Diese elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2003, die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellt wurde, zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen (r), die aus einer menschlichen Hautprobe im Zusammenhang mit dem Präriehundeausbruch von 2003 stammt (Archivbild). | dpa

Ausbreitung von Affenpocken Informieren statt stigmatisieren

Stand: 02.08.2022 10:11 Uhr

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, hält eine bessere Aufklärung über Affenpocken für nötig - und mehr Offenheit im Umgang mit den Infektionen. Weiteren Impfstoff bestellt die Bundesregierung vorerst nicht.

Der Vorsitzende des Vorstands des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat sich für bessere Information der Bevölkerung zum Thema Affenpocken ausgesprochen. "Was wir brauchen, sind gute, verständliche Aufklärungskampagnen - sowohl der gefährdeten Personengruppen als auch der ganzen Bevölkerung", sagte Montgomery den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Seiner Ansicht nach gibt es für eine Stigmatisierung von an Affenpocken Erkrankten "überhaupt keinen Grund".

"Der Stigmatisierung von Erkrankten ist dringend entgegenzuwirken, da nur dann eine effektive Eindämmung möglich ist", sagte im RND-Interview auch Henritte Neumeyer, die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft. "Wir müssen uns im Klaren sein, dass Aufklärung und Prävention jetzt besonders wichtig sind und früher Zugang zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten essenziell ist", so Neumeyer weiter.

Das Ziel müsse sein, die weitere Ausbreitung zu stoppen, um insbesondere vulnerable Gruppen wie Menschen mit schwachem Immunsystem zu schützen. "Infektionen müssen schnell erkannt werden, und wir müssen die Impfangebote für die Risikogruppen dringend ausweiten", wird Neumeyer zitiert.

Leere Ampullen des Impfstoffes von Bavarian Nordic (Imvanex /Jynneos) gegen Affenpocken. | dpa

Leere Ampullen des Impfstoffes von Bavarian Nordic (Imvanex /Jynneos) gegen Affenpocken. Bild: dpa

Aidshilfe pocht auf Bestellung weiterer Impfdosen

Die Bundesregierung stellte derweil klar, dass sie vorerst keine weiteren Dosen des Affenpocken-Impfstoffs bestellen will. Das sei "aktuell nicht in Planung", sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums den RND-Zeitungen. "Derzeit ist lediglich der Impfstoff Jynneos der Firma Bavarian Nordics zur Immunisierung gegen Affenpocken verfügbar", erklärte sie weiter. 

Aktuelle Herausforderung ist, dass die weltweite Nachfrage nach dem Impfstoff das Angebot übersteigt und es zu einer temporär begrenzten Lieferfähigkeit seitens des Herstellers kommt.

Die Deutsche Aidshilfe hatte kürzlich eine Million Impfdosen gegen Affenpocken in Deutschland gefordert. Die Bundesregierung orderte bislang nur ein Viertel dieser Zahl.  "Der Bund hat im Rahmen einer nationalen Beschaffung insgesamt 240.000 Dosen des Impfstoffs Jynneos/Imvanex bestellt, von denen die erste Tranche in Höhe von 40.000 Impfdosen Jynneos Mitte Juni an das zentrale Lager des Bundes ausgeliefert wurde", sagte die Ministeriumssprecherin. "Die restlichen 200.000 Impfstoffdosen gegen Affenpocken aus nationaler Beschaffung werden im September 2022 erwartet."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Affenpocken einen weltweiten Gesundheitsnotstand ausgerufen. Seit Anfang Mai wurden mehr als 18.000 Fälle von Affenpocken außerhalb Afrikas registriert, die meisten davon in Europa. Zuletzt hat es außerdem mehrere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus gegeben: In Afrika, wo die Krankheit 1970 erstmals bei Menschen festgestellt worden war, Spanien, Indien, Brasilien und Peru. Von Infektionen sind besonders Männer betroffen, die Sex mit anderen Männern haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. August 2022 um 10:08 Uhr.