Hitze | dpa

Hitze in Europa Der erste deutsche Rekord ist gebrochen

Stand: 19.06.2022 18:35 Uhr

In Cottbus ist ein Temperaturrekord von 39,2 Grad gemessen worden. Auch in anderen Teilen Deutschlands und Südeuropas bleibt die Hitzewelle bestehen - zumindest noch: Zum Wochenanfang gibt es eine erste Abkühlung.

Die erste Hitzewelle des Jahres hat am Wochenende weite Teile Deutschlands und Südwesteuropas mit extremen Temperaturen im Griff gehabt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) registrierte am Nachmittag Messungen an mehreren Wetterstationen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg Werte von 38 Grad und mehr. In Cottbus wurde mit 39,2 Grad ein neuer deutschlandweiter Temperaturrekord für die zweite Junidekade gemessen.

Der vorläufige Spitzenwert an einer Wetterstation in der ostbrandenburgischen Stadt Cottbus übertraf den bisherigen Höchstwert um fast ein Grad. Der bisherige Rekord für diesen Zeitraum war 2002 mit 38,3 Grad im Rheinland gemessen worden. Zuvor waren am Nachmittag die bis dato höchsten Temperaturen des Jahres ermittelt worden, an den Stationen Waghäusel-Kirrlach am Oberrhein (Baden-Württemberg) sowie in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) waren es 37,1 Grad.

Mehrere Bundesländer betroffen

Vielerorts lagen die Temperaturen zudem nur knapp unter 38 Grad. In einem breitem Streifen vom Oberrhein in Baden-Württemberg über das südliche Hessen und Bayern bis in das südliche Ostdeutschland wurden nach Angaben des Wetterdienst am Nachmittag um 15.00 Uhr zwischen 35 und 37 Grad registriert. Im weiteren Verlauf des Tages drohten demnach in vielen Regionen auch starke Gewitter und teils unwetterartiger Regen.

Nahe der Kleinstadt Treuenbrietzen in Brandenburg wütete ein Waldbrand, zwei Ortsteile wurden evakuiert. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch heftigen Wind und dadurch, dass das betroffene Gebiet teilweise munitionsbelastet ist, so dass sich die Einsatzkräfte nur auf gesicherten Wegen bewegen konnten.

Temperatursturz im Norden

Im starken Gegensatz dazu befand sich der Norden und Nordwesten Deutschlands am Wochenende unter dem Einfluss einer Kaltfront, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden am Sonntagmittag vor allem in Meeresnähe teils lediglich Werte zwischen zwölf und 15 Grad erreicht. Auch in Nordrhein-Westfalen waren es verbreitet lediglich um die 20 Grad. 

Hohe Temperaturen auch in Südeuropa

In Frankreich sprach der Wetterdienst Météo France von der frühesten Hitzewelle seit 1947. In elf Gebieten wurden demnach neue Temperaturrekorde für den Juni aufgestellt. Im südwestfranzösischen Biarritz wurde mit 42,9 Grad der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen.

In Spanien verwüsteten Waldbrände mehr als 20.500 Hektar Land im Gebirgszug Sierra de la Culebra im Nordwesten des Landes, 14 Ortschaften wurden vorübergehend evakuiert.

In Norditalien leidet die Po-Ebene unter der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren, mehrere Gemeinden rationierten die Wasserverteilung. Nach Angaben des Landwirtschaftsverbandes Coldiretti geben die Milchkühe des Landes wegen der Hitze derzeit zehn Prozent weniger Milch als normal.

Experten sehen Klimawandel als Ursache

Die Zunahme der Hitzewellen und Dürren ist laut Wissenschaftlern eine direkte Folge der globalen Erwärmung. Dabei nehmen sowohl Intensität als auch Dauer und Häufigkeit dieser Phänomene zu. Der Klimawandel führe zu früheren Hitzewellen, erklärte Clare Nullis von der Welt-Meteorologieorganisation (WMO) in Genf. 

"Was wir heute sehen, ist leider ein Vorgeschmack auf die Zukunft", wenn der Treibhausgasausstoß nicht zurückgehe, warnte die Expertin. Laut WMO hat sich die Zahl der Unwetterkatastrophen zwischen 1970 und 2019 verfünffacht.

Teilweise Abkühlung zum Wochenanfang

Laut dem DWD startet die Woche in weiten Teilen Deutschlands mit Schauern und kühleren Temperaturen. Im Westen und Norden beginnt sie wechselhaft bewölkt mit sonnigen Abschnitten, während im Nordosten einzelne Schauer und kurze Gewitter auftreten können. In der Mitte des Landes trete zunächst teils gewittriger Regen auf, der im Tagesverlauf allmählich nachlasse.

Auch im Süden sollen sich nachmittags einzelne Schauer und Gewitter ausbreiten. Den Meteorologen zufolge soll es kühler als in den vergangenen Tagen werden: In der Nordhälfte erwärmt es sich auf 17 bis 24 Grad, ansonsten sind 24 bis 30 Grad im Rest des Landes zu erwarten. Im Süden könnten Höchstwerte von bis zu 33 Grad erreicht werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juni 2022 um 17:45 Uhr.