Photovoltaik-Anlage auf einem Hausdach
hintergrund

Private Stromerzeugung Wann es sich lohnt, eine Solaranlage zu mieten

Stand: 29.06.2023 09:11 Uhr

Um eigenen Strom zu erzeugen, müssen private Haushalte nicht unbedingt eine Photovoltaik-Anlage kaufen: Auch Mieten ist eine Option. Das kann sich lohnen - es gibt aber einiges zu beachten.

Von Till Bücker, ARD-Finanzredaktion

Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in Deutschland nach den Plänen der Bundesregierung auf 80 Prozent steigen. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Solarenergie: Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurden nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) hierzulande 159.000 Photovoltaik-Anlagen (PV) für Privathäuser in Betrieb genommen - ein Zuwachs von 146 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Demnach dürfte die Nachfrage in diesem Jahr zum siebten Mal in Folge prozentual zweistellig wachsen. Wer privat klimafreundlichen Solarstrom erzeugen möchte, zahlt in der Regel inklusive Montage und Installation 10.000 bis 30.000 Euro für eine eigene PV-Anlage auf dem Dach. Alternativ bieten einige Firmen Anlagen zur Miete an. Wie funktioniert dieses Modell genau?

Monatliche Miete für Anschaffung, Installation und Instandhaltung

"Bei den Mietmodellen wird angeboten, dass der Verbraucher über eine bestimmte Laufzeit, meist 20 Jahre, eine festgelegte Miete pro Monat zahlt", erklärt Stefan Hartmann von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz im Gespräch mit tagesschau.de. Mit der Anlage könne der Strom zwar selbst verbraucht und eingespeist werden, der Haushalt spare sich aber den Zukauf. Denn die meisten Anbieter versprechen, sowohl die Anschaffung als auch die vorherige Umrüstung im Gebäude zu übernehmen.

"Meistens gibt es zwei Hauptgründe, weshalb sich Personen für eine Photovoltaik-Anlage zur Miete interessieren: zum einen der geringe Aufwand", sagt Sören Demandt, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So reize viele das All-Inclusive-Paket der Anbieter, weil sie sich nicht mit allen Details beschäftigen wollen. Das bestätigt auch Hartmann: "Der größte Vorteil ist, dass ich mich um nichts selbst kümmern muss und dass ich weiß, was ich dafür im Monat zahle." Der zweite Punkt sei die Art der Finanzierung, so Demandt.

Nach Installation der Anlage durch den Vermieter in Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben zahlen die Kunden je nach Größe und Komponenten 50 bis 300 Euro monatlich. Meist kann sie zusätzlich um einen Stromspeicher oder eine Ladestation für E-Autos erweitert werden. Während der Laufzeit sind Versicherung, Reparatur und Wartung inklusive. Danach kann die Anlage in den meisten Fällen kostenlos oder für einen symbolischen Wert übernommen werden.

Auch Stadtwerke bieten Mietmodelle an

"Generell ist die Nutzung bei Kauf oder Miete einer PV-Anlage gleich. Aus ökologischer Sicht und hinsichtlich der Selbsterzeugung von Strom ist beides sinnvoll", sagt Verbraucherschützer Hartmann. Ein Privathaushalt könne dadurch den Bezug aus dem Netz der Versorger reduzieren und stattdessen selbst klimaneutralen Strom herstellen - und eventuell Kosten sparen. Außerdem wird der überschüssige Strom ins öffentliche Stromnetz eingespeist, wofür der Besitzer eine Vergütung bekommt.

Pionier für das Geschäftsmodell in Deutschland ist nach eigenen Angaben die 2012 gegründete Hamburger Firma DZ-4, die mittlerweile mehrheitlich vom Energieversorger EnBW gehalten wird und mit der Baumarktkette Obi kooperiert. Weitere Anbieter sind das Startup Enpal, bei dem die ING, Blackrock und die DWS investiert sind, die Kölner EnBW-Tochter yello, das junge Berliner Unternehmen Eigensonne oder das ebenfalls aus Berlin stammende Startup zolar. Doch auch einige regionale Grundversorger haben Angebote zur Miete im Portfolio - wie zum Beispiel seit Mai 2021 die Stadtwerke Münster.

"Wir nehmen wahr, dass die Haushalte einerseits weniger Geld zur Verfügung haben und andererseits der Wunsch nach einer Rundum-Sorglos-Versorgung wächst", so eine Sprecherin zu tagesschau.de. Seit der Einführung wurden nach Angaben des Unternehmens 41 PV-Anlagen installiert und 114 Pachtverträge geschlossen: "Ohne, dass wir groß die Werbetrommel für das Angebot gerührt haben - daher sind wir mit der Nachfrage zufrieden." Der Trend zu integrierten Energiedienstleistungen wachse, weshalb die Stadtwerke Münster in Kürze "ein ähnliches Pachtmodell für Wärmepumpen" starten.

Wohl kein vorherrschendes Modell für PV-Anlagen

Die Nachfrage nach gemieteten Solaranlagen hat sich in den vergangenen drei Jahren dem Fachportal efahrer.chip.de zufolge verzehnfacht. Konkrete Zahlen über den Marktanteil von vermieteten PV-Systemen lägen nicht vor, heißt es vom BSW. Der Verband verweist jedoch auf eine selbst in Auftrag gegebene Umfrage unter 1000 Immobilienbesitzern, nach der 21 Prozent eine Solaranlage langfristig mieten würden.

"Der Photovoltaik-Ausbau boomt und die Miete ist ein Teil davon", sagt auch Demandt von der Verbraucherzentrale NRW. Das Modell steche aber derzeit nicht heraus und werde seiner Ansicht nach wohl nicht die vorherrschende Form der Nutzung werden. "In unserer Beratungsarbeit gibt es zur Miete eine beständige, aber niedrige Zahl an Anfragen. Für fünf bis zehn Prozent der Verbraucher ist das eine Option", ergänzt Hartmann.

Eine Einschränkung ist für Demandt die lange Vertragslaufzeit von 15 bis 25 Jahren. "Damit legt man sich über einen sehr langen Zeitraum auf einen Anbieter und dessen spezielle Leistungen sowie Technik fest." Im Falle eines Hausverkaufs müsse der neue Besitzer zudem den Vertrag übernehmen, was zu Komplikationen führen könne. Darüber hinaus sei der Mieter nicht der Eigentümer der Anlage, ergänzt Hartmann. "Man hat nicht die Hoheit über die Anlage und kann nicht allein über Erweiterungen entscheiden."

Hohe Kosten im Vergleich zu Netzbezug und Anlagenkauf

Der größte negative Knackpunkt sind laut Demandt aber die hohen Kosten: "Häufig sind die Anlagen aus rein wirtschaftlicher Sicht nicht lohnenswert." Gerade bei einem eher geringen Stromverbrauch ohne Elektroauto oder Wärmepumpe lohne sich das Modell zur Miete nicht unbedingt. "Dann zahlt man für mehrere Jahre oder sogar über den gesamten Zeitraum mehr, als man für den Strom aus dem Netz bezahlt hätte."

Auch im Vergleich zum Kauf seien die Ausgaben über die 20 Jahre meist höher, betont Hartmann. Vorab sollten deshalb Haushalte, die sich die Anschaffung nicht ohne Weiteres leisten können, auch die Aufnahme eines geförderten Kredits etwa durch die staatliche KfW prüfen.

Tipps für Verbraucher

Für eher risikoscheue Menschen mit wenig Eigenkapital könne das Mietmodell aber interessant sein, sagt Energieexperte Hartmann. "Bei einer Mietanlage liegen Verantwortung und Folgekosten beim Vermieter. Während der Laufzeit muss er defekte Komponente austauschen." Das sollte wie die Vereinbarung über einen Kaufpreis nach Ablauf definitiv im Vertrag stehen.

Generell müsse sich das jeweilige Angebot wegen der vergleichsweise hohen Kosten im Detail angeschaut und die Preise auch einzelner Komponenten verglichen werden, rät Demandt. Denn die preislichen Unterschiede bei den einzelnen Anbietern seien groß. "Man sollte immer den Euro pro Kilowatt installierter Leistung vergleichen, sprich den Nutzen in Relation zu den Kosten."

"Oft gibt es Lockangebote der Firmen, die für die ersten Jahre einen günstigen Preis beinhalten, der sich anschließend aber erhöht", mahnt Hartmann. In der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit solle der Verbraucher zudem die Berechnungen des Anbieters hinterfragen und den Anteil des Eigenverbrauchs sowie die Entwicklung des Strompreises realistisch einschätzen.