Mehrere Corona-Schnelltests liegen auf einem Tisch. | dpa

Corona-Pandemie in Deutschland RKI sieht "gewisse Entspannung"

Stand: 28.10.2022 07:52 Uhr

Die Corona-Fälle gehen in Deutschland laut RKI zurück - allerdings haben die Zahlen auch wegen der Herbstferien geringere Aussagekraft. Neue Subtypen könnten wieder zu einen Anstieg der Infektionen führen.

Bei der bundesweiten Verbreitung des Coronavirus zeichnet sich aus Sicht des Robert Koch-Institutes derzeit eine "gewisse Entspannung" ab - sowohl, was die Infektionszahlen als auch die Zahl von Covid-19-Erkrankungen infolge einer Ansteckung betrifft. Diese Bilanz zieht das Institut in seinem aktuellen Wochenbericht.

Laut RKI-Schätzung hatten in der vergangenen Woche 700.000 bis 1,6 Millionen Menschen in Deutschland eine Corona-Infektion mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung. Durch Arztbesuche seien in 350.000 Fällen eine Atemwegserkrankung in Verbindung mit einer Covid-19-Diagnose festgestellt worden. Damit seien beide Werte im Vergleich zur Vorwoche gesunken.

Rückgang der Sieben-Tage-Inzidenz

Auch die Sieben-Tage-Inzidenz sei in der vergangenen Woche verglichen mit den Werten drei Wochen zuvor um etwa 16 Prozent zurückgegangen, heißt es in dem Bericht weiter. Der Rückgang zeichne sich "in den meisten Bundesländern und allen Altersgruppen" ab. Allerdings bleibt laut RKI abzuwarten, ob sich dieser abnehmende Trend weiterhin fortsetzt. Das Institut verweist auf die Herbstferien, die "sowohl Kontakt- als auch Testverhalten" der Menschen beeinflusst hätten.

Derzeit liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz den Zahlen des RKI zufolge bei 464,1. Der Wert beziffert, wie viele Personen sich binnen einer Woche unter 100.000 Bürgerinnen und Bürgern mit dem Virus anstecken. Den niedrigsten Wert verzeichnet derzeit Hamburg mit einer Inzidenz von 285,8, die höchste Inzidenz meldet das Saarland mit 683,7, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit einem Wert von 600,7.

Neue Subtypen breiten sich aus

Nach wie vor dominiert in Deutschland der Omikron-Subtyp BA.5. Die Virusvariante habe nahezu alle anderen Corona-Varianten verdrängt, den Angaben des RKI zufolge liegt ihr Anteil bei den nachgewiesenen Infektionen momentan bei etwa 96 Prozent. Allerdings beginnen sich laut Wochenbericht auch weitere Sublinien des BA.5-Typs auszubreiten: die Varianten BF.7, BQ.1 und BQ.1.1. Das RKI schätzt den Anteil der Corona-Ansteckungen, die auf diese Sublinien zurückgehen, jedoch noch recht gering ein - die Infektionen durch BQ.1 liegen demnach derzeit bei etwa zwei Prozent aller Corona-Fälle, auf BQ 1.1 gingen knapp drei Prozent zurück.

Aus Sicht von Moritz Gerstung vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg hinken die Zahlen des RKI aber deutlich hinterher. "Der Anteil derzeit liegt unseren Berechnungen zufolge bei circa sechs Prozent für BQ.1 und bei sieben Prozent für BQ.1.1", sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Wohl keine schwereren Krankheitsverläufe

Auch die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC hatte zuletzt vor allem vor der schnellen Verbreitung der BA.5-Varianten BQQ.1 und BQ.1.1 gewarnt. Bereits bis Mitte November oder Anfang Dezember könnten sie demnach vorherrschend werden und zu einem Anstieg der Corona-Fallzahlen führen.

Allerdings sei durch die neuen Subtypen zwar mit zunehmenden Infektionen zu rechnen, aber nicht mit einem Anstieg der schweren Krankheitsverläufe infolge einer Ansteckung, schätzt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Auch die ECDC geht auf Grundlage von ersten Laborstudien aus Asien davon aus, dass BQ.1 sich zwar stärker der Immunreaktion eines Menschen entziehe. Es gebe bisher aber keine Hinweise auf schwerere Verläufe im Vergleich zu Erkrankungen durch die Varianten BA.4 und BA.5. Allerdings seien bislang nur sehr begrenzt Daten dazu verfügbar.

Watzl rät, die neuen Sublinien zu beobachten. Ihre Ausbreitung zu verhindern, werde nicht gelingen. Doch Watzl sieht derzeit auch keinen Anlass, dass Maßnahmen ergriffen werden müssten.