Hände mit einer Affenpocken-Impfstoffflasche und einer Spritze | REUTERS

Infektionskrankheit EU-Kommission lässt Affenpocken-Impfstoff zu

Stand: 25.07.2022 14:38 Uhr

Die EU-Kommission hat einen Impfstoff gegen die Affenpocken zugelassen. Damit ist nun in den 27 EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen ein Impfschutz verfügbar.

Die EU-Kommission hat den Impfstoff Imvanex gegen Affenpocken zugelassen. Ein Sprecher der EU-Kommission bestätigte, dass die Behörde einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gefolgt sei. Sie genehmigte das Präparat des Unternehmens Bavarian Nordic für Erwachsenen zum Schutz vor der Infektionskrankheit.

Die Erkrankung mit Affenpocken

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Die Inkubationszeit beträgt laut RKI fünf bis 21 Tage. Die Symptome (darunter zum Beispiel Fieber und Hautausschlag) verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und in sehr seltenen Fällen auch zum Tod führen. Affenpocken treten hauptsächlich in West- und Zentralafrika auf und verbreiten sich nur sehr selten in anderen Ländern, was die gegenwärtige Entwicklung ungewöhnlich macht.

Impfung in Deutschland für Risikogruppen empfohlen

Damit ist der Impfstoff nun in den 27 Mitgliedsländern der EU und in Island, Liechtenstein und Norwegen zugelassen. In Deutschland und in einigen anderen EU-Ländern galten allerdings bereits nationale Ausnahmeregelungen für den Einsatz gegen Affenpocken.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung gegen Affenpocken in Deutschland für bestimmte Risikogruppen und Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten. Ein erhöhtes Infektionsrisiko sieht sie bei Männern, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben.

EU hat mehr als 160.000 Impfdosen bestellt

Bislang war der Impfstoff auf EU-Ebene nur zum Schutz vor Pocken für Erwachsene zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde in Den Haag hatte sich am Freitag dafür ausgesprochen, die Zulassung auf Affenpocken auszuweiten.

Die EU hat bereits zwei Verträge über insgesamt 163.620 Dosen des Impfstoffs abgeschlossen, denn die Anzahl an Infektionen stieg in den vergangenen Wochen an. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides äußerte sich angesichts der schnellen Ausbreitung in der EU besorgt.

"Notlage von nationaler Tragweite"

Die WHO erklärte den Affenpocken-Ausbruch am Wochenende zu einer "Notlage von internationaler Tragweite". WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus nannte die Zahl von mehr als 16.000 bestätigten Fällen in mehr als 70 Ländern. Nach RKI-Angaben sind bis heute 2352 Affenpockenfälle in Deutschland registriert.