Händler an der New Yorker Börse.
marktbericht

Nasdaq 100 minus 2,5 Prozent Tech-Blues in New York

Stand: 25.10.2023 22:29 Uhr

Während der DAX noch leicht zulegen konnte, haderten die Marktteilnehmer in den USA mit enttäuschenden Quartalszahlen. US-Technologietitel standen stark unter Druck.

Ein neuer Höhepunkt in der laufenden Berichtssaison hat den Krieg im Nahen Osten an der Börse etwas in den Hintergrund rücken lassen. Doch insbesondere die Zahlen der Google-Mutter Alphabet enttäuschten und zogen die Tech-Titel in Mitleidenschaft. Der Standardwerteindex Dow Jones büßte vergleichsweise moderate 0,32 Prozent ein.

Der Technologieindex Nasdaq 100 rutschte dagegen um 2,47 Prozent ab. Die Wahl des Republikaners Mike Johnson zum Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, die den Kongress wieder handlungsfähig macht, hatte kaum Einfluss auf die Kurse.

Der DAX hatte nach einer wechselhaften Sitzung am Ende ein leichtes Plus von 0,1 Prozent verzeichnet, wozu starke Kursgewinne der Deutschen Bank beitrugen.

Vor allem bestimmten uneinheitlich ausgefallene Bilanzen der US-Technologieriesen Microsoft und Alphabet das Geschehen. Zum anderen ließen die Risiken im Krieg im Nahen Osten und das Warten auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Anleger vor Aktienkäufen zurückscheuen.

Update Wirtschaft vom 25.10.2023

Samir Ibrahim, HR, tagesschau24

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde und die anderen Währungshüter auf ihrer morgigen Zinssitzung in Athen eine Zinspause beschließen werden. "Die Anleger an der Frankfurter Börse fahren weiter auf Sicht und trauen der gestrigen Stabilisierung im Deutschen Aktienindex noch nicht wirklich über den Weg", sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets.

Für eine positive Überraschung sorgte am Vormittag der ifo-Geschäftsklimaindex. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer legte im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 1,1 Punkte auf 86,9 Zähler zu. Das war der erste Anstieg seit April. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bleibt dennoch skeptisch, eine Trendwende nach oben sei das noch nicht. "Das niedrige Niveau des ifo-Geschäftsklimas legt weiter ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im zweiten Halbjahr nahe." Für das nächste Jahr erwartet Krämer keine kräftige Erholung, denn die massiven EZB-Zinserhöhungen wirkten nach.

Die Ölpreise zogen am Abend wieder an. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am späten Abend knapp 89 Dollar. Das ist ein Prozent mehr als gestern. In den vergangenen Handelstagen hatte sich Rohöl aus der Nordsee noch um rund als fünf Dollar verbilligt. In den USA sind die Ölreserven in der vergangenen Woche überraschend gestiegen, was den Markt tendenziell entlastet.

Der Goldpreis nahm am Nachmittag wieder Fahrt auf. Die Feinunze kostete am späten Abend 1.982 Dollar und damit 0,5 Prozent mehr. Seit dem Überfall der radikalislamischen Terrororganisation Hamas auf Israel hat das gelbe Edelmetall von seinem Image als "sicherer Hafen" profitieren und rund 140 Dollar hinzugewinnen können. Der Euro notierte bei 1,0570 Dollar.

Die US-Aktienmärkte standen ganz unter dem Eindruck der Quartalsergebnisse von Alphabet. Trotz eines starken Werbegeschäfts und eines um 40 Prozent höheren Quartalsgewinns von 19,7 Milliarden Dollar enttäuschte die Google-Mutter die Erwartungen der Anleger. Vor allem im Cloud-Bereich verfehlten die Erlöse die Markterwartungen. Die Aktie verlor im US-Handel über neun Prozent.

Deutlich besser kam das Zahlenwerk von Microsoft an. Der Tech-Konzern profitiert weiter vom Boom bei Software mit Künstlicher Intelligenz, die auch die Nachfrage nach Cloud-Diensten des Konzerns antreibt. Der Umsatz legte im ersten Geschäftsquartal um 13 Prozent auf 56,5 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn stieg um 27 Prozent auf 22 Milliarden Dollar. "Die Ergebnisse zeigen, dass KI-Produkte den Umsatz ankurbeln und bereits zum Umsatz- und Gewinnwachstum beitragen," sagte Jesse Cohen, Senior Analyst bei Investing.com, zur Lage bei Microsoft. Das Unternehmen ist an OpenAI beteiligt, dem Hersteller von ChatGPT.

Die Telekom-Tochter T-Mobile US hat sich im dritten Quartal deutlich besser geschlagen als gedacht. Sowohl beim operativen Ergebnis als auch bei der Zahl neuer Mobilfunkverträge überraschte das Unternehmen positiv. Wie bereits in der Vergangenheit blieb das mit Abstand wichtigste Geschäft der Deutschen Telekom bei seinem Rhythmus und erhöhte erneut in winzigen Schritten die Prognose.

So verdiente T-Mobile US operativ ohne Verzerrung durch die Endgeräte-Vermarktung mit gut 7,5 Milliarden Dollar rund 12,2 Prozent mehr. Branchenkenner waren von fast einer Milliarde Dollar weniger ausgegangen. Der Nettozuwachs bei den Mobilfunkverträgen lag bei 850.000, was ebenfalls deutlich über den Erwartungen war. Das Betriebsergebnis (Core Ebitda) soll nun bei 29,0 bis 29,2 Milliarden Dollar liegen.

Im DAX war die Deutsche Bank mit einem Plus von 8,2 Prozent größter DAX-Gewinner. Das Geldhaus will nach den Worten von Vorstandschef Christian Sewing die Ausschüttungen an seine Aktionäre steigern - "über die acht Milliarden Euro bis einschließlich 2025 hinaus, die wir bereits angekündigt hatten".

Deutschlands größtes Finanzinstitut hat im dritten Quartal zwar einen Gewinnrückgang um acht Prozent auf 1,03 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Das lag aber klar über den Schätzungen der Analysten, die nur rund 937 Millionen Euro erwartet hatten. Es war bereits das 13. Quartal in Serie mit Gewinnen für die Deutsche Bank.

Die Symrise-Aktie legte ebenfalls deutlich zu. Der Duft- und Aromenhersteller hat nach Zuwächsen in den ersten neun Monaten seine Jahresziele bestätigt. Demnach peilt der DAX-Konzern 2023 ein organisches Umsatzplus von fünf bis sieben Prozent an und eine bereinigte operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von rund 20 Prozent. Im dritten Quartal lag das Umsatzplus bei 6,4 Prozent.

Am Abend legte auch Rheinmetall Quartalszahlen vor. Der Rüstungskonzern hat mit Waffen und Munition im dritten Quartal deutlich mehr verdient als von Analysten erwartet. Auf Basis vorläufiger Zahlen legte das operative Ergebnis gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um fast zwei Drittel auf 191 Millionen Euro zu, teilte das DAX-Unternehmen überraschend mit. Die operative Marge verbesserte sich auf 10,9 Prozent nach 8,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Jahresprognose bestätigte der Vorstand. So soll der Konzernumsatz bei 7,4 bis 7,6 Milliarden Euro liegen. Davon sollen rund zwölf Prozent als operatives Ergebnis hängen bleiben.

Wegen erfolgreicher Geschäfte mit den Marken Nivea, Eucerin und Labello wird der Konsumgüterkonzern Beiersdorf für dieses Jahr optimistischer. Die Erlöse sollen jetzt - Währungsschwankungen sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet - um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz wachsen. Bisher sollte dieser Wert nur im besten Fall erreicht werden. Damit erhöht das Management seine Umsatzprognose bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr.

Der Sportwagenbauer Porsche hat im dritten Quartal mehr Geschäft gemacht als von Experten erwartet. Der Umsatz kletterte in den ersten neun Monaten im Jahresvergleich um 12,6 Prozent auf 30,1 Milliarden Euro, wie das mehrheitlich zum Volkswagen-Konzern gehörende Unternehmen mitteilte. Das Ergebnis nach Steuern steigerte Porsche von 3,7 Milliarden auf 3,94 Milliarden Euro.

Die Lufthansa bringt im Sommer nächsten Jahres die schon 2022 gegründete Fluglinie "City Airlines" an den Start. Diese werde Flüge aus den Drehkreuzen München und Frankfurt anbieten und damit Zubringerflüge zu Langstreckenverbindungen. "Nur so können wir wachsen und die Drehkreuze in München und Frankfurt nachhaltig stärken," sagte Jens Fehlinger, Geschäftsführer von City Airlines.

Nach kräftigen Umsatz- und Gewinnzuwächsen in den ersten neun Monaten setzt der Münchener Lkw- und Bus-Konzern Traton seine Prognose hoch. Die bereinigte operative Umsatzrendite soll demnach in diesem Jahr zwischen 7,5 und 8,5 Prozent liegen, wie die Holding mit den Marken MAN, Scania, Navistar und VW Trucks mitteilte. Bisher hatte Traton mit 7,0 bis 8,0 Prozent gerechnet.

Die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft DWS hat im dritten Quartal Nettomittelzuflüsse verzeichnet und vor allem auch mit ihren ESG-Produkten neue Gelder eingesammelt. In Anlagen, die die Aspekte Umweltschutz, Sozialverträglichkeit und gute Unternehmensführung (ESG) besonders berücksichtigen, flossen in den Monaten Juli bis September netto 1,7 Milliarden Euro. Die Fondsgesellschaft musste in den USA zuletzt wegen "Greenwashing" und wegen zu laxer Vorkehrungen gegen Geldwäsche 25 Millionen Dollar Bußgeld zahlen.

Der Energieversorger Uniper erzielt dank geschickter Absicherungsgeschäfte kräftige Gewinne. Der Konzern, der im vergangenen Jahr durch die russischen Gaslieferstopps in Schieflage geraten war und vom Staat gerettet werden musste, schreibt wieder schwarze Zahlen: Der bereinigte Überschuss betrug 3,7 Milliarden Euro nach einem Minus von 3,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

Im SDAX brach die Aktie von Süss MicroTec ein. Der Chip-Ausrüster schraubte seine Prognosen zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten zurück und macht die verschärften Ausfuhrkontrollen für Exporte nach China dafür mitverantwortlich. Für China bestimmte Anlagen im Wert von 23,5 Millionen Euro hingen beim Zoll fest und hätten daher nicht rechtzeitig ausgeliefert werden können, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Der deutsche Zoll habe den Dokumentations- und Prüfungsaufwand für Lieferungen nach China seit August "deutlich intensiviert", hieß es in der Mitteilung.

Da nicht absehbar sei, wie viele Maschinen bis Jahresende geliefert werden könnten, könnte der Umsatz in diesem Jahr stagnieren. Im besten Fall rechnet Süss Microtec zwar weiter mit 340 Millionen Euro Umsatz, im schlechtesten Fall aber nur mit 300 Millionen. Im dritten Quartal habe der Umsatz bei 75 Millionen Euro gelegen. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) werde 2023 mit vier bis acht (bisher: neun bis elf) Prozent deutlich unter den Erwartungen liegen.

Nach dem Branchenprimus LVMH hat mit der Gucci-Mutter Kering erneut ein Unternehmen aus dem Luxusgütersektor enttäuschende Zahlen vorgelegt. Die Kering-Aktie setzt daraufhin ihren Abwärtstrend der vergangenen Monate fort. Die Einzelhandelsumsätze hinkten klar denen der Wettbewerber hinterher, monierten die Analysten des Investmenthauses Bryan Garnier. Das Beste am dritten Quartal sei, dass es vorbei sei, hieß es lapidar vom Researchhaus Stifel.

Der südkoreanische Batteriehersteller LG Energy Solution S (LGES) hat vor einer schwächelnden Nachfrage nach Akkus für E-Autos gewarnt. Die eingetrübten Aussichten für die Weltwirtschaft wirkten sich auf den Verkauf von Elektroautos aus, sodass sich das Umsatzwachstum der Südkoreaner 2024 verlangsamen werde, erklärte der Zulieferer von Tesla und General Motors (GM). Aktien des Konzerns brechen um 8,7 Prozent ein auf ein 15-Monats-Tief.

Höhere Preise und ein Trend zu teureren Biersorten haben den rückläufigen Absatz des weltweit zweitgrößten Brauereikonzerns Heineken wettgemacht. Der niederländische Hersteller von Marken wie Heineken, Sol und Tiger konnte seinen Umsatz im vergangenen Quartal um 4,5 Prozent steigern. Heineken sehe in der Hälfte seiner Märkte einen verbesserten Volumentrend und halte seine Marktanteile, so Konzernchef Dolf van den Brink.

Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser bringt ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm auf den Weg. Das Unternehmen werde in den nächsten zwölf Monaten eigene Aktien im Wert von einer Milliarde britischer Pfund erwerben, teilte der Anbieter von Marken wie Calgon, Durex und Vanish heute in London mit. Der Rückkauf soll in Kürze beginnen.

Die hohen Zinsen lassen bei der spanischen Großbank Santander die Gewinne weiter sprudeln. Der Überschuss stieg im dritten Quartal um ein Fünftel auf 2,9 Milliarden Euro. Damit übertraf die im EuroStoxx 50 notierte Bank die Erwartungen der Experten. Bei den Erträgen verzeichnete die spanische Bank einen Anstieg um 15 Prozent auf knapp 15 Milliarden Euro.

Das Geschäft des Online-Dienstes Snapchat wächst nach mehrmonatiger Durststrecke wieder. Im vergangenen Quartal verbuchte die Betreiberfirma Snap ein Umsatzplus im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum von fünf Prozent auf 1,19 Milliarden Dollar. Unter dem Strich gab es aber erneut rote Zahlen. Der Verlust weitete sich auf 368,26 Millionen Dollar von 359,5 Millionen Dollar ein Jahr zuvor aus.

Dutzende US-Bundesstaaten ziehen vor Gericht gegen den Facebook-Konzern Meta mit dem Vorwurf, seine Online-Dienste schadeten Kindern und Jugendlichen. Meta ignoriere die negativen Folgen von Facebook und Instagram, um mehr Gewinn zu machen, heißt es in der gestern in Kalifornien eingereichten Klageschrift.

Die Robotaxi-Firma Cruise darf nach zwei Unfällen mit Fußgängern vorerst keine Autos ohne Menschen am Steuer mehr auf die Straßen von San Francisco schicken. Die kalifornische Verkehrsbehörde setzte die entsprechende Erlaubnis der GM-Tochterfirma unbefristet aus. Fahrzeuge des Konkurrenten Waymo dürfen weiter fahrerlos durch San Francisco fahren.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Oktober 2023 um 09:00 Uhr.