Kugelschreiber mit Bundesbank-Logo | picture-alliance/ dpa

Bundesbank senkt Wachstumsprognose Skepsis bei den Notenbankern

Stand: 07.06.2013 11:43 Uhr

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft weniger Wachstum zu. Sie senkte ihre Prognosen für 2013 von bislang 0,4 auf 0,3 Prozent. Für das kommende Jahr werden jetzt 1,5 Prozent vorausgesagt, nachdem im Dezember noch 1,9 Prozent erwartet worden waren. Die Konjunktur werde von der Schuldenkrise in Europa belastet, weshalb die Exporte in diesem Jahr schrumpfen dürften. "Die gute Arbeitsmarktlage, stärker steigende Löhne und eine nachlassende Teuerung stützen in Deutschland jedoch den privaten Verbrauch", sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Bereits im Dezember hatte die Bank ihre Prognose für 2013 von 1,6 auf 0,4 Prozent gesenkt.

Auf dem Arbeitsmarkt rechnet die Notenbank mit Stagnation. Sie sagt für dieses und für kommendes Jahr 2,9 Millionen Arbeitssuchende voraus. Die Inflationsrate dürfte mit weniger als zwei Prozent moderat bleiben.

Deutsche Schuldenquote soll sinken

Die deutsche Schuldenquote wird nach Einschätzung der Experten in diesem und im nächsten Jahr kräftig sinken. "Aus heutiger Sicht ist für die Jahre 2013 und 2014 ein deutlicher Rückgang der Schuldenquote zu erwarten", heißt es im Bundesbankbericht. Die Schuldenquote war in den vergangenen Jahren auf zuletzt 81,9 Prozent angewachsen. Dagegen wird das deutsche Staatsdefizit, das im vergangenen Jahre erstmals seit mehreren Jahren wieder im Plus-Bereich lag, nach Einschätzung der Notenbank im laufenden Jahr wieder "leicht ins Minus drehen". Konjunkturbereinigt bleibe der Saldo in den öffentlichen Haushalten kaum verändert. Angesichts der aktuellen Planungen könnte der Staatshaushalt dann im Jahre 2014 wieder einen leichten Überschuss ausweisen.

Bundesbankpräsident Weidmann

Bundesbankpräsident Weidmann verkündete eine erneut gesunkene Wachstumsprognose.

"Erlahmen der Konsolidierungs- und Reformbemühungen"

Risiken sieht die Bundesbank im Nachlassen der Reformbemühungen in der Eurozone. Sie geht zwar von einer Stabilisierung der Lage im Währungsraum aus und erwartet, dass die "Auftriebskräfte nach und nach die Oberhand" gewinnen. "Andererseits deutet sich ein Erlahmen der Konsolidierungs- und Reformbemühungen an", stellte die Bundesbank fest. "Dies könnte auf die Finanzmärkte ausstrahlen und die Schuldenkrise erneut verschärfen", warnte sie.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Juni 2013 um 12:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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odoaker 07.06.2013 • 16:22 Uhr

Falsche Politik

Dass "die Exporte in diesem Jahr schrumpfen" liegt nicht - wie Weidmann behauptet - an der "Schuldenkrise in Europa", sondern an der falschen Politik, diese Krise zu bekämpfen. Es war doch absehbar, dass das vielen €-Staaten aufgedrängte Sparen um jeden Preis dazu führen musste, dass diese für Importe (also auch deutsche Exporte) kein Geld mehr haben. | Austeritätspolitik alleine reicht eben nicht. | Und dass der private Verbrauch in D die Konjunktur antreibt, muss leider so lange ein frommer Wunsch bleiben, wie Löhne und vor allem Renten sich in D nicht (inflationsbereinigt!) in angemessenem Verhältnis zur Produktivität entwickeln. | Aber immerhin, selbst die Bundesbank hat nun offenbar eingesehen, dass höhere Löhne und Renten in D entscheidend sind für die weitere konjunkturelle Entwicklung in ganz Europa. | Hätte die Bundesbank doch nur früher auf fortschrittliche Ökonomen wie Flassbeck gehört, die das schon länger sagen - dann wäre Merkel bestimmt besser beraten gewesen ...