Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Uneinheitliche US-Märkte Die Euphorie legt sich

Stand: 27.10.2021 22:20 Uhr

Unter der Führung der Tech-Riesen Microsoft und Alphabet hat sich die Nasdaq behauptet präsentiert. Insgesamt aber scheint die Begeisterung der Anleger im Zuge der Berichtssaison abzuebben.

Wie schon am Vortag haben sich die Anleger im späten Geschäft der Wall Street noch stärker aus dem Aktienmarkt zurückgezogen. Während die US-Standardwerte dadurch letztlich deutlicher absackten, rettete sich die Technologiebörse Nasdaq noch einigermaßen über den Tag.

Die Nasdaq schloss am Ende unverändert bei 15.235 Zählern, der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 0,25 Prozent auf 15.598 Zähler. Im Verlauf hatte er bei 15.729 Punkten wie schon gestern einen weiteren Rekord erreicht. Er gab die Gewinne aber fast komplett wieder ab.

Der Leitindex Dow Jones beendete hingegen seine jüngste Rekordjagd und fiel deutlicher um 0,74 Prozent zurück auf 35.490 Punkte. Auch der marktbreite S&P-500-Index gab nach Abgabedruck im späten Geschäft noch um 0,51 Prozent nach auf 4551 Zähler. Gestern hatten auch der Dow und der S&P 500 noch Rekordstände markiert.

Unter den Einzeltiteln in New York fielen besonders - wie stets - die beiden hochbewerteten Technologieriesen Microsoft und Alphabet auf, deren exzellente Zahlen von den Anlegern honoriert wurden.

Warten auf neue Bilanzen

Während es bei den US-Tech-Aktien also überwiegend weiter bergauf geht, sieht die Sache am breiten Markt differenzierter aus. "Die Firmenbilanzen sind sehr ermutigend, die Bewertungen aber bereits hoch", sagte Anlagestratege Sebastien Galy von der Vermögensverwaltung der Nordea Bank. Außerdem würden Investoren wegen der erwarteten baldigen Drosselung der Wertpapierkäufe durch die US-Notenbank Fed vorsichtiger. "Aber das ist nicht unbedingt schlecht."

"Es fühlt sich an wie die Ruhe vor dem Sturm mit der Flut von Geschäftszahlen morgen", sagte Aktienhändler Dennis Dick vom Brokerhaus Bright Trading. "Jeder will erfahren, wie sich die Lieferketten-Probleme auswirken." Am Donnerstag öffnen unter anderem der Online-Händler Amazon und die Kaffeehaus-Kette Starbucks ihre Bücher. Aber auch Apple nach Börsenschluss.

Alphabet "mit kaum einem Kratzer"

Die Google-Mutter Alphabet profitiert weiterhin massiv von der Digitalisierung des Lebens in der Corona-Pandemie. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz des Internet-Konzerns im Jahresvergleich um 41 Prozent auf gut 65,1 Milliarden Dollar. Beim Gewinn gab es einen Sprung von 11,2 auf 18,9 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen gestern nach Börsenschluss berichtete. Alphabet-Papiere legen kräftig um fast fünf Prozent zu. Die Analysten von Jefferies sprechen von einem Ergebnis "mit kaum einem Kratzer".

Microsoft auf Rekordhoch

Auch der Software-Konzern Microsoft hat im vergangenen Geschäftsquartal dank seiner florierenden Cloud-Dienste gut verdient. Der Nettogewinn kletterte in den drei Monaten bis Ende September im Jahresvergleich um 48 Prozent auf 20,5 Milliarden Dollar. Der starke Anstieg war aber auch einer milliardenschweren Steuergutschrift geschuldet. Die Erlöse des Unternehmens wuchsen um 22 Prozent auf 45,3 Milliarden Dollar. An der Börse kamen die Zahlen gut an, die Microsoft-Aktie, die auch im Leitindex Dow Jones enthalten ist, markierte bei 326 Dollar im Verlauf ein Rekordhoch und schloss bei 321,17 Dollar um 4,21 Prozent höher.

Microsoft schickt sich mit einer Börsenbewertung von rund 2,4 Billionen Dollar nun an, Platzhirsch Apple den Spitzenrang als wertvollstes börsennnotiertes Unternehmen der Welt streitig zu machen. Dessen Aktie fiel vor den morgen erwarteten Quartalszahlen leicht zurück, die Bewertung liegt bei rund 2,58 Billionen Euro.

Neue Spannungen zwischen China und den USA

Die Börsen in Asien hatten am Morgen allerdings nachgegeben. Sie werden derzeit auch von einer Nachricht zum Telekom-Konzern China Telecom belastet. Wegen Sicherheitsbedenken haben die USA das Unternehmen vom US-Markt verbannt. China Telecom muss innerhalb von 60 Tagen seine Dienste in den USA einstellen, wie die Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission (FCC) mitteilte. Die FCC berief sich darauf, dass die Regierung in Peking das Unternehmen nutzen könne, um US-Kommunikation abzuhören oder zu stören und "Spionage und andere schädliche Aktivitäten gegen die Vereinigten Staaten durchzuführen". Der Einfluss auf die Märkte war anders als in Asien aber gering.

DAX-Anleger halten inne

Zur Wochenmitte ist der jüngste Aufschwung im deutschen Leitindex DAX zum Halten gekommen. Der Index gab nach zuletzt zwei Gewinntagen moderat um 0,33 Prozent nach und schloss bei 15.705 Zählern.

Die Anleger legten damit eine Pause ein. Denn nach dem letzten Tief vor drei Wochen hat der DAX mittlerweile sechs Prozent zugelegt. Auch heute Vormittag war der Index im Tageshoch schon bis auf 15.744 Punkte geklettert, konnte das Niveau aber nicht halten. Gestern hatte der DAX noch knapp die Marke von 15.800 Punkten verfehlt.

Berichtssaison weiter im Fokus

Morgen kommt auch hierzulande die Berichtssaison stärker in Fahrt, unter anderem Volkswagen und Linde aus dem DAX legen Zahlen vor. Aber auch zahlreiche Ergebnisse aus der zweiten Reihe stehen auf der Agenda. Zuletzt hatte der heimische Aktienmarkt von überwiegend soliden US-Quartalsberichten profitiert. Heute waren die US-Ergebnisse der laufenden Berichtssaison gemischter. Aber auch hierzulande gehen die Unternehmen bisher alles andere als in Sack und Asche bei ihren Ausblicken, was den Markt stützt. Jedenfalls war im Vorfeld Schlimmeres befürchtet worden.

Nach der jüngsten Kursrally komme diese Verschnaufpause am Tag vor den Beratungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht überraschend, sagte Roland Kaloyan von der Bank Societe Generale. Eine Änderung der lockeren Geldpolitik sei zwar nicht zu erwarten. "Aber wie üblich besteht immer das Risiko, dass ein Wort von den Anlegern falsch verstanden oder falsch interpretiert wird." Die EZB entscheidet morgen über ihre Geldpolitik.

Inflationsängste bleiben

Allerdings heißt dies nicht, dass es keine Warnsignale gibt, im Gegenteil. Anziehende Rentenrenditen mahnen ebenso zur Vorsicht wie die zuletzt weiter steigenden Preise bei Vorprodukten und im Großhandel.

Die allgemeine Stimmung sei trotz der Gewinne der vergangenen Tage "von einer spürbaren Unsicherheit und Unentschlossenheit der Marktteilnehmer" gekennzeichnet, so Analyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel. Grund dafür seien nicht zuletzt die stark gestiegenen Renditen von Bundes- und US-Anleihen.

Ein weiteres Inflations-Mosaikstück waren heute die deutschen Importe. Diese haben sich im September wegen deutlich höherer Preise für Öl, Gas und einige Lebensmittel wie Kaffee so stark verteuert wie seit über 40 Jahren nicht mehr. Die Einfuhrpreise stiegen um 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Eine größere Zunahme gab es zuletzt im September 1981 im Zuge der zweiten Ölkrise mit 19,5 Prozent. Experten erwarten, dass die teurer gewordenen Einfuhren auch auf die Lebenshaltungskosten der deutschen Verbraucher durchschlagen. "Diese Kostenlawine wird die Verbraucherpreis-Inflation im Oktober und November weiter nach oben treiben", so Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Die Verbraucher gehen aber trotz rasant steigender Preise mit wachsender Kauflust ins Weihnachtsgeschäft. Die Nürnberger GfK-Marktforscher prognostizieren in ihrem Konsumklimabarometer für November - wenn die für Einzelhändler so wichtige Weihnachtssaison startet - einen Anstieg um 0,5 auf 0,9 Punkte. Einen besseren Wert gab es zuletzt im April 2020. Ökonomen hatten mit einem Rückgang gerechnet.

Wie erhöhte Inflation und zunehmende Kauflust zusammenpassen, erläutert GfK-Experte Rolf Bürkl so: "Die Bundesbürger erwarten offenbar noch weitere Preissteigerungen. Deshalb halten sie es für ratsam, Anschaffungen vorzuziehen, um noch höhere Preise zu vermeiden."

Damit zeichnet sich ein ähnliches Kundenverhalten ab wie in den USA, wo die ohnehin sehr konsumfreudigen Kunden nach dem Ende vieler Corona-Beschränkungen sehr aktiv sind. Ökonomen zweifeln, ob die Preissteigerungen wirklich, wie von den Notenbanken immer wieder behauptet, nur vorübergehender Natur sind und sich spätestens im kommenden Jahr zurückbilden werden.

Der Euro bewegt sich im US-Handel weiter um die Marke von 1,16 US-Dollar und tendiert damit im Vergleich zum europäischen Geschäft wenig verändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1617 (Dienstag) Dollar fest. Die politischen Spannungen wegen China Telecom waren kein Thema am Devisenmarkt.

Zur Wochenmitte standen nur wenige Konjunkturdaten auf dem Plan. Entscheidende Äußerungen von Währungshütern aus der Eurozone waren auch nicht zu erwarten, da diese sich vor einer Zinssitzung mit öffentlichen Auftritten stets zurückhalten.

Blieben die Auftragsdaten für langlebige Güter aus den USA. Diese gingen zwar im Monatsvergleich um 0,4 Prozent zurück, aber weniger stark als von Analysten befürchtet. Diese hatten ein Minus von 1,1 Prozent prognostiziert.

Der kanadische Dollar hat unterdessen zu allen wichtigen Währung zugelegt. Die Notenbank hat ihr Anleihekaufprogramm eingestellt. Mit dem Programm sollten die Folgen der Pandemie auf die Wirtschaft abgemildert werden. Sie stellte zudem eine Leitzinserhöhung im kommenden Jahr in Aussicht. Sie verweist auf die wirtschaftliche Erholung und gestiegene Inflationsgefahren.

Die Ölpreise weiteten heute ihre Verluste auf bis zu 2,0 Prozent aus und gaben damit nach langer Zeit wieder spürbarer nach. Marktbeobachter erklärten die Preisabschläge zum einen mit der eher trüben Stimmung an den Aktienmärkten. Diese habe andere riskantere Anlageklassen wie Rohstoffe mit nach unten gezogen. Hinzu kamen Öllagerdaten aus den USA: Das American Petroleum Institute (API) hatte einen deutlichen Anstieg der landesweiten Erdölbestände gemeldet. Das Ölförderland Iran wird zudem die Atomverhandlungen in Wien nächsten Monat wieder aufnehmen.

Trotz der Abschläge bewegen sich die Ölpreise aber immer noch in der Nähe ihrer unlängst markierten mehrjährigen Höchststände. Getrieben werden die Preise durch ein Gemisch aus konjunkturell bedingt hoher Nachfrage und einem knappen Angebot. Zudem sorgen hohe Gas- und Kohlepreise dafür, dass Erdöl als alternative Energiequelle genutzt wird. Das treibt die Preise zusätzlich.

Nach dem Höhenflug der vergangenen Woche rutschen die Kurse der wichtigsten Kryptowährungen heute weiter ab. Ein Bitcoin kostet derzeit rund 58.500 Dollar. Vor wenigen Tagen noch war ein neues Rekordhoch bei 67.000 Dollar erreicht worden. Investoren hatten den Start eines Bitcoin-ETFs zum Wiedereinstieg in die Cyber-Devise genutzt.

Papiere der Deutschen Bank tendierten nach negativ aufgenommenen Quartalszahlen schwach und verloren deutlich über sechs Prozent. Sie standen damit am DAX-Ende. Deutschlands größtes Geldhaus erzielte im dritten Quartal zwar unter dem Strich einen Gewinn von 194 Millionen Euro, wie es heute mitteilte. Das ist ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und mehr, als die Analysten im Schnitt erwartet hatten.

Die Ertragsprognosen der Deutschen Bank für das Gesamtjahr ließen aber ein viertes Quartal erwarten, "das schwächer als im vergangenen Jahr verläuft", so Analyst Amit Goel von der Barclays Bank. Die Deutsche Bank steckt mitten in einem umfassenden Umbau. Ganze Abteilungen wurden geschlossen, riskante Teile des Investmentbankings abgestoßen und umfassende Sparmaßnahmen angeschoben. Immerhin, es werden auch wieder Investmentbanker eingestellt.

Anfängliche Gewinne hat die BASF-Aktie im Verlauf verloren und schloss mit dem Markt etwas leichter. Gute Nachfrage und höhere Preise für seine Produkte stimmen den weltgrößten Chemiekonzern zuversichtlich. Für 2021 erwartet BASF nun einen Umsatz zwischen 76 und 78 Milliarden Euro. Auch auf der Ergebnisseite rechnet das Unternehmen mit deutlicheren Steigerungen. Im dritten Quartal legte der Umsatz bei BASF um 42 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Sondereinflüssen stieg auf knapp 1,9 Milliarden Euro nach 581 Millionen Euro im Vorjahr. Unter dem Strich wies BASF einen Gewinn von 1,25 Milliarden Euro aus.

DAX-Spitzenreiter war die Aktie des Sportartikelherstellers Puma, die über 3,4 Prozent vorrückte. Das Unternehmen hat im dritten Quartal trotz Problemen in der Lieferkette bei Umsatz und Gewinn deutlich zugelegt. Die Umsätze konnten um rund 20 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gesteigert werden, angetrieben durch ein starkes Wachstum in Amerika. Das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich von 190 Millionen auf rund 229 Millionen Euro, was mehr war als von Experten erwartet. Dabei konnte Puma höhere Kosten im Zusammenhang mit Beschaffungsproblemen ausgleichen. Unter dem Strich verdiente der Konzern 144 Millionen Euro, nach 114 Millionen Euro im Vorjahr.

Nach deutlicher Kritik aus dem Betriebsrat wird Volkswagen-Chef Herbert Diess doch an der Betriebsversammlung Anfang November in Wolfsburg teilnehmen. Eine eigentlich für kommende Woche geplante Reise in die USA ist abgesagt, wie ein Unternehmenssprecher am Mittwoch auf Anfrage bestätigte.

Die neue Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo hatte zuvor das Fernbleiben des Konzernchefs von der Unternehmensversammlung öffentlich kritisiert. Konzernchef Diess werde am 4. November in Wolfsburg sein und sich den Fragen der Mitarbeiter stellen, sagte der Unternehmenssprecher. Eine für den Donnerstag geplante eigene Dialogveranstaltung sei kurzfristig abgesagt worden. Betriebsratschefin Cavallo hatte die Absage und den eigenen Gesprächstermin zuvor mit deutlichen Worten kritisiert.

Der Chemiekonzern baut sein Geschäft rund um Zusätze für Kleb- und Dichtstoffe und Beschichtungen mit einer Übernahme in China aus. Für rund 120 Millionen Euro sollen 60 Prozent des Spezialsilanherstellers Sico Performance Material übernommen werden. Laut Wacker-Chemie-Chef Christian Hartel ist der Kauf ein "Schritt in unserer Strategie, weltweit den Anteil margenstarker Spezialitäten im Silikongeschäft weiter auszubauen". Die Transaktion soll im ersten Halbjahr 2022 abgeschlossen werden, wenn die Behörden zustimmen.

Deutlich mehr verdient hat im dritten Quartal die spanische Bank Santander, eine der größten Geschäftsbanken im Euroraum. Dank einer niedrigeren Kreditrisikovorsorge und guten Geschäften im Ausland verdiente das zweitgrößte Geldhaus der Euro-Zone im dritten Quartal mit 2,17 Milliarden Euro 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn war höher als von Analysten erwartet. Die Konzernerträge legten im dritten Quartal um acht Prozent auf 11,9 Milliarden Euro zu. Die Aktie gab nach einem zuletzt guten Lauf dennoch deutlich nach.

Der aktivistische Investor Third Point verlangt einem Pressebericht zufolge die Aufspaltung des Ölkonzerns Royal Dutch Shell in zwei eigenständige Unternehmen. Dadurch solle die Firma ein besseres Image bekommen, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Neben dem traditionellen Geschäft mit Raffinerien solle eine neue Firma mit Fokus auf Alternative Energien und Investments entstehen. Third Point sei mit mehr als 500 Millionen US-Dollar (431 Mio Euro) an Shell beteiligt. Dem Investor zufolge distanzierten sich Aktionäre von Shell, weil der Konzern als umweltschädlich eingeordnet werde.

Der Musikstreaming-Marktführer Spotify erntet die ersten Früchte seiner Podcast-Offensive. Im vergangenen Quartal sprangen die Werbeerlöse im Jahresvergleich um 75 Prozent auf 323 Millionen Euro. Ihr Anteil am gesamten Spotify-Geschäft stieg damit von gut neun auf rund 13 Prozent. Spotify hatte in den vergangenen Monaten mit Zukäufen und Exklusiv-Deals viel in den Ausbau des Podcast-Angebots investiert.

Unterm Strich verbuchte Spotify einen Quartalsgewinn von zwei Millionen Euro - nach roten Zahlen von 101 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Spotify gilt als die klare Nummer eins im Musikstreaming-Geschäft vor Apple. Der iPhone-Konzern hatte in seinem Dienst Apple Music im Sommer 2019 mehr als 60 Millionen Abo-Kunden - und nannte seitdem keine neuen Zahlen. Spotify hat nun 172 Millionen Abo-Kunden, 7 Millionen mehr als vor drei Monaten. Die Aktie legt deutlich zu.

Der zweitgrößte US-Autobauer Ford hat im dritten Quartal trotz der weltweiten Chipkrise besser als erwartet abgeschnitten und seine Gewinnziele angehoben. Für das Gesamtjahr 2021 sei nun mit einem bereinigten Betriebsergebnis zwischen 10,5 Milliarden und 11,5 Milliarden Dollar (9,9 Mrd Euro) zu rechnen, teilte Ford heute nach US-Börsenschluss mit. Die bisherige Prognose hatte bei maximal zehn Milliarden Dollar gelegen. Die Aktie reagierte nachbörslich zunächst mit einem Kurssprung um über vier Prozent.

Im vergangenen Vierteljahr sanken Gewinn und Umsatz angesichts der durch den Halbleiter-Mangel geschwächten Produktion zwar stark, aber weniger als von Analysten angenommen. Ford erklärte zudem, dass sich die Versorgungslage inzwischen deutlich entspannt habe. Unterm Strich verdiente das Unternehmen im Quartal 1,8 Milliarden Dollar. Das waren rund 600 Millionen weniger als vor einem Jahr, als der US-Automarkt ein Comeback nach dem ersten Corona-Schock feierte. Die konzernweiten Erlöse gingen um fünf Prozent auf 35,7 Milliarden Dollar zurück.

Der Onlinehändler eBay hat trotz der schärfer werdenden Konkurrenz durch den stationären Handel seinen Umsatz erhöht. Die Erlöse legten im dritten Quartal um elf Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar zu, wie der US-Konzern nach Börsenschluss mitteilte. Das lag über den Erwartungen von Analysten. Für das laufende Quartal rechnet eBay allerdings nur noch mit einem Umsatzplus zwischen drei und fünf Prozent. Nachbörslich gab die Aktie deutlich nach.

Der Gewinn stieg von Juli bis September leicht auf 591 Millionen Dollar. Trotz der fortschreitenden Impfkampagnen rund um den Globus und allerorten wieder geöffneter Läden kauften mehr Menschen bei eBay ein und nahmen an Auktionen teil. Trotzdem steht eBay weltweit im Schatten des weltgrößten Onlinehändlers Amazon, der am Donnerstag Einblick in das abgelaufene Quartal gibt. Zudem macht der Online-Marktplatz für Selbstgemachtes, Etsy, dem Unternehmen Konkurrenz.

Die Geschäfte für den weltgrößten Fast-Food-Konzern McDonald's laufen dank der Erholung von der Corona-Krise wieder deutlich besser. Der Gewinn kletterte im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreswert um 22 Prozent auf 2,15 Milliarden US-Dollar (5,3 Mrd Euro), wie der Burger-King-Konkurrent heute in Chicago mitteilte. Die Erlöse legten um 14 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar zu. Der flächenbereinigte Absatz stieg um 12,7 Prozent.

Anhaltender Ärger mit dem Langstreckenflugzeug 787 Dreamliner und dem Raumfahrtprogramm Starliner haben dem US-Flugzeugbauer Boeing erneut rote Zahlen eingebrockt. Unter dem Strich schrieb der Airbus-Rivale im dritten Quartal 132 Millionen Dollar Verlust, operativ stand aber zum zweiten Mal in Folge ein Gewinn zu Buche. "Wir bekommen wieder Stabilität ins Geschäft", erklärte Vorstandschef Dave Calhoun. Die Luftfahrt erhole sich, nachdem die Impfzahlen stiegen und viele Länder ihre Grenzen öffneten.

Die Auslieferung des "Dreamliner" musste Boeing zweimal unterbrechen, seit Mai wurde keine 787 mehr an Kunden übergeben, so dass inzwischen mehr als 100 Jets im Wert von neun Milliarden Dollar auf Halde liegen. Die Probleme mit der 787 hätten Boeing allein im dritten Quartal 183 Millionen Dollar gekostet, räumte das Management ein. Insgesamt hätten Untersuchungen und Reparaturen der "strukturellen Defekte" binnen zwei Jahren eine Milliarde Dollar verschlungen.

Die Hoffnung auf einen Durchbruch schwinde angesichts von Problemen mit Zulieferern, berichtete die Agentur Reuters. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA hatte Boeing im Sommer Qualitätsmängel bei der 787-Produktion bescheinigt. Boeing-Aktien geben 1,5 Prozent nach, sie sind Teil des Leitindex Dow Jones.

Der Getränkeriese Coca-Cola hat sich im dritten Quartal weiter von der Corona-Pandemie erholt. Für das Gesamtjahr wird Konzernchef James Quincey nun trotz deutlich gestiegener Rohstoffpreise etwas zuversichtlicher. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll 2021 um 15 bis 17 Prozent zulegen nach 1,95 US-Dollar im vergangenen Jahr, wie der Konzern in Atlanta mitteilte. Bislang hatte Quincey bestenfalls 15 Prozent in Aussicht gestellt. Der robuste Ausblick gefällt den Investoren, die Aktie steigt um über zwei Prozent.

Wesentlich schlechter läuft es für den Chiphersteller Texas Instruments, der gestern nach Börsenschluss Zahlen vorgelegt hatte. Die Warnung vor einem Umsatz unter Markterwartungen im wichtigen Weihnachtsgeschäft brockt Texas Instruments den größten Kursrutsch seit eineinhalb Jahren ein. Die Aktien des Chip-Herstellers fallen um rund sechs Prozent. Der Ausblick des Unternehmens deute darauf hin, dass die Chip-Nachfrage ihren Höhepunkt überschritten hat, schreibt Analyst Brian Colello vom Research-Haus Morningstar.

Der Halbleiter-Mangel in der Autoindustrie hat dem größten US-Hersteller General Motors (GM) einen starken Gewinneinbruch eingebrockt. Im dritten Quartal verdiente der Konzern nach eigenen Angaben von Mittwoch unterm Strich 2,4 Milliarden Dollar (2,1 Mrd Euro) und damit über 40 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Umsatz sank um rund ein Viertel auf 26,8 Milliarden Dollar. Trotz der starken Rückgänge bei Gewinn und Umsatz übertrafen die Zahlen die Erwartungen der Analysten. Die Aktie legte vorbörslich zunächst deutlich zu, schloss letztlich aber doch deutlich im Minus.

LG-Display Corona-Gewinner

Die florierende Nachfrage nach Fernsehern in der Corona-Pandemie hat dem südkoreanischen Display-Hersteller den fünften Quartalsgewinn in Folge beschert. Das Betriebsergebnis kletterte im dritten Quartal um mehr als das Dreifache auf 529 Milliarden Won (390 Millionen Euro), wie LG Display mitteilte. Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf 7,2 Billionen Won. Der Apple-Zulieferer profitierte vor allem vom stark gestiegenen Preis seines Hauptproduktes, des 55-Zoll-LCD-Panels für Fernsehgeräte: Dieser schnellte laut Daten des Marktforschers WitsView um 57 Prozent hoch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2021 um 07:35 Uhr in der Börse.