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Corona Teststation | Bildquelle: dpa

Testverfahren im Überblick Schnell ist nicht unbedingt sicher

Stand: 23.10.2020 02:24 Uhr

Mit steigenden Infektionen wird die Wahrscheinlichkeit von Risikobegegnungen höher. Betroffene brauchen schnelle Klärung. Welches Verfahren bringt aber den sichersten Nachweis?

Von Iris Marx, tagesschau.de

Im Laufe der Pandemie sind bereits einige neuere Ansätze entwickelt worden, um den Nachweis einer Infektion mit dem Corona-Virus SARS-CoV-2 zu liefern. Und der Bedarf steigt. Führten etwa in der elften Kalenderwoche im März die Labore deutschlandweit nur rund 130.000 Tests durch, waren es nach Angaben des Robert Koch-Instituts in der vergangenen Woche mehr als eine Million Proben, die Labore untersucht haben.

PCR-Test gilt Experten immer noch als sicherstes Verfahren

Die meisten erfolgen immer noch mit dem sogenenannten PCR-Test. Hierbei wird das Erbgut des Coronavirus nachgewiesen. Dafür wird eine Probe mittels Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum entnommen, die im Labor mithilfe eines molekularen Tests untersucht wird. "Das ist immer noch der sicherste Test, den wir zur Verfügung haben. Bei den grob 350.000 positiven Tests, die wir in Deutschland bisher hatten, gibt es sicherlich keine große Fehlerquote", sagt Theo Stein, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Laborärzte zu tagesschau.de.

PCR-Schnelltest - nichts für den Heimgebrauch

Inzwischen gibt es den PCR-Test auch in einem Schnellverfahren. "Wobei schnell hier eher relativ ist", sagt Michael Müller, Vorsitzender Akkreditierter Labore in der Medizin. Sie beruhen zwar auf dem selben Prinzip, jedoch können hierbei nicht viele Tests gleichzeitig gefahren werden. Zudem "macht er außerdem nur da Sinn, wo auch eine sichere Umgebung gewährleistet ist. Es geht schließlich um hoch infektiöses Material", warnt Stein. Das könne vereinzelt in einem Krankenhaus eingesetzt werden, sei aber nicht massentauglich.

Für Zuhause eignet sich dieser Test ohnehin nicht, denn es ist besonders wichtig, dass nur fachlich geschultes Personal den Abstrich macht. "Das ist nicht unerheblich, denn man muss schon sehr weit in den Rachen- oder Nasenraum vordringen", sagt Experte Stein.

Antigen-Test - schnell, praktisch aber weniger sicher

Bei dem Antigen-Test-Verfahren wird nicht das Virus-Erbgut gesucht, sondern seine Eiweißfragmente. Auch hier ist aber ein Abstrich nötig. Der Test funktioniert dann ähnlich wie ein Schwangerschaftstest. Die Probe reagiert mit einem Teststreifen, wodurch eine Farbreaktion ausgelöst wird. Das passiert bereits nach 15 Minuten. Diese einfache Auswertung erlaubt auch eine Testung außerhalb von Laboren, so dass er sich nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums auch für Pflegeeinrichtungen oder Arztpraxen ohne Diagnostiklabor eignet. Aber auch hier ist es wichtig, dass der Test nur durch medizinisch geschultes Personal durchgeführt wird.

Neue Testverordnung setzt auf Antigen-Test in Pflegeheimen

Mit der neuen Testverordnung vom 15. Oktober wird dieses Verfahren zur schnellen Abklärung empfohlen. "Doch der Test ist nicht so zuverlässig wie ein PCR-Test", warnt Experte Stein. Denn "der Test schlägt erst an, wenn schon eine größere Virusmenge vorhanden ist", er habe eine geringere Sensitivität. "Das bedeutet, dass ein negatives Antigen-Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht gänzlich ausschließt. Das gilt vor allem, wenn die Testperson keine Symptome hat, weil dann wahrscheinlich weniger Viren im Körper sind. Eine genaue Fehlerquote gibt es indes nicht.

Weil der Antigen-Test aber wegen seiner Handhabung "so gut einsetzbar ist, eignet er sich dennoch vor allem zur Abklärung vor einem Besuch in Pflegeheimen oder auch für Arztpraxen", so Laborarzt Müller. "Hier geht es vorwiegend um Prävention und nicht möglicherweise bereits infizierte Personen", daher sei die geringere Sensitivität nicht so problematisch so Müller.

Corona Test | Bildquelle: AFP
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Erinnert an einen Schwangerschaftstest: der Antigen-Test, der in der neuen Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums für eine schnelle Abklärung empfohlen wird.

Nach einer möglichen Erkrankung: der Antikörper-Test

Wer wissen möchte, ob er Corona schon hatte, hat die Möglichkeit, sein Blut auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersuchen zu lassen. Der Test eignet sich nicht zum Nachweis einer akuten Situation, weil der Körper einige Zeit braucht, um diese eigene Immunabwehr in Gang zu setzen. Es gibt die Möglichkeit den Test im Labor oder als sogenannten Schnelltest durchführen zu lassen. Von letzterem rät das RKI jedoch ab, weil die Qualität mit einem Labortest noch nicht mithalten kann.

Wer zahlt den Test?

Bezahlt werden die Tests zu Covid-19 von den gesetzlichen Krankenversicherungen, so regelt es die neue Testverordnung, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. So etwa, wenn sie als Kontaktperson eines Infizierten einzustufen sind. Das gilt jetzt auch unabhängig von Symptomen. "Wenig zu testen ist teurer, als zu viel zu testen", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu der neuen Strategie. Jedoch gilt das zunächst nicht für einen Antigen-Test. "Das Verfahren soll in erster Linie ohnehin nicht beim Hausarzt durchgeführt werden, sondern in der jeweiligen Einrichtung direkt vor Ort", erklärt Laborexperte Müller. Dort soll es auch eine Kostenübernahme geben. Die Kosten für einen Antikörper-Test sind hingegen selbst zu zahlen.

Doch bei allen Erleichterungen eines Corona-Nachweises mahnen Experten, dass man dadurch nicht von der Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln entbunden werde.

Über dieses Thema berichtete MDR Thüringen am 15. Oktober 2020 um 10:00 Uhr.

Autorin

Iris Marx  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo tagesschau.de

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