Bulle vor der Frankfurter Wertpapierbörse | picture alliance / Geisler-Fotop
Marktbericht

Aktien legen zu Der DAX zeigt Stärke

Stand: 30.05.2022 18:22 Uhr

Trotz hoher heimischer Inflationsdaten überwogen am Aktienmarkt letztlich die Konjunkturhoffnungen. Die Anleger setzen vor allem auf eine Normalisierung der Lage in China nach dem Covid-Beschränkungen.

Nur kurz ließen sich die Anleger heute aus dem Tritt bringen, nachdem für Deutschland eine hohe Inflationsrate von 7,9 Prozent veröffentlicht wurde. Denn die Anleger setzen derzeit ganz auf eine Erholung der Weltwirtschaft, vor allem nachdem sich in China ein Ende der drastischen Covid-Beschränkungen der Regierung abzeichnet.

"Die Wiedereröffnung chinesischer Wirtschaftsmetropolen und Signale für ein langsameres Zinserhöhungstempo der US-Notenbank Fed heben die Stimmung - zumindest kurzzeitig", sagte Finanzmarkt-Experte Russ Mould vom Brokerhaus AJ Bell. In der Wirtschaftsmetropole Shanghai sollen von diesem Mittwoch an die Lockdown-Maßnahmen größtenteils wegfallen.

Am Ende des Tages trotzte der Aktienmarkt der hohen Inflation und zeigte Stärke. Der DAX schloss bei 14.575 Punkten um 0,79 Prozent höher. Der Index bewegte sich dabei in einer überschaubaren Handelsspanne zwischen 14.519 und 14.589 Punkten. Von Panik also keine Spur.

Zinswende tritt vorerst in den Hintergrund

Die Konjunkturhoffnungen überlagern derzeit sogar die nunmehr auch in Europa drohende Zinswende durch die EZB. Die heutigen Daten zeigen, dass diese sehr reell ist, denn die Notenbank der Eurozone entfernt sich immer weiter von ihrem Inflationsziel von zwei Prozent und gerät dadurch zunehmend unter Druck gerät. Morgen werden Inflationsdaten für die gesamte Eurozone erwartet. Für viele Experten ist eine Zinserhöhung durch die EZB im Juli bereits ausgemachte Sache.

"Es ist noch immer Druck im Inflationskessel. Im Einzelhandel wird es zu weiteren Preisrunden kommen. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass die Inflationsraten in noch luftigere Höhen klettern. Die EZB hat die Zeichen der Zeit zu spät erkannt", kommentiert Thomas Gitzel von der VP Bank.

Allerdings waren die heimischen Investoren heute unter sich, denn in den USA bleiben die Märkte wegen eines Feiertages heute geschlossen. Konjunkturhoffnungen und jüngste Aussagen aus den Reihen der Fed, dass diese nicht mit Brachialgewalt die Zinswende umsetzen wird, hatten die Wall Street zuletzt deutlich angeschoben.

War das die Spitze?

Zukünftig dürfte an den Märkten verstärkt diskutiert werden, ob der Höhepunkt der Teuerungswelle nun erreicht sei. "Die Inflation befindet sich jetzt nahe an ihrem Gipfelpunkt. Ab der Jahresmitte wird die Inflationsrate alleine schon aus statistischen Gründen fallen, weil dann die kräftigen Preissteigerungen des ersten Halbjahres 2021 aus dem Vorjahresvergleich herausfallen", erklärte ZEW-Experte Friedrich Heinemann.

Dieser absehbare Rückgang der Inflation dürfe aber nicht als langfristige Entspannung missverstanden werden. Das EZB-Inflationsziel von zwei Prozent blieben für Deutschland und die Eurozone in sehr weiter Ferne, so Heinemann weiter.

Importpreise steigen so stark wie zuletzt 1974


Eine negative Indikation in Sachen Inflation kam für die Märkte derweil von den am Morgen veröffentlichten Importpreisen. Demnach haben sich die deutschen Einfuhren im April infolge gestiegener Energiepreise um 31,7 Prozent zum Vorjahresmonat verteuert. "Eine höhere Vorjahresveränderung hatte es zuletzt im September 1974 im Rahmen der ersten Ölkrise gegeben", betonte das Statistische Bundesamt.

Delivery Hero macht Boden gut

Zu den größten Gewinnern im Leitindex gehörten zuletzt so stark gefallene Papiere wie Delivery Hero oder Zalando. Anleger greifen dort auf niedrigerem Niveau zu, vor allem beim Essenslieferaten Delivery Hero, dessen Aktie im bisherigen Jahresverlauf regelrecht eingebrochen ist.

Börsenbetreiber Deutsche Börse tendierten hingegen schwächer, auch Fresenius und Linde gaben nach. Letztere ringen derzeit mit der Marke von 300 Euro - was allerdings Jammern auf hohem Niveau ist, denn bei Kursen um 300 Euro notiert der Hersteller von Industriegasen in der Nähe seines Allzeithochs.

US-Börsen bleiben geschlossen

Weitere Impulse aus den USA blieben heute aus, denn wegen des Memorial-Day-Feiertages sind die US-Märkte geschlossen. Am Freitag hatte die Wall Street kräftig zugelegt. Der Leitindex Dow Jones war bei 33.212 Punkten um 1,76 Prozent höher aus dem Handel gegangen. An der Technologiebörse Nasdaq war es um über drei Prozent bergauf gegangen.

Euro bleibt dank Zinsspekulationen gefragt

Die deutschen Inflationszahlen warfen den Euro nicht aus der Bahn. Die Gemeinschaftswährung steigt auf bis zu 1,0780 Dollar und markiert damit den höchsten Stand seit fünf Wochen. Der Dollar-Index fällt im Gegenzug um 0,4 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Tief. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0764 (Freitag: 1,0722) Dollar fest.

Schwächerer Dollar treibt Goldpreis in die Höhe

Gold zählt zu den Profiteuren des schwächeren Dollars. Für eine Feinunze Gold werden am späten Nachmittag 1855 Dollar gezahlt, das ist ein Plus von knapp 0,4 Prozent im Vergleich zum Vortag. Ein schwächerer Dollar verbilligt Gold im Nicht-Dollar-Raum und stärkt so die Nachfrage nach dem gelben Edelmetall.

Bitcoin auf Zwei-Wochen-Hoch

Die wieder zunehmende Risikobereitschaft vieler Anleger kommt neben den Aktienbörsen auch dem Markt für Kryptowährungen zugute. Der Bitcoin verteuert sich in der Spitze um 7,4 Prozent auf 30.859 Dollar, den höchsten Stand seit zwei Wochen. Aktuell liegt das Plus noch bei gut 4,0 Prozent. Ethereum wird mit 1909 Dollar gut fünf Prozent höher gehandelt und stand im Tageshoch schon gut zehn Prozent höher. "Risikoassets werden wieder verstärkt nachgefragt, sichere Häfen stehen dagegen auf der Verkaufsliste", urteilt Thomas Altmann von QC Partners.

Ölpreise schnellen auf Zwei-Monats-Hoch

Die Furcht vor einem Angebotsengpass treibt die Ölpreise zu Wochenanfang auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Die Nordseesorte Brent verteuert sich um 1,5Prozent auf 120,80 Dollar je Fass. Anleger blicken mit Sorge auf den Beginn der Reisesaison in den USA, die traditionell nach dem Memorial-Day beginnt und in den USA "Driving Season", also Sommerfahrsaison, genannt wird.

Zudem deuten jüngste Nachrichten aus China auf eine wieder steigende Ölnachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft hin. So wurde in der Wirtschaftsmetropole Shanghai allen Betrieben erlaubt, die Produktion ab Juni wieder aufzunehmen.

"Allerdings besteht das Risiko neuerlicher Lockdowns fort, solange China an seiner strikten Null-Covid-Politik festhält und schon bei kleineren Ausbrüchen ganze Millionenstädte abriegelt", kommentierte Commerzbank-Experte Carsten Fritsch. Für eine vollständige Entwarnung sei es daher zu früh.

Siemens erhält größten Auftrag der Firmengeschichte

Siemens hat einen weiteren Milliardenauftrag aus Ägypten unter anderem für ICE-Züge erhalten. Zusammen mit zwei Partnern unterzeichnete der DAX-Konzern einen Vertrag über den Bau des sechstgrößten Hochgeschwindigkeitssystems der Welt. Dabei entfällt allein auf Siemens ein Auftragswert von 8,1 Milliarden Euro. Siemens-Papiere legten über zwei Prozent zu.

Volkswagen hält an Fabrik in Uiguren-Region Xinjiang fest

Volkswagen will sich trotz Berichten über Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren nicht aus der chinesischen Provinz Xinjiang zurückziehen. Wirtschaftlich spiele der Standort in Xinjiang für Volkswagen eher eine unbedeutende Rolle, sagte VW-Chef Herbert Diess dem "Handelsblatt". VW könnte das Werk dicht machen. "Aber wir tun es nicht, weil wir glauben, dass unsere Präsenz Positives bewirkt", sagte Diess.

Cellnex an Telekom-Funktürmen interessiert

Der spanische Funkturmbetreiber Cellnex hat sein Kaufinteresse an einem Anteil der Funkturmsparte der Deutschen Telekom bekräftigt. Im Lichte von Medienberichten bestätigte Cellnex heute, ein Gebot für einen Anteil der passiven Infrastruktur der Telekom in Deutschland und Österreich zu erwägen. Der Prozess sei noch in einer Prüfungsphase, insbesondere seien die Bedingungen und die mögliche Bewertung noch nicht entschieden.

Cellnex-Chef Tobías Martínez Gimeno hatte bereits im April sein Interesse öffentlich gemacht, Details zu konkreten Verhandlungen aber gemieden. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg vor dem Wochenende aus Kreisen berichtet hatte, könnte sich die Bewertung auf 20 Milliarden Euro inklusive Schulden belaufen - Cellnex sei dazu in Gesprächen mit dem kanadischen Finanzinvestor Brookfield. Cellnex bestätigte am Montag zudem erneut, dass ein mögliches Gebot auch mit Partnern zusammen erfolgen könnte.

Adler Group sendet Lebenszeichen

Der schwer angeschlagene Immobilienkonzern Adler Group hat im ersten Quartal nach eigener Einschätzung im Tagesgeschäft solide abgeschnitten. Die Nettomieterträge gingen im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um knapp 16 Prozent auf 71,1 Millionen Euro zurück, wie das Unternehmen am Abend auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Das operative Ergebnis (FFO1) lag bei 29,7 Millionen Euro und damit acht Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Adler führte die Rückgänge vorwiegend auf den Verkauf eines Immobilienportfolios zurück. Flächenbereinigt habe die Durchschnittsmiete um 2,1 Prozent auf 7,46 Euro je Quadratmeter zugelegt.

Dank der Verkäufe von Immobilien legte zum Ende des Quartals die Liquidität um mehr als 200 Millionen Euro auf 760 Millionen Euro zu. Unter dem Strich standen allerdings im ersten Quartal wegen hoher sonstiger Aufwendungen weiter rote Zahlen: Der auf die Eigentümer entfallende Nettoverlust betrug 2 Millionen Euro nach 83,2 Millionen Euro Gewinn vor einem Jahr. Die Jahresprognose bestätigte das Management.

Derzeit untersucht die Finanzaufsicht Bafin die Bücher von Adler. Die Behörde hatte sich eingeschaltet, nachdem die Immobiliengesellschaft im Oktober erstmals unter Beschuss des Leerverkäufers Fraser Perring geraten war. Dieser und sein Researchdienst Viceroy hatten schwere Vorwürfe gegen Adler erhoben, darin ging es unter anderem um die Bewertung von Immobilienprojekten. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Bedeutenster Adler-Einzelaktionär ist DAX-Mitglied Vonovia, das 20,5 Prozent der Aktien hält.

Traumstart für Paramount-Film "Top Gun: Maverick"

Der neue Tom-Cruise-Film "Top Gun: Maverick" hat am Wochenende in Nordamerika 134 Millionen Dollar eingespielt und dem Schauspieler einen persönlichen Eröffnungsrekord beschert. Der Paramount-Streifen dürfte zudem eine neue Höchstmarke von 151 Millionen Dollar an Kartenverkäufen für ein langes Memorial-Day-Wochenende erzielen.

Ryanair fordert niedrigere Flughafengebühren am BER

Nach der Teilrückzugsankündigung von Easyjet fordert die Fluggesellschaft Ryanair niedrigere Gebühren am Hauptstadtflughafen BER. "Die Regierung und der Flughafen Berlin sollten jetzt handeln", teilte das irische Unternehmen mit. Sie sollten wettbewerbsfähige Flughafenentgelte anbieten, damit der Luftfahrtsektor am Standort nicht auf das Niveau deutlich kleinerer Städte schrumpfe.

Easyjet streicht mehr als 200 Flüge

Der britische Billigflieger Easyjet hat für die kommenden knapp zwei Wochen mehr als 200 Flüge gestrichen. Dies sei notwendig, um einen verlässlichen Service aufrechterhalten zu können, teilte das Unternehmen mit. Pro Tag sollen bis zum 6. Juni etwa 24 Flüge vom Londoner Flughafen Gatwick betroffen sein. Neben den anstehenden Feierlichkeiten zum Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. stehen in England auch Schulferien an.

SEC untersucht Musks Einstieg bei Twitter

Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Einstieg von Tech-Milliardär Elon Musk als Großinvestor bei Twitter unter die Lupe genommen. Die Behörde verlangte vom Tesla-Chef bereits am 4. April Auskunft über die Einhaltung von Vorschriften bei der Offenlegung seiner Twitter-Beteiligung. Das geht aus einem Brief an Musk hervor, den die Aufsicht am Freitag veröffentlichte. Aktionärsklagen werfen Musk wegen verspäteter SEC-Pflichtmitteilungen Marktmanipulation und Wertpapierbetrug vor.

Norwegian bestellt 50 Boeing-Jets

Die Fluggesellschaft Norwegian Air hat beim US-Flugzeugbauer Boeing 50 Flugzeuge des Typs 737 MAX geordert. Zudem sicherte sich die Airline Optionen auf weitere 30 Maschinen. Für Norwegian ist die Bestellung eine Kehrtwende. Denn damit wird der Konzern seine Flotte wieder selbst besitzen. Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens war das Unternehmen zuvor gezwungen gewesen, Maschinen nur noch zu leasen.

Stellantis und Toyota arbeiten bei Lieferwagen zusammen

Stellantis und Toyota bauen ihre Zusammenarbeit aus und wollen gemeinsam einen größeren Lieferwagen auf den Markt bringen. Stellantis werde das Fahrzeug für die Europa-Tochter von Toyota in den Werken Gliwice in Polen und Atessa in Italien bauen, teilten die Autokonzerne mit. Das Fahrzeug solle Mitte 2024 auf den Markt kommen. Auch eine Elektroversion sei geplant.

Netflix in Russland nicht mehr verfügbar

Der US-Streamingdienst Netflix ist für die Menschen in Russland nicht mehr verfügbar. Das Unternehmen teilte heute mit, dies sei Folge einer entsprechenden Ankündigung von Anfang März. Laut Netflix wurden seitdem noch Abonnements und Zahlungen abgewickelt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Mai 2022 um 09:00 Uhr.