Ein Schild mit der Aufschrift "Ab hier gilt Maskenpflicht!" hängt am Eingang der Fußgängerzone in Berchtesgaden. | dpa

Robert Koch-Institut 6868 Neuinfektionen in Deutschland

Stand: 20.10.2020 08:24 Uhr

Rund 2700 Neuinfektionen mehr als noch vor einer Woche: Die Corona-Zahlen steigen weiter. Den Spitzenwert erreicht der Landkreis Berchtesgaden - dort gilt nun ein regionaler Lockdown. Aber nicht nur dort ist die Situation kritisch.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 6868 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Der Wert liegt damit deutlich über den 4122 gemeldeten Fällen vom Dienstag vergangener Woche.

Der am stärkste vom Coronavirus betroffene Kreis bundesweit ist das Berchtesgadener Land. Die Sieben-Tage-Inzidenz in dem oberbayerischen Kreis lag bei 236 (Stand: 20.10., 0.00 Uhr). Bereits bei 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von einer Woche sprechen Bund und Länder von einem Warnwert.

Regionaler Lockdown im Berchtesgadener Land

Ab heute gilt daher ein regional beschränkter Lockdown im Berchtesgadener Land: Die eigene Wohnung darf nur noch "bei Vorliegen triftiger Gründe" verlassen werden - beispielsweise für den Weg zur Arbeit, für Einkäufe oder für Sport im Freien. Dies aber nur alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands, wie Landrat Bernhard Kern sagte. Veranstaltungen sind untersagt und Schulen, Kindergärten sowie Freizeiteinrichtungen geschlossen. In Kliniken, Alten- und Pflegeheimen gibt es strikte Besuchsverbote. Die Einschränkungen sollen vorerst 14 Tage lang Bestand haben.

Sieben-Tage-Inzidenz in vielen Landkreisen über 100

Bisher mussten in keiner anderen Region in Deutschland vergleichbare Maßnahmen ergriffen werden - die Infektionszahlen sind aber auch in weiteren Landkreisen hoch. Das niedersächsische Delmenhorst ist bundesweit der zweite Ort, an dem die Sieben-Tage-Inzidenz mit 211,5 über 200 liegt liegt. In zahlreichen weiteren Gebieten übersteigt der Wert inzwischen den Wert von 100. Vielerorts schaffen es die Gesundheitsämter nicht mehr, sämtliche Kontakte von positiv getesteten Personen nachzuverfolgen.

Bundesweit hatte die Zahl der Neuinfektionen am Samstag mit 7830 zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert seit Beginn der Corona-Pandemie erreicht. Die jetzigen Werte sind allerdings nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden.

R-Wert bei 1,35

Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Montag bei 1,35 (Vortag: 1,44). Das bedeutet, dass zehn Infizierte im Mittel 13 bis 14 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen liegt dieser Wert nun bei 1,25 (Vortag: 1,35). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 373.167 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus infiziert (Stand: 20.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9836. Das waren 47 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 298.300 Genesene.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.