Gaststätte | Bildquelle: dpa

Corona-Krise Warum Restaurants weiter Verlust machen

Stand: 26.05.2020 15:08 Uhr

Bundesweit dürfen Restaurants und Cafés wieder öffnen - doch laut einer Umfrage lohnt sich der Betrieb wegen der Auflagen oft nicht. Manche Gastwirte machen erst gar nicht auf. Vielen droht das Aus.

Von Andreas Herz, BR

Trotz der Lockerungen in der Corona-Krise sehen viele Gastwirte kaum ein wirtschaftliches Auskommen. So etwa Mona Ridder aus Augsburg: Sie betreibt das Café und Restaurant "Lokalhelden". Um ihren Gastraum zu öffnen, müsste sie Tische und Stühle immer wieder desinfizieren. Die Toiletten ebenfalls, mehrmals am Tag - und die Speisekarten sogar nach jedem Gast, schreibt der Branchenverband Dehoga an seine Mitglieder. Und natürlich muss der Mindestabstand zwischen den Tischen und zwischen eintretenden oder zur Toilette laufenden Gästen gewahrt werden.

Um all das zu gewährleisten, sagt Ridder, bräuchte sie zwei Leute mehr pro Tag. Über das Lokal, das maximal nur zur Hälfte genutzt werden kann, kann sie das aber nicht erwirtschaften. Deshalb bleibt "Lokalhelden" geschlossen. Stattdessen setzt das Team um Ridder weiter auf Liefer- und Abholangebote.

Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass nun viele die Gutscheine einlösen, die zu Beginn der Corona-Krise erworben wurden. Geld, das nun fehlt, sagt Ridder: "Jeder Tag, an dem wir nur eingeschränkt arbeiten können, ist ein verlorener Tag. Denn was die Leute heute nicht gegessen haben, werden sie in Zukunft nicht doppelt essen."

Mona Ridder | Bildquelle: Andreas Herz/BR
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Zwei Leute mehr pro Tag wären nötig, sagt Mona Ridder - und beschränkt sich deshalb erstmal weiter auf Liefer- und Abholangebote.

Dehoga: Für viele lohnt es sich nicht

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hat die Nöte der heimischen Restaurant- und Café-Betreiber in Zahlen gefasst: Vier von fünf befragten Betrieben gehen demnach davon aus, dass unter den Corona-bedingten Auflagen kein wirtschaftliches Handeln möglich sei. Rund ein Drittel der Lokale hätte nun einen Umsatz zwischen 25 und 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gemeldet. Ein weiteres Drittel käme lediglich auf einen Umsatz zwischen zehn und 25 Prozent der Vorjahreswerte.

Und etwa jedes fünfte Restaurant erzielte laut der Verbandsumfrage sogar weniger als zehn Prozent der Normalumsätze. "Die aktuellen Zahlen beweisen die katastrophale Ausnahmesituation, in der sich die Branche nunmehr seit fast drei Monaten befindet", so Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Trotz der nun bundesweiten Lockerungen stünden die Betriebe "mit dem Rücken zur Wand". Etliche Betriebe haben sich entschieden, gar nicht erst aufzumachen.

Wieder Kurzarbeit?

Wer trotz der Auflagen öffnet, muss knallhart kalkulieren. So wie Christoph Steinle: Der Augsburger steht in der Küche seines Restaurants "Blaue Kappe", er hat seit gut einer Woche wieder offen. Sein Koch sei dringend darauf angewiesen, dass die Lockerungen das Geschäft beleben. Denn auch dessen Frau arbeite in der Gastronomie. Doppelte Betroffenheit also. Sollte sich der Betrieb nicht rentieren, werde er sein Team, von dem sowieso nur 30 Prozent im Einsatz seien, wieder in Kurzarbeit schicken.

"Das Ganze muss sich am Ende einfach rechnen", sagt Steinle. Denn wenn er die Küche wieder öffnet, steigen zugleich auch die Kosten: für Personal, Strom und Waren. Die Corona-Auflagen, sagt Steinle, könne er höchstens den Sommer über durchhalten: "Das vierte Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft muss wieder normale Umsätze bringen. Sonst müssen wir zuschließen."

Dehoga fordert Rettungsfonds

Dehoga-Präsident Zöllick appelliert nun an die Politik, einen Rettungsfonds mit direkten, nicht rückzahlbaren Finanzhilfen aufzulegen. Dies sei "überlebensnotwendig". Andernfalls stünden Zigtausende Betriebe und Hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Bezogen auf das Gesamtjahr rechnen die Betriebe mit einem Umsatzrückgang von mindestens 55 Prozent. "Keine oder nur geringe Einnahmen bei laufenden Fixkosten verdeutlichen die existenzielle Betroffenheit nahezu aller Betriebe", so Zöllick weiter.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 26. Mai 2020 um 08:38 Uhr.

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