Ein Containerschiff der China Ocean Shipping Company (COSCO) wird am Containerterminal Tollerort der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) entladen.  | Bildquelle: dpa

Corona-Auswirkungen auf Wirtschaft Wachstum könnte sich weltweit halbieren

Stand: 02.03.2020 12:18 Uhr

Die Talfahrt einiger Börsen haben es schon angedeutet: Breitet sich das Coronavirus weiter aus, könnte es deutliche Spuren in der Weltkonjunktur hinterlassen. In Deutschland halten sich die Sorgen noch in Grenzen.

Die Coronavirus-Epidemie könnte der Weltwirtschaft im laufenden Jahr einen herben Dämpfer verpassen. Nach Einschätzung der Industriestaaten-Organisation OECD könnte sich das für 2020 erwartete Wachstum halbieren, sollte sich das Virus im asiatisch-pazifischen Raum, Europa und Nordamerika weiter ausbreiten. Damit läge die Rate nur noch bei plus eineinhalb Prozent.

Sollte sich die Lage jedoch bald stabilisieren, dürfte die Weltwirtschaft 2020 um 2,4 Prozent zulegen, nachdem es 2019 bereits vergleichsweise schwache 2,9 Prozent waren.

Vom Negativszenario am stärksten betroffen wäre China, wo das Virus zuerst auftrat. Dort dürfte sich das Wachstum laut OECD deutlich verlangsamen. Die Ökonomen rechnen hier 2020 nur noch mit 4,9 Prozent, nachdem es 2019 noch 6,1 Prozent waren.

Die Folgen der zunehmenden wirtschaftlichen Probleme in der Volksrepublik dürften global schnell zu spüren sein in den weltweit vernetzten Lieferketten von Unternehmen, aber auch bei Rohstoffhändlern und Reiseanbietern.

Sinkende Nachfrage bei der Lufthansa

So rechnet der touristische Luftverkehr ab Deutschland für dieses Jahr schon mit einem Rückgang. Flüge in Urlaubsgebiete dürften um rund ein Prozent zurückgehen, während die Zahl aller Flüge voraussichtlich um 2,5 Prozent sinkt, wie aus einer Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervorgeht.

"Wegen der Coronavirus-Epidemie weisen die Flugzahlen nach China derzeit schon starke Rückgänge auf, wobei für den Sommer derzeit keine zuverlässigen Aussagen getroffen werden können", erklärte das DLR.

Die Lufthansa kündigte an, Flüge zum chinesischen Festland wegen des Virus bis Ende April auszusetzen. Wegen sinkender Nachfrage dünnt die Fluggesellschaft im März auch den Flugplan nach Italien aus. Die Inlandsflüge in Deutschland werden ebenfalls zusammengestrichen.

Nach Einschätzung des internationalen Fluglinienverbands IATA dürften weltweit agierende Airlines nach derzeitigem Stand 2020 etwa 1,5 Milliarden Dollar durch die Virus-Folgen verlieren.

Weltwirtschaft könnte bis März schrumpfen

Für das laufende erste Quartal schließt die OECD nicht aus, dass die Weltwirtschaft gar schrumpfen könnte. Alle 20 führenden Industrie- und Schwellenländer sind wirtschaftlich betroffen. Je stärker die Verbindungen zu China seien, desto stärker seien auch die Auswirkungen - etwa in Japan, Südkorea und Australien.

Die deutsche Industrie kann derzeit noch nicht klagen, laut Experten blieb die Lage im Februar stabil. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte in der ARD, Deutschland habe "eine sehr widerstandsfähige Wirtschaft". Unternehmen berichten zwar von Unterbrechungen der Lieferketten, wodurch es hier und da zu Verzögerungen im Einkauf gekommen sei. Die Auswirkungen auf die Produktion blieben demnach aber begrenzt.

Sollten sich die Beeinträchtigungen in China allerdings fortsetzen und auf andere Volkswirtschaften übergreifen, könnte sich der Produktionsrückgang wieder beschleunigen. Für diesen Fall rechnet die OECD für Deutschland nur noch mit einem Wachstumsplus von 0,3 Prozent - nach 0,6 Prozent 2019.

Um der Konjunkturschwäche entgegenzuwirken, empfiehlt die Industriestaaten-Gruppe höhere staatliche Ausgaben. Geld müsste vor allem in die Gesundheitssysteme fließen, um genügend Personal und Material zur Verfügung zu haben. Zudem müsse die Liquidität von Banken gesichert werden, damit Unternehmen in Schieflage Geld geliehen werden kann. Auch Kurzarbeit sei ein sinnvolles Instrument.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. März 2020 um 14:40 Uhr.

Darstellung: