Hintergrund

Kinder warten auf den Beginn der feierlichen Einschulung an einer Grundschule in Rostock | Bildquelle: dpa

Präsenzunterricht und Maskenpflicht Wie die Schulen den Start planen

Stand: 28.07.2020 11:31 Uhr

Im neuen Schuljahr soll es trotz der Corona-Pandemie viel Normalität für Lehrer und Schüler geben. Die Regelungen zwischen den Ländern unterscheiden sich jedoch teils deutlich. Ein Überblick über die Konzepte.

Zwischen dem 3. August und dem 14. September beginnt in den Bundesländern das neue Schuljahr. Grundsätzlich soll es viel Regelbetrieb geben, aber die Corona-Pandemie verlangt Hygienepläne und Vorsichtsmaßnahmen. Dabei gehen die Länder unterschiedliche Wege.

Ein Überblick der bisherigen Planungen:

Baden-Württemberg (das Schuljahr beginnt am 14. September)

Im Südwesten läuft das alte Schuljahr noch, erst am Donnerstag beginnen dort die Ferien. Dennoch wird schon für das kommende Schuljahr geplant.

So soll der Unterricht in möglichst festen Gruppen ablaufen, sodass sich Schüler möglichst wenig mischen. Auf dem Schulgelände und in Gebäuden der weiterführenden Schulen soll zudem eine Maskenpflicht gelten - nicht aber im Unterricht. Eltern, die nicht möchten, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule formlos melden. Dann müssen die Kinder aber aus der Ferne mitlernen.

Alle Mitarbeiter an Schulen und Kitas können sich von Mitte August bis Ende September zwei Mal kostenfrei und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen.

Bayern (das Schuljahr beginnt am 8. September)

Der Freistaat will im kommenden Schuljahr zusätzliche Lehrkräfte einsetzen, um Stammlehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören und nicht an die Schule können, zu unterstützen. Neben ausgebildeten Lehrern können sich auch Menschen mit anderen Hochschulabschlüssen, die also kein Lehramtsstudium absolviert haben, für diese Stellen bewerben. Das Land plant derzeit mit 800 sogenannten Teamlehrkräften.

Zudem sollen die Schulen spezielle Förderkurse anbieten, um Schülerinnen und Schüler mit Lerndefiziten wegen der Corona-Einschränkungen zu unterstützen.

Für das Lehrpersonal sollen zu Beginn des Schuljahres einmalige Reihentests angeboten werden.

Berlin (das Schuljahr beginnt am 10. August)

Es ist wieder "durchgehender Unterricht" in "vollem Umfang" für alle geplant. Die Lehrerinnen und Lehrer sollen zu Beginn des Schuljahrs den Lernstand der Schüler überprüfen und dann entsprechende Konzepte zur Unterrichtsgestaltung und eventuell Fördermaßnahmen festlegen. Auch Sport-, Musik- und Theaterunterricht darf wieder stattfinden - gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen ist allerdings nicht gestattet.

Schülerinnen und Schüler, die mit einem ärztlichen Attest nachweisen, dass sie zur Risikogruppe gehören, können bis auf weiteres auch von zu Hause aus mitlernen. In den Schulen soll Körperkontakt vermieden werden.

Brandenburg (das Schuljahr beginnt am 10. August)

Für das Lehrpersonal soll eine Maskenpflicht gelten. Alle Lehrer können sich in der Zeit zwischen Anfang August und Ende November sechs Mal kostenlos freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Bei 2900 Schülerinnen und Schüler - das entspricht etwa einem Prozent - soll es einmalig eine Test-Stichprobe geben.

Sollte es zu einem Corona-Ausbruch kommen, sollen möglichst nur einzelne Klassen in den Heimunterricht geschickt werden. Es soll nicht gleich die ganze Schule geschlossen werden.

Bis zum Ende des ersten Halbjahres sollen für alle Schüler mobile Endgeräte zur Verfügung stehen.

Bremen (Schuljahr beginnt am 27. August)

Die Stadt an der Weser hat ein "Rahmenkonzept Schuljahr 2020/2021" aufgestellt und will damit "möglichst viel Normalität und einen Regelbetrieb unter den Auflagen des Hygieneplans erreichen". Leitmotiv dabei ist das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe.

Vorgesehen sind "möglichst feste Klassenteams". Falls es pandemiebedingt doch zu Einschränkungen des Schulbetriebs kommen sollte, sollen Grundschüler und Schüler, die zu Hause keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten zum selbstständigen Lernen haben, bevorzugt mit Präsenzzeiten versorgt werden.

Hamburg (Schuljahr beginnt am 6. August)

Auch in Hamburg ist "in allen Schulformen und Jahrgangsstufen" wieder Regelbetrieb geplant. "Sofern es keine anderweitige Entwicklung der Infektionslage gibt, ist für die Planung davon auszugehen, dass das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen den Schülerinnen und Schülern für das Schuljahr 2020/21 auf Ebene der Klasse bzw. des Jahrgangs aufgehoben wird", heißt es in einer Mitteilung des Senats von Mitte Juli.

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Pausen oder im Schulbus wird weiterhin empfohlen. Alle Hamburger Lehrkräfte und anderen Beschäftigten der Schulen können sich mehrfach kostenlos auf Corona testen lassen.

Hessen (Schuljahr beginnt am 17. August)

Der Mindestabstand in den Klassenräumen und beim Sportunterricht wird aufgehoben, bei Konferenzen gilt er aber weiterhin. Im Musikunterricht ist gemeinsames Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten nur im Freien erlaubt.

Die Schulleitung kann für die Zeiten außerhalb des Präsenzunterrichts im Klassen- oder Kursverband das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung anordnen. Jede Lehrkraft kann sich voraussichtlich vor dem Start ins neue Schuljahr auf eine mögliche Corona-Infektion testen lassen.

Mecklenburg-Vorpommern (Schuljahr beginnt am 3. August)

Als erstes Bundesland geht Mecklenburg-Vorpommern am Montag zurück in den regulären Schulbetrieb. Das Bildungsministerium hat die Schüler jahrgangsmäßig in Gruppen eingeteilt. So sollen beispielsweise die Jahrgangsstufen 1 bis 4 oder 7 und 8 unter sich bleiben. "Die verschiedenen Gruppen sollen sich einander nicht bzw. möglichst nur unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 m begegnen", heißt es in einem Brief an die Schulleitungen.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es kostenlose Corona-Tests für Lehrer und Kita-Personal. Möglich sind bis zu den Herbstferien fünf Tests pro Person im Abstand von zwei Wochen.

Mecklenburg-Vorpommern mit strengem Hygienekonzept vor Schuleröffnungen
tagesschau 17:00 Uhr, 28.07.2020, Cornelia Helms, NDR

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Niedersachsen (Schuljahr beginnt am 27. August)

Niedersachsen will nach Angaben des Kultusministeriums ein Maximum an Bildung und Betreuung anbieten. "Wir planen das neue Schuljahr 2020/2021 auf der Basis von Normalität", sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne Anfang des Monats.

Für das neue Schuljahr wurden - je nach Infektionslage - drei Szenarien entwickelt. Im Moment wird vom "eingeschränkten Regelbetrieb" ausgegangen - laut Tonne "Schule wie immer" mit "ein paar Sonderregelungen". Das heißt, dass auf das Abstandsgebot verzichtet wird, es aber feste Lerngruppen geben soll. Masken sollen auf den Fluren getragen werden.

Nordrhein-Westfalen (Schuljahr beginnt am 12. August)

Die etwa 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler im bevölkerungsreichsten Bundesland sollen nach Aussage von Schulministerin Yvonne Gebauer nach den Sommerferien "in einen verantwortungsvollen Regelbetrieb zurückkehren".

Yvonne Gebauer | Bildquelle: dpa
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NRW-Schulministerin Gebauer will Lehrkräfte anwerben.

Erste Pläne hatte die Ministerin schon im Juni vorgelegt: Darin ging es unter anderem um die "Gewinnung von zusätzlichem Personal zur Sicherstellung des Regelbetriebs". Zudem wurde ein Leitfaden für die Schulen angekündigt, falls diese aus Gründen des Infektionsschutzes doch wieder auf Distanz-Unterricht umschalten müssen.

Die Beschäftigten von Schulen und Kitas können sich bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf Corona testen lassen.

Rheinland-Pfalz (Schuljahr beginnt am 17. August)

Der Hygieneplan für das neue Schuljahr sieht kein Abstandsgebot mehr vor. Bildungsministerin Stefanie Hubig plant je nach Entwicklung der Corona-Infektionen mit zwei Szenarien: Das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hatte für den Fall von Infektionen an einer Schule angekündigt, dass "alle anderen in Quarantäne geschickt" und umfassend getestet werde. Im Zweifel werde die temporär geschlossen. Das Vorgehen sei mit Gewerkschaften, Lehrerverbänden, Eltern- und Schülervertretern besprochen, so Dreyer.

Saarland (Schuljahr beginnt am 17. August)

Der Unterricht soll in festen Gruppen innerhalb eines Jahrgangs stattfinden, "um eine Durchmischung mit den anderen Jahrgängen nach Möglichkeit zu vermeiden". Ziel sei es, dass bei Infektionsfällen für die nicht betroffenen Personen der Präsenzunterricht weiterlaufen könne. Im Hygieneplan des Landes für die Schulen wird außerdem empfohlen, Musikunterricht - wenn gesungen wird - bei gutem Wetter im Freien abzuhalten.

Schüler, die zur Risikogruppe gehören, können mit ärztlichem Attest vom Schulbesuch befreit werden, müssen aber an Prüfungen teilnehmen. Dafür stellen die Schulen dann separate Räume zur Verfügung.

Sachsen (Schuljahr beginnt am 31. August)

Christian Piwarz | Bildquelle: dpa
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Minister Piwarz will viel Normalität in der Schule.

"Die Schülerinnen und Schüler werden wie gewohnt in ihren Klassen und Kursen nach den geltenden Stundentafeln und Lehrplänen unterrichtet", hat der sächsische Kultusminister Christian Piwarz angekündigt.

Der Mindestabstand von 1,50 Metern gilt nicht mehr. Die Schulleitungen können selbst festlegen, wann und wo eine Maske zu tragen ist. Wer die Schule betritt, muss sich die Hände waschen oder desinfizieren. Täglich wird dokumentiert, wer in der Schule war, um Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Sachsen-Anhalt (Schuljahr beginnt am 27. August)

In Sachsen-Anhalt gilt die Anweisung, dass alle Schulen sich auf die Rückkehr in den Regelbetrieb vorbereiten sollen. Das Bildungsministerium weist aber auch darauf hin, dass die Gesundheitsbehörden weiterhin Schulschließungen vornehmen können. Daher seien die Schulen gehalten, sich auch auf eine teilweise oder vollständige Abkehr vom Regelbetrieb einzustellen, "um kurzfristig wieder Distanzunterricht anbieten zu können". ´

Die konkreten Planungen für den Schulalltag laufen, ein aktualisierter Hygieneplan soll noch vorgelegt werden. Das Ministerium geht grundsätzlich davon aus, "dass das gesamte pädagogische Personal im Regelbetrieb eingesetzt werden kann".

Das Bildungsministerium empfiehlt zudem "allen schulischen Akteuren" die Nutzung der Corona-​Warn-App.

Schleswig-Holstein (Schuljahr beginnt am 10. August)

Auch in Schleswig-Holstein ist eine Aufteilung der Schüler in feste Gruppen nach Jahrgangsstufe geplant. Innerhalb der Jahrgänge fällt die Abstandsregel weg, dafür sollen Kontakte zwischen den Jahrgängen möglichst vermieden werden. "An die Stelle des durchgängig einzuhaltenden Abstandsgebots tritt das Kohortenprinzip", heißt es in einem Konzept für das neue Schuljahr. Begründung: Im Infektionsfall könnte dann nur die entsprechende Kohorte in Quarantäne geschickt werden, ohne dass die ganze Schule geschlossen werden muss.

Großflächige Corona-Tests für Lehrer sind im Norden nicht geplant.

Thüringen (Schuljahr beginnt am 31. August)

"Wir wollen in ein normales Leben zurückkehren" - diese Devise hat Thüringens Bildungsminister Helmut Holter ausgegeben.

Thüringen hat für die Schulen ein Ampel-Konzept mit abgestuften Sicherheitsmaßnahmen vorgelegt: Grün bedeutet Normalbetrieb, Gelb eingeschränkter Regelbetrieb, wenn beispielsweise ein Infektionsfall an der Schule auftritt, die Kontaktpersonen aber bekannt sind und nach Hause geschickt werden können. Bei Gelb werden die Infektionsschutzmaßnahmen an der Schule verschärft. Wenn der Kontakt nicht nachzuvollziehen ist, tritt Stufe Rot in Kraft und es kann zu einer vorübergehenden Schulschließung kommen.

Auch Klassenfahrten sollen wieder möglich sein. Ab Mitte August sind freiwillige, kostenlose Corona-Tests für Lehrer geplant.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juli 2020 um 08:45 Uhr.

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