Eine Frau läuft neben einem Zug auf dem Bahnsteig entlang

Staatssekretär in der Kritik Ministerium gegen höhere Bahnpreise

Stand: 28.01.2019 18:56 Uhr

Die Forderung des Verkehrsstaatssekretärs Ferlemann nach höheren Bahn-Fahrpreisen hat viel Kritik ausgelöst. Jetzt widersprach das eigene Ministerium dem Bahnbeauftragten: Die Bahn bestimme ihre Preise selbst.

Opposition, Fahrgastverbände, Verbraucherschützer - bei allen hat Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU) mit seinem Vorstoß für höhere Bahn-Fahrpreise Unverständnis ausgelöst. Das Bundesverkehrsministerium schloss sich dieser Ansicht nun an. Eine Sprecherin von Verkehrsminister Andreas Scheuer erklärte, die Festlegung von Ticketpreisen sei eine "unternehmerische Entscheidung" und obliege der Deutschen Bahn.

Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. | Bildquelle: dpa
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Der Bahnbeauftragte Ferlemann stößt mit seinem Vorschlag auf wenig Gegenliebe.

Verbände sehen Bahn in der Pflicht

Erst müssten Politik und Bahn mit Zuverlässigkeit und Qualität Bahnfahren attraktiver machen, "bevor das Wort Preiserhöhungen überhaupt in den Mund genommen werden kann", sagte die Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv), Marion Jungbluth. "Mit günstigen Tickets können Nicht-Bahnfahrer motiviert werden, mal den Zug auszuprobieren."

Jungbluth erinnerte an das im Koalitionsvertrag von Union und SPD festlegte Ziel, die Zahl der Fahrgäste bis 2030 zu verdoppeln. "Wer Verkehr verlagern will, kann nicht Preiserhöhungen im Straßenverkehr ausschließen und die Ticketpreise bei der Bahn verteuern wollen."

Der Bahnkunden-Verband kritisierte die Forderung Ferlemanns als "Schnapsidee". Auch die Allianz pro Schiene protestierte: Preiserhöhungen für den umweltfreundlichen Bahnverkehr könnten nicht im Interesse des Klimaschutzes sein.

Unverständnis bei Opposition

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter erklärte, die Bundesregierung müsse "deutlich mehr Geld in die Bahn investieren und gleichzeitig einen radikalen Neustart bei der Bahn voranbringen, damit das Geld sinnvoll genutzt wird und nicht versickert."

FDP-Bahnexperte Torsten Herbst sah Ferlemanns Anregung als Beleg für das "völlig verirrte Politikverständnis des Bundesverkehrsministeriums". Es sei nicht die Aufgabe der Bundesregierung, sich in Detailentscheidungen des laufenden Bahngeschäfts einzumischen.

Am Mittwoch dürfte das Thema nochmals eine Rolle spielen: Dann trifft sich Scheuer zum dritten Mal in diesem Monat mit der Spitze des bundeseigenen Konzerns, um über die mangelhafte Pünktlichkeit und andere Qualitätsprobleme der Bahn zu diskutieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2019 um 16:00 Uhr.

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