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Ein Frau geht am menschenleeren Strand von Warnemünde spazieren. | Bildquelle: dpa

Coronavirus Warum es weniger Fälle in Ostdeutschland gibt

Stand: 03.05.2020 08:48 Uhr

In den fünf ostdeutschen Flächenländern gibt es vergleichsweise wenig Coronavirus-Infektionen. Dabei spielen Demografie und Bevölkerungdichte eine Rolle - aber auch der Geldbeutel und Traditionen.

Coronavirus-Infektionen sind in Deutschland ungleich verteilt. So gibt es bisher in den fünf ostdeutschen Flächenländern*, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, vergleichsweise wenig Fälle - sowohl in absoluten Zahlen als auch auf 100.000 Einwohner gerechnet.

Dabei spielten gleich mehrere Aspekte eine Rolle, sagte Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen.

Älter und damit weniger mobil

Entschleunigend bei der Virusausbreitung könne etwa ein hoher Anteil alter, weniger mobiler Menschen in einer Gesellschaft wirken. "Wir gehen oft in erster Linie davon aus, dass Alter ein Risikofaktor für schwere Erkrankungen ist", sagt Zeeb der Nachrichtenagentur dpa. "Das stimmt auch, aber die Ausbreitung ist zu Beginn wahrscheinlich tendenziell vor allem über jüngere Menschen erfolgt, über Reisende." Und wenn ein Virus gar nicht in eine Region gelange, könne es sich dort auch nicht auf die Älteren übertragen.

Kein teurer Skirurlaub

In Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg sei das Virus wohl vielerorts aus Skigebieten wie Ischgl in Österreich eingeschleppt worden, so Zeeb. Solche Berichte aus ostdeutschen Bundesländern seien seltener. "Das Reiseziel hat ja durchaus auch etwas mit dem sozioökonomischen Status des Reisenden zu tun", sagt Zeeb mit Blick auf die Gehälter, die in Ostdeutschland durchschnittlich geringer sind als im Westen.

Die Après-Ski-Bar "Kitzloch" im österreichischen Ski-Ort Ischgl | Bildquelle: dpa
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Im österreichischen Skiort Ischgl wurden viele Urlauber mit dem Coronavirus infiziert - und verbreiteten das Virus dann in ihren Heimatländern weiter.

Zudem seien Karnevalsveranstaltungen in einigen westdeutschen Regionen traditionell beliebter als im Osten. "Solche Feste und Zusammenkünfte moderieren und verändern das Krankheitsgeschehen eindeutig", sagt auch Zeeb. Bundesweite Aufmerksamkeit hatte vor allem der nordrhein-westfälische Kreis Heinsberg erregt - dort steckten sich sehr viele Menschen bei einer Karnevalssitzung an.

"Nicht so einfach schwarz und weiß"

Auch die vergleichsweise niedrige Bevölkerungsdichte in mehreren ostdeutschen Bundesländern ist nach Ansicht des Mediziners ein Faktor. "Gerade Mecklenburg-Vorpommern fällt mit niedrigen Zahlen auf: Ein Bundesland mit sehr geringer Bevölkerungsdichte und viel ländlicher Struktur."

Es gebe aber auch Gegenbeispiele: Bremen etwa habe eine hohe Bevölkerungsdichte und dennoch recht niedrige Infektionszahlen. "Das zeigt eben auch, dass das Ganze jetzt nicht so einfach schwarz und weiß zu beschreiben ist."

Frühe Prävention

Ein Glücksfall sei auch gewesen, dass die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus beschlossen wurden, als in den ostdeutschen Bundesländer zum Teil erst wenige Fälle registriert worden waren. "Das ist ja das Optimale, wenn man Prävention früh genug einführt, damit eben nichts passiert."

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich stand hier die Zahl vier. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 29. April 2020 um 18:27 Uhr.

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