Händler an der New Yorker Börse.
marktbericht

Sorge um Lage in Nahost Wall Street im Krisenmodus

Stand: 18.10.2023 22:15 Uhr

Die Sorge um die aktuelle Lage in Nahost hat nun auch die Wall Street erfasst. Die Kurse in New York gingen auf breiter Front zurück, während der Goldpreis weiter anzog.

Bislang hatte die Situation im Nahen Osten die Wall Street eher am Rande tangiert. Das änderte sich zur Wochenmitte nach dem Raketeneinschlag in ein Krankenhaus im Gazastreifen. Die Sorge um eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas erfasste nun auch die Anlegerinnen und Anleger in New York. Dazu trugen auch neue Drohungen aus dem Iran gegen Israel bei.

Auch die anhaltende Hängepartie im US-Kongress lastete auf der Stimmung. Der aktuelle Konjunkturbericht der Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte dagegen wenig Einfluss auf die Kurse. Die Notenbank stellte darin fest, dass sich die wirtschaftliche Dynamik in den vergangenen Wochen kaum verändert habe.

Der Dow Jones tendierte fast die gesamte Sitzung über nach unten und schloss 0,98 Prozent tiefer.

Der Technologieindex Nasdaq 100 gab mit minus 1,41 Prozent deutlich stärker nach. Der aktuelle Konjunkturbericht der Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte dagegen wenig Einfluss auf die Kurse. Die Notenbank stellte darin fest, dass sich die wirtschaftliche Dynamik in den vergangenen Wochen kaum verändert habe.

An der deutschen Börse, die zuvor schon stärker von den Ereignissen in Nahost in Mitleidenschaft gezogen worden war, ging es ebenfalls fast durchgehend nach unten. Anders als an den beiden Vortagen gelang es dem DAX nicht, seine zwischenzeitlichen Verluste wieder aufzuholen. Der deutsche Leitindex schloss ein Prozent tiefer bei 15.094,91 Punkten.

Update Wirtschaft vom 18.10.2023

Bo Hyun Kim, HR, tagesschau24, 18.10.2023 09:00 Uhr

Die auffallendste Kursbewegung gab es am Goldmarkt. Zeitweise sprang der Goldpreis wieder über die Marke von 1.960 Dollar. Zur Stunde wird die Feinunze Gold bei 1.950 Dollar gehandelt - das sind rund 25 Dollar mehr.

Seit dem 6. Oktober hat sich das Edelmetall um mehr als 100 Dollar je Feinunze verteuert. Sollte sich der Konflikt auf andere Länder ausweiten, dürfte der Goldpreis aufgrund seiner Rolle als "sicherer Hafen" weiter zulegen, prognostizierte die Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank.

Am Ölmarkt machten die Preise angesichts der eskalierenden Lage im Nahen Osten einen Satz nach oben. Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus China stützten ebenfalls die Preise, förderten sie doch die Spekulation auf eine höhere Nachfrage.

Am Nachmittag gingen die Notierungen wieder etwas zurück. Am späten Abend kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 91,26 Dollar. Dabei sind die Ölreserven in den USA in der vergangenen Woche überraschend deutlich gesunken. Die Bestände an Rohöl fielen im Vergleich zur Vorwoche um 4,5 Millionen auf 419,7 Millionen Barrel.

Ein zusätzlicher, im Hintergrund weiter schwelender Risikofaktor für die Aktienmärkte ist der Handelskrieg zwischen den USA und China. Die USA haben verschärfte Beschränkungen der Ausfuhren hochmoderner Halbleiter nach China angekündigt. Der US-Handelsministerin Gina Raimondo zufolge zielen die Maßnahmen besonders auf Chinas Kapazitäten zur Entwicklung von KI-Technologie ab.

Bislang standen der US-Chiphersteller Nvidia und dessen Hochleistungschip H100 im Zentrum der US-Exportverbote. Die Aktualisierung der Exportregeln sieht nun auch ein Ausfuhrverbot für weitere, weniger leistungsstarke Halbleiter von Nvidia und weiteren Herstellern vor.

Am Abend war die Aktie der Deutschen Börse zunächst gefragt, fiel dann aber wieder zurück. Der Börsenbetreiber hatte nach Xetra-Schluss im Zuge der Übernahme des dänischen Finanzsoftware-Spezialisten SimCorp und der gestiegenen Zinsen seine Jahresprognose erhöht. Der DAX-Konzern erwartet für 2023 nunmehr einen Umsatz von rund 5,0 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 2,9 Milliarden Euro. Die Deutsche Börse hatte bereits im Juli angekündigt, die ursprüngliche Jahresprognose zu übertreffen. Im dritten Quartal baute der Börsenbetreiber seine Nettoerlöse binnen Jahresfrist um neun Prozent auf 1,19 Milliarden Euro aus. Das Ebitda wuchs um sieben Prozent auf 684,8 Millionen Euro. Dagegen enttäuschte die Entwicklung des Nettogewinns, der ebenfalls um sieben Prozent auf 400,3 Millionen Euro zulegte.

Im DAX war die Adidas-Aktie mit einem Plus von 3,2 Prozent der größte Gewinner. Nach dem zweiten erfolgreichen Schlussverkauf von "Yeezy"-Schuhen rechnet der Sportartikelhersteller in diesem Jahr nur noch mit einem kleinen Verlust. Das operative Minus werde nur noch bei etwa 100 Millionen Euro liegen, 350 Millionen weniger als im Sommer vorhergesagt, hatte Adidas am Dienstagabend mitgeteilt. Im Sog von Adidas verbuchten auch Puma-Papiere im MDAX Kursgewinne.

Im MDAX stand die Lufthansa-Aktie unter Druck. Die US-Bank Citigroup hat die Titel von "Buy" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 14 auf 7,90 Euro gesenkt. Analyst Sathish Sivakumar begründet dies in seiner Branchenstudie mit zunehmenden Risiken für das Margenziel der Frankfurter für das Geschäftsjahr 2024. Höhere Kerosinkosten und Probleme mit GTF-Triebwerken bremsten das Kostensenkungspotenzial. Zudem sieht er Ergebnisrisiken im Frachtbereich.

Der ebenfalls im MDAX notierte Autozulieferer Hella hat seine Geschäfte in den ersten neun Monaten deutlich ausgeweitet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kletterte der Umsatz um 13 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro, wie der zum französischen Autozulieferer Faurecia gehörende Konzern mitteilte. Hella wachse in allen Bereichen und in allen Regionen, sagte Unternehmenschef Michel Favre.

Wegen der Konjunkturschwäche der Chemiebranche baut der Spezialchemiekonzern Lanxess weltweit etwa jede 15. seiner Stellen ab. Um sich effizienter aufzustellen, sollen die Kosten im Jahr um 150 Millionen Euro gesenkt werden, wie ein Unternehmenssprecher am Dienstagabend sagte. Zu den Maßnahmen zähle der Abbau von 870 Vollzeitstellen, davon 460 in Deutschland.

Im SDAX war die Aktie von SAF-Holland gefragt. Der fränkische Lkw-Zulieferer erhöhte angesichts eines brummenden Ersatzteilgeschäfts zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten die Umsatz- und Gewinnprognose. Statt eines Umsatzes von etwas über zwei Milliarden Euro seien nun 2,1 Milliarden Euro zu erwarten, teilte SAF-Holland mit. Die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) werde auf rund 9,5 Prozent steigen; bisher hatte der Vorstand etwa neun Prozent erwartet. Die Nachfrage in Amerika und Asien sei anhaltend solide und der Auftragsbestand robust, erklärte das Unternehmen.

Nach einem Geschäftseinbruch im vergangenen Jahr hat der Online-Broker FlatexDegiro im Sommer wieder deutlich zugelegt. Dank gestiegener Zinsen und höherer Provisionen pro Transaktion sprang das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) um 70 Prozent nach oben auf rund 41 Millionen Euro.

Der Chipausrüster ASML hat im dritten Quartal bei den Bestellungen die Schwäche der Halbleiterbranche voll zu spüren bekommen. Der Wert der Neuaufträge sei im Vergleich zum Vorquartal um 42 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro eingebrochen, teilte das EuroStoxx-50-Schwergewicht heute mit. Der Umsatz sank um etwas mehr als drei Prozent auf knapp 6,7 Milliarden Euro.

An der Börse in Hongkong gewann die BYD-Aktie über sechs Prozent. Der Elektroautobauer hatte gestern bekanntgegeben, dass er aufgrund robuster Umsätze und effektiver Kostenkontrolle mit einem Gewinnanstieg im dritten Quartal rechnet. Der Nettogewinn könne bis auf 11,55 Milliarden Yuan (rund 1,5 Milliarden Euro) wachsen und sich damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppeln.

Nach zwei Unfällen mit Fußgängern in San Francisco ist die Robotaxi-Firma Cruise ins Blickfeld der US-Verkehrsbehörde geraten. Die NHTSA leitete eine Voruntersuchung ein, die unter anderem klären soll, ob die zum Teil komplett fahrerlosen Fahrzeuge der General-Motors-Tochter zu nahe an Menschen heranfahren.

Die US-Fluggesellschaft United Airlines hat mit ihrer Gewinnprognose für das laufende Vierteljahr an der Börse für Enttäuschung gesorgt. Bleiben die Flüge nach Tel Aviv nur bis Ende Oktober ausgesetzt, rechnet United für das laufende Quartal mit einem Gewinn pro Aktie von 1,80 Dollar. Bei einem Stopp bis Ende des Jahres wären es nur 1,50 Dollar, wie die Airline prognostizierte.

Der US-Onlinehändler Amazon setzt nach eigenen Angaben bereits 10.000 Elektro-Lieferwagen des Herstellers Rivian für die Auslieferung seiner Waren in den USA und Europa ein. Amazon habe bereits 150 Millionen Lieferungen mit Rivian-Transportern durchgeführt, teilte das Unternehmen mit. Bis 2030 sollen mindestens 100.000 elektrische Lieferwagen auf den Straßen unterwegs sein. Amazon ist an dem Elektroautohersteller beteiligt.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Oktober 2023 um 09:00 Uhr.