Blick bei Nacht auf die Skyline von Panama City (Archivbild) | dpa
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"PanamaPapers" Ermittler suchen weiteren Hintermann

Stand: 11.11.2021 18:12 Uhr

Im Skandal um die "PanamaPapers" gibt es einen weiteren Haftbefehl: Ein Schweizer Miteigentümer der Kanzlei Mossack Fonseca wird international gesucht - unter anderem wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Von Benedikt Strunz, NDR

Die Staatsanwaltschaft Köln sucht einen weiteren Hintermann der Offshore-Kanzlei Mossack Fonseca. Der Schweizer war mehrere Jahre Miteigentümer der Skandalkanzlei.

Benedikt Strunz

Christoph Zollinger schloss sich 1997 der Kanzlei Mossack Fonseca an und wurde nach einigen Jahren, neben Jürgen Mossack und Ramon Fonseca, zum Partner. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) hat die Staatsanwaltschaft Köln neben Mossack und Fonseca inzwischen auch Zollinger international zur Fahndung ausgeschrieben. Sie wirft dem studierten Juristen Beihilfe zur Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.

Staatsanwaltschaft bestätigt internationale Haftbefehle

Der 52-jährige Zollinger lebt heute in der Schweiz und ist unter anderem im Immobiliengewerbe tätig. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte auf Nachfrage lediglich, dass "in dieser Sache insgesamt drei internationale Haftbefehle erlassen wurden". Einzelheiten nannte sie nicht.

Die Kanzlei Mossack Fonseca steht im Zentrum der "PanamaPapers", einem riesigen Datenleak aus der Welt der Briefkastenfirmen. Der Datensatz war der "SZ" zugespielt und von 380 Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt ausgewertet worden. Die 2016 veröffentlichten Recherchen deckten die wahren Eigentümer zehntausender Briefkastenfirmen auf.

Kriminelle unter den Kunden

Die "PanamaPapers" zeigten, wie Mossack Fonseca auch Kriminelle als Kunden akzeptierte, darunter finanzielle Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, Mörder, Drogenbarone und Sexualstraftäter. Vor allem legten die Recherchen aber offen, wie Tausende Kunden auf der ganzen Welt die Dienste von Mossack Fonseca in Anspruch nahmen, um ihr Geld vor dem Fiskus zu verstecken.

Die Veröffentlichungen führten international zu zahlreichen Rücktritten und Gesetzesänderungen und lösten tausende Ermittlungsverfahren aus. Gerichte und Finanzbehörden haben seither mehr als eine Milliarde Euro an Strafen und Steuernachforderungen eingenommen, darunter 160 Millionen Euro in Deutschland.

Deutsche Banken beteiligt

Die Recherchen, an denen in Deutschland NDR, WDR und "SZ" beteiligt waren, zeigten, dass zahlreiche Deutsche Panama-Firmen erworben hatten, um die Kapitalertragssteuer auf Bankvermögen zu umgehen. Zahlreiche deutsche Banken hatten ihren deutschen Kunden die Dienste von Mossack Fonseca vermittelt. Mehrere deutsche Geldhäuser akzeptierten im Zuge der Ermittlungen Millionenstrafen.  

Die "PanamaPapers" decken den Zeitraum 1977 bis 2016 ab und geben Aufschluss über mehr als 200.000 Briefkastenfirmen. Kunden aus der ganzen Welt konnten über Mossack Fonseca Briefkastenfirmen gründen und bezahlten dafür etwa 1000 Dollar. Die Firmen waren in der Regel mit Scheindirektoren ausgestattet, die die wahren Eigentümer verbargen. Auf diese Weise konnten Kunden Geld, Kunstwerke, Yachten und andere Vermögenswerte verstecken.

Zollinger weist Vorwürfe zurück

Auf Nachfrage erklärte Zollinger, er bestreite die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vehement, zudem habe er "auch keine Kenntnis davon, dass gegen mich deswegen eine Strafuntersuchung laufen soll". Er sei damals aus der Mossack Fonseca Gruppe ausgeschieden, weil er sich nicht mit dem Offshore-Business identifizieren konnte. Weiter erklärte er, sein Wohnort sei den deutschen Behörden bekannt, zudem stehe er mit den Kölner Untersuchungsbehörden in Kontakt und sei "jederzeit bereit, Auskunft zu geben".

Über dieses Thema berichtete BR24 am 12. November 2021 um 06:41 Uhr.