Eine Frau lässt sich gegen Grippe impfen | Bildquelle: picture alliance / dpa

Pro und Contra Sind Grippeschutzimpfungen sinnvoll?

Stand: 08.11.2018 04:31 Uhr

Bald beginnt wieder die Grippesaison - und viele Menschen fragen sich: impfen oder nicht? Auf jeden Fall, meint Ingrid Bertram. Andere Maßnahmen sind wichtiger, meint dagegen Franziska Hoppen.

Pro: Eine Grippeschutzimpfung ist natürlich sinnvoll!

Von Ingrid Bertram, WDR

Die Grippeschutzimpfung ist auf jeden Fall sinnvoll. Nicht nur für die Risikogruppen wie Senioren über 60, chronisch Kranke, Schwangere, Pfleger und medizinisches Personal. Denn kaum eine andere Impfung kann so viele Leben retten wie die Grippeschutzimpfung. Und schützt man sich selbst, dann schützt man auch andere vor einer Ansteckung. Denn die Grippe ist eine so häufige Krankheit, dass ein kleiner Impferfolg eine große Wirkung haben kann.

Im vergangenen Winter gab es in Deutschland nachweisbar 1674 Tote nach einer Influenza und 334.000 Infektionen. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, denn nicht jeder geht zum Arzt.

Wer einmal eine hatte, weiß zu gut: Gegen eine echte Grippe hilft kein Medikament, denn die Viren verändern sich ständig und bilden sogar Resistenzen. Deswegen bleiben die meisten Medikamente wirkungslos. Wenn man Pech hat, gibt es nach der Grippe noch eine Lungenentzündung obendrauf und in schlimmeren Fällen kann sogar der Herzmuskel erkranken - mit Todesfolge.

Medikamente und ein Fieberthermometer liegen auf einem Nachttisch | Bildquelle: dpa
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Im vergangenen Winter gingen in Deutschland rund sieben Millionen Menschen wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt.

Will man das Virus effektiv eindämmen, dann hilft nur, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen. Gerade weil Viren während einer Grippesaison mutieren. Das können sie umso besser, je mehr Menschen erkranken.

Im vergangenen Jahr verbreiteten sich die Influenza-Viren besonders stark. Unter anderem auch deswegen, weil ein Virusstamm in der sogenannten Dreifach-Impfung nicht abgedeckt war. Das kann passieren, weil die Wissenschaftler für die Entwicklung der Grippewelle im Voraus eine Prognose abgeben müssen.

Natürlich können die Experten schief liegen. Aber genau deswegen soll es in diesem Jahr eine Vierfach-Impfung geben, die mehr Virenstämme abdeckt. Die wollen auch die Krankenkassen für alle Risikogruppen zahlen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Sicher, eine Universalimpfung wird es nie geben, aber wenn man trotzdem erkrankt, dann ist die Grippe meist weniger schlimm.

Pro & Contra: Ist eine Grippeschutzimpfung sinnvoll?
08.11.2018

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Contra: Grippeschutzimpfung ist kein hundertprozentiger Schutz

Von Franziska Hoppen, WDR

Ein Piks in den Arm und schon ist man immun? Falsch. Die Grippeschutzimpfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion. Denn es gibt viele unterschiedliche Virenstämme, und sie verändern sich ständig. Die Weltgesundheitsorganisation spricht zwar jährlich eine Empfehlung für die Zusammensetzung des jeweils aktuellen Impfstoffes aus. Dafür werden die global kursierenden Influenza-Virenstämme analysiert, und aus Virusmutanten wird ein Impfcocktail gemischt.

Die Dynamik der Viren lässt sich aber nicht immer vorhersagen. So wie im vergangenen Jahr: Für fast 70 Prozent der Influenzaerkrankten in Deutschland waren B-Viren vom Typ Yamagata verantwortlich. Genau diese Yamagata-Komponente war in der kostengünstigeren Dreifachimpfung nicht enthalten. In der Vierfachimpfung schon. Weil viele der gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür aber nicht übernommen hatten, wurde sie zu wenig angewandt. Viele Menschen, die den Dreifach-Impfstoff erhielten, erkrankten also trotzdem.

Bis der Geimpfte Antikörper entwickelt und die Impfung ihren vollen Schutz entfaltet hat, dauert es etwa zwei bis drei Wochen. Wer sich in der Zwischenzeit ansteckt, kann also unter Umständen trotzdem erkranken, selbst wenn er mit dem richtigen Impfstoff geimpft wurde.

Wachsende Megastädte tragen dazu bei, dass sich Viren schneller vermehren. Gerade im Winter, wenn die Luft kalt und trocken ist, überleben Influenzaviren länger. Die Tröpfchen, die Kranke beim Sprechen, Husten oder Niesen verbreiten, schweben dann länger in der Luft. Ihre Langlebigkeit erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Viren genetisch verändern und eine Grippeimpfung eventuell nicht greift.

Deswegen ist vor allem eins wichtig: Die Ausbreitung der Viren zu verhindern. Die Maßnahmen sind einfach. Dazu gehört, in den Ellenbogen statt in die Hand zu niesen, die Hände oft und gründlich zu waschen und beheizte Räume regelmäßig zu lüften.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "MDR um 11" am 15. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

Korrespondentin

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Ingrid Bertram, WDR

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