EIn russischer Panzer fährt an einem Militärdenkmal in Armjansk vorbei. | REUTERS
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Kampagne in Russland Wie populär ist das Z-Symbol?

Stand: 08.03.2022 12:27 Uhr

Der Buchstabe Z steht auf russischen Militärfahrzeugen und Panzern, die in der Ukraine angreifen. Nun taucht das Z auch in Russland auf, um Unterstützung zu demonstrieren. Doch wie populär ist das Symbol?

Von Patrick Gensing, Redaktion ARD-faktenfinder

Das russische Militär hat bei dem Angriff auf die Ukraine ihre Fahrzeuge, Panzer und Spezialgeräte mit einem großen Z gekennzeichnet.

Wofür das Z genau steht, ist unklar. Es gibt verschiedene Deutungen. So hatten Beobachter zunächst spekuliert, das Z sei eigentlich eine Zahl - nämlich die 2, die für den 22. Februar (22/02/2022) stehe. An diesem Tag ratifizierte Russland ein Abkommen über "Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand" mit den selbsternannten "Volksrepubliken" im Osten der Ukraine - Donezk und Luhansk.

Russische Soldaten auf einem gepanzerten Mannschaftstransporter BTR-80 bewegen sich auf der Straße bei Armjansk auf der Krim in Richtung ukrainisches Festland. | EPA

Russische Soldaten auf einem gepanzerten Mannschaftstransporter - vorne ist das Z zu sehen. Bild: EPA

Schutz vor Beschuss aus den eigenen Reihen

Es kursieren verschiedene andere Interpretationen. Klar ist aber, dass das Symbol eine Möglichkeit für das russische Militär ist, seine eigenen Streitkräfte zu identifizieren - und Panzer sowie Fahrzeuge gegen "Friendly Fire" - so der verharmlosende Begriff für versehentlichen Beschuss aus den eigenen Reihen - zu schützen.

Das staatlich kontrollierte russische Fernsehen berichtete, das Z sei eine übliche Kennzeichnung für russische Militärausrüstung.

Das Z taucht in Russland auf

Die Kennzeichnung erleichtert für Medien die Verifikation von Bildmaterial, das russisches Kriegsgerät zeigt. Mittlerweile sind aber auch zahlreiche Videos und Fotos aus Russland aufgetaucht, die das Z als Symbol auf T-Shirts, Autos oder als Graffiti zeigen. Auf Fotos ist zu sehen, wie Menschengruppen vor einem Krankenhaus ein Z bilden - oder auch Fahrzeuge in Z-Formation auftauchen. Auch sogenannte Memes (Grafiken oder Bilder für Soziale Medien) werden verbreitet. Ein russischer Sportler trug das Z auf seinem Trikot.

Der Eindruck, der hier vermittelt wird: Die russische Bevölkerung zeige massenhaft ihre Unterstützung für die "Spezialoperation" - von Krieg ist in Russland offiziell weiterhin nicht die Rede. Die Botschaft hinter den Bilder und Videos: Das Z sei zu einem populären Symbol geworden.

Screenshot von Twitter | Twitter

Martialische Fotos sollen die Unterstützung für die "Spezialoperation" beweisen. Bild: Twitter

Bilder, die Fragen aufwerfen

Doch die Bilder werfen Fragen auf: So wirken verschiedene Aufnahmen orchestriert, wie unter anderem der Experte Ian Garner anmerkt. Eine ganze Reihe von blank polierten SUVs, die neben einer russischen Flagge ein Z bilden, seien beispielsweise auffällig, so Garner, der Propaganda analysiert.

Diverse Fachleute sehen in den Fotos und Videos eine gezielte Kampagne des Kreml, um organisierte Unterstützung als eine Art Graswurzelbewegung zu tarnen. Im Englischen steht dafür der Begriff "Astroturfing" als ein Stilmittel der Desinformation.

Um das Z sichtbar zu machen, präsentieren auch Moderatoren und Propagandisten des staatlichen russischen Fernsehens den Buchstaben demonstrativ. Große Gebäude, darunter regionale Verwaltungen, werden so beleuchtet, das sie ein Z zeigen.

Screenshot von Twitter | Twitter

Der Propagandist Vladimir Solovyov zeigt das Z auf seinem Rechner. Bild: Twitter

Widersprüche in der Propaganda

ARD-Reporter Vassili Golod - der in Russland war, um sich ein Bild über die aktuellen Entwicklungen zu machen, sagt im Gespräch mit tagesschau.de, er könne aus Gesprächen mit Menschen im Land nicht erkennen, dass das Symbol von großen Teilen der Bevölkerung getragen werde. Es handelt sich seiner Einschätzung nach eindeutig um einen Versuch der staatlichen Propaganda, Zustimmung zu inszenieren.

Dabei hat Russland zwei Probleme: Einerseits ist weiterhin gar nicht von einem Krieg die Rede - sodass es unklar erscheint, warum eine angeblich begrenzte "Spezialoperation" so großer Unterstützung bedürfe. Zum anderen zensiert Putins Regime die Sozialen Medien massiv, sodass es nicht plausibel erscheint, dass eine breite Graswurzelbewegung entsteht.

Aber das sei ein grundsätzliches Problem der Kreml-Strategie, betont Golod. Putin agiere wie im Kriegsfall, den es seiner Behauptung nach aber gar nicht gibt.

Inwieweit das Z als Symbol tatsächlich populär ist in Russland, lässt sich wegen der Zensur kaum noch vor Ort überprüfen - doch viele Indizien sprechen dafür, dass es sich um eine staatliche Propaganda-Kampagne handelt.

Über dieses Thema berichteten die ARD am 05. März 2022 um 20:15 Uhr in einem "Brennpunkt" und MDR aktuell am 08. März 2022 um 14:22 Uhr