Steinkohle lagert im Steag Kraftwerk Duisburg-Walsum. | picture alliance/dpa

740 Milliarden Dollar Banken investieren weiter in fossile Energie

Stand: 25.03.2022 11:18 Uhr

740 Milliarden Dollar: So viel investierten die größten Finanzhäuser einer Studie zufolge zuletzt in fossile Energien. Ob sie damit gegen die Klimaziele verstoßen oder für mehr Nachhaltigkeit sorgen, ist umstritten.

Die 30 größten börsennotierten Finanzkonzerne der Welt investieren nach Analyse der britischen Initiative InfluenceMap nach wie vor immense Summen in Öl, Gas und Kohle. In den Jahren 2020 und 2021 beliefen sich die Gesamtinvestitionen dieser 30 Unternehmen in fossile Energieprojekte und Dienstleistungen für die Energiebranche auf 740 Milliarden Dollar, wie InfluenceMap mitteilte.

Dazu gehört etwa die Erschließung neuer Ölquellen und Gasfelder. Darüber hinaus halten die Vermögensverwaltungsgesellschaften der Finanzbranche laut InfluenceMap Anteile von gut 222 Milliarden Dollar an Energieunternehmen. Hauptquelle der Studie sind die Veröffentlichungen der Unternehmen selbst und öffentlich verfügbare Informationen für den Kapitalmarkt und die Finanzaufsicht.

Vorwurf: Finanzbranche verstößt gegen Klimaziele

Unter den Top 30 der globalen Finanzunternehmen sind auch zwei deutsche Konzerne: die Allianz auf Platz 9 und die Deutsche Bank auf Platz 23. Angeführt wird die Liste von den US-Firmen JP Morgan, Bank of America und Wells Fargo. Kriterien der Reihenfolge waren unter anderem Umsätze, Nettogewinne, Börsenwert und verwaltetes Vermögen. Nicht untersucht wurden mangels Transparenz staatliche Finanzkonzerne wie große chinesischen Banken.

Von den 740 Milliarden Dollar Krediten und anderen Geldern erhielten InfluenceMap zufolge 145 Milliarden fünf große Öl- und Gaskonzerne in den USA und Europa: ExxonMobil, Shell, Chevron, BP und Total. Das spendenfinanzierte Londoner Institut wirft der Finanzbranche insgesamt vor, mit ihren Investitionen gegen die zum großen Teil selbst erklärten Klimaziele zu verstoßen. Außerdem seien alle 30 Finanzinstitute Mitglieder von Industrieverbänden, die in der EU, in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten beständig Lobbyarbeit betrieben, um wichtige Maßnahmen zur nachhaltigen Finanzierung zu schwächen.

Eine Hauptzielscheibe dieser Kritik sind US-Banken. Im Gegensatz dazu heben die Autoren wegen ihrer ambitionierteren Klimaziele zumindest bedingt positiv die Allianz hervor, gemeinsam mit den französischen Konzernen AXA und BNP Paribas.

Ausstieg oder Hebel zur Transformation?

Banken und andere Finanzinstitute spielen in der Transformation der Wirtschaft hin zur Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. "Klimaschutz geht nur mit den Banken", schreibt auch der Bundesverband deutscher Banken auf seiner Homepage. Denn diese würden mit ihren Krediten Unternehmen finanzieren und hätten einen zentralen Hebel in der Hand, gezielt Projekte für Klimaschutz oder Nachhaltigkeit zu unterstützen.

Viele große Banken haben sich zudem bis 2050 zu einem Netto-Null-Ziel verpflichtet. Sie wollen ihre direkten Treibhausgasemissionen sowie die ihrer Kunden reduzieren, um den Anstieg der globalen Temperaturen gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Laut InfluenceMap haben sich zwar viele Geldhäuser umfangreiche Dekarbonisierungsziele auf die Fahnen geschrieben, aber nur wenige hätten sinnvolle Maßnahmen zum Ausschluss fossiler Brennstoffe verabschiedet.

Bereits im Februar hatte eine Studie der Umweltorganisation Urgewald für Aufsehen gesorgt, nach der Banken in den vergangenen drei Jahren allein 400 Milliarden Dollar als Kredite an Kohlekonzerne ausgegeben haben Unter Finanzexperten wird kontrovers diskutiert, wie sie das Engagement bewerten sollen. Einige fordern einen schnellen Ausstieg. Andere sehen wiederum in Krediten auch Einflussmöglichkeiten, die Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken und sie bei der Transformation zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2022 um 13:46 Uhr.