwer wiegen die weiter unklaren Signale von den großen Notenbanken, die zur Bekämpfung der Inflation kräftig an der Zinssschraube drehen - was die Anleger ebenfalls besorgt, denn ein Überdrehen könnte ein (ungewolltes) Abwürgen der Konjunktur zur Folge haben. Diese Aussicht setzte nicht nur den Aktien- sondern besonders auch den Rentenmarkt unter Druck. Und steigende Rentenrenditen sind noch nie ein guter Begleiter für den Aktienmarkt gewesen.

"Von 'es sind noch weitere Schritte zu befürchten' über 'das war es jetzt mit den Zinserhöhungen' bis hin zu 'Hoffnungen auf baldige Leitzinssenkungen' sind alle Meinungen vertreten", so Jan Gengel, Analyst der Weberbank in Berlin. Daher warten die Investoren auf weitere Konjunkturdaten. Wie übrigens auch die Währungshüter, die weiter auf Sicht fahren wollen.

Update Wirtschaft vom 11.08.2023

Klaus-Rainer Jackisch, HR, tagesschau24, 11.08.2023 09:00 Uhr

Der Kurs des Euro hat sich heute im europäischen Handel wenig verändert, verlor neigte aber im US-Handel zur Schwäche. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0946 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1004 (Donnerstag: 1,1019) Dollar fest.

Der Euro pendelt bereits seit einigen Tagen um die Marke von 1,10 Dollar. Am Nachmittag geriet er unter Druck. Denn die US-Erzeugerpreise waren etwas stärker gestiegen als erwartet. Die Erzeugerpreise wirken sich mit Verzögerung auf die Gesamtinflation aus.

Daten zum deutschen Außenhandel beeinflussten den Euro nicht. So sind die Ausfuhren aus Deutschland im ersten Halbjahr insgesamt gestiegen: Sie legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf knapp 798 Milliarden Euro zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Wichtigste Exportgüter waren Autos und Autoteile, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Die Importe nach Deutschland nahmen in den ersten sechs Monaten hingegen ab - um 4,3 Prozent auf rund 699 Milliarden Euro.

Die Stimmung der US-Verbraucher hat sich im August etwas eingetrübt. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima fiel von 71,6 Punkten im Vormonat auf 71,2 Zähler, wie die Universität heute mitteilte. Experten hatten dies im Schnitt erwartet. Während sich die Bewertung der aktuellen Lage verbesserte, trübten sich die Erwartungen der Verbraucher ein. Die Inflationserwartungen der Verbraucher fielen etwas. Auf Sicht von einem Jahr sanken die Erwartungen von 3,4 Prozent auf 3,3 Prozent.

Die längerfristigen Erwartungen gaben auch etwas nach. Demnach wird in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine Inflationsrate von 2,9 Prozent erwartet. Im Vormonat waren noch 3 Prozent erwartet worden. In den vergangenen Monaten sind die einst hohen Inflationserwartungen der Amerikaner deutlich zurückgegangen.

Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 86,67 Dollar, ein Fass der US-Sorte WTI notierte bei 83,12 Dollar. Das waren leichte Zugewinne gegenüber dem Vortag und ein weiterhin hohes Niveau.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet wegen einer kräftigen Nachfrage nach Rohöl einen weiteren Anstieg der Ölpreise. Durch einen starken Flugverkehr im Sommer, einen erhöhten Ölverbrauch bei der Stromerzeugung und einen robusten Verbrauch in China erreiche die globale Ölnachfrage derzeit Rekordhöhen, heißt es in dem aktuellen Monatsbericht des Interessenverbands führender Industriestaaten.

Im Gegensatz zu Deutschland stehen die Zeichen im Vereinigten Königreich auf Wachstum. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt in Großbritannien im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent, wie das Statistikamt ONS bekanntgab. Analysten hatten für die Monate April bis Juni im Schnitt eine Stagnation erwartet. Im Jahresvergleich wuchs die britische Wirtschaft um 0,4 Prozent.

Papiere der Frankfurter Bank setzten sich mit plus 2,2 Prozent an die DAX-Spitze. Auch die Aktien von Siemens Energy legen in einer Gegenbewegung zu. Ebenso waren Fresenius im Plus, wo es schon länger wieder bergauf geht. Schwächer als der Gesamtmarkt laufen Papiere des Auto-Zulieferers Continental und des Online-Modehändlers Zalando.

Stärkster Wert im MDAX war die Aktie des IT-Dienstleisters Bechtle, die über sechs Prozent gewann. Bechtle geht dank besserer Stimmung im Mittelstand von einer Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr aus. Das Unternehmen bestätigte seine Finanzprognose für das laufende Jahr. Die Nachfrage nach Digitalisierungsprojekten sei ungebrochen hoch. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 6,5 Prozent auf 1,51 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis kletterte um 5,9 Prozent auf 93,8 Millionen Euro.

Papiere des Flughafenbetreibers Fraport fielen hingegen nach zunächst gutem Start zurück. Der Konzern hat am Morgen seine Verkehrszahlen vorgestellt. Erstmals seit der Corona-Pandemie zählte Fraport an Deutschlands größtem Luftfahrt-Drehkeuz wieder mehr als sechs Millionen Passagiere. Das waren knapp 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und noch gut 13 Prozent weniger als vor der Pandemie im Juli 2019. Auch das Cargo-Geschäft wächst wieder. Insgesamt wurden in Frankfurt 164.503 Tonnen umgeschlagen, gut zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Der IT-Dienstleister Nagarro senkt erneut seine Umsatzprognose. Wegen ungünstiger Währungsentwicklungen und Zurückhaltung in einigen Projekten sei 2023 nur noch mit einem Erlös in der Größenordnung von 915 Millionen Euro zu rechnen, teilte das TecDAX-Unternehmen am Abend nach Börsenschluss mit. Nagarro hatte erst Mitte Mai seine Umsatzerwartung von über einer Milliarde auf 940 Millionen Euro gesenkt.

Bei der Bruttomarge peilt das Unternehmen nun noch 26 Prozent an. Zuvor hatte Nagarro mit zwei Prozentpunkten mehr gerechnet. Anleger zeigten sich verärgert: Die Nagarro-Aktie geriet auf der Plattform Tradegate nach der Veröffentlichung unter Druck und büßte fast neun Prozent ein.

Aktien des kriselnden Batterieherstellers Varta im SDAX legten um fast elf Prozent zu. Varta plant nach zuletzt schwachen Geschäften für das kommende Jahr wieder mit einem spürbaren Umsatzwachstum. So soll der Erlös 2024 dank anziehender Nachfrage insbesondere bei Batteriespeichern auf mindestens 900 Millionen Euro steigen. Für dieses Jahr hat Varta mit rund 820 Millionen nur ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 1,6 Prozent geplant. Im ersten Halbjahr fuhr Varta tiefrote Zahlen ein, der Nettoverlust lag bei 110,4 Millionen Euro. Varta hatte bereits im Juli Eckdaten vorgelegt.

Der Fotobuch-Hersteller CEWE bereitet sich nach einem Umsatz- und Ergebnisanstieg im ersten Halbjahr auf das wichtige Geschäft mit Urlaubsfotos und Weihnachtsgeschenken vor. Die verstärkte Reisetätigkeit in diesem Sommer habe die Auftragslage schon im zweiten Quartal gestärkt, teilte CEWE mit. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um knapp elf Prozent auf 299,9 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich um 2,2 Millionen Euro und lag mit rund 100.000 Euro nur noch knapp im Minus.

Papiere des Großhandelskonzerns Metro fallen um rund fünf Prozent im SDAX. Bereits am Abend hatte Metro Geschäftszahlen vorgelegt. Die Umsätze des Konzerns fielen in den drei Monaten bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahresquartal wegen des starken Euro um 3,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. In den jeweiligen lokalen Währungen - also ohne die Folgen der Umrechnung in den Euro - seien die Erlöse hingegen um 2,5 Prozent gestiegen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um ein Viertel auf 332 Millionen Euro.

Der chinesische Technologiekonzern Huawei hat seinen Umsatz trotz starker Behinderungen durch US-Sanktionen leicht ausbauen können. In der ersten Jahreshälfte 2023 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 3,1 Prozent. Die Einnahmen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 310,9 Milliarden Yuan (39 Milliarden Euro), wie der Technologieriese mit Sitz in Shenzhen heute mitteilte. Die Nettogewinnmarge gab Huawei mit 15,0 Prozent an, woraus sich ein Gewinn von 46,6 Milliarden Yuan ergibt.