Ein Mann kontrolliert die Zeiger einer Kirchturmuhr in Sachsen | Bildquelle: dpa

EU-Vorschlag zur Zeitumstellung 2019 zum letzten Mal

Stand: 14.09.2018 17:02 Uhr

Am 31. März 2019 wird in der EU zum letzten Mal auf Sommerzeit umgestellt. Das sieht der Plan der Kommission vor. Wird am 27. Oktober dann auch letztmals auf Winterzeit zurückgestellt? Da wird es kompliziert.

Die Zeitumstellung in der EU soll abgeschafft werden - und zwar im kommenden Jahr. Das sieht der Plan vor, den die EU-Kommission jetzt vorgestellt hat.

Sofern die EU-Regierungen und das Europaparlament diesem Plan zustimmen, werden am 31. März 2019 die Uhren in allen EU-Staaten das letzte Mal verpflichtend auf die Sommerzeit umgestellt. Am 27. Oktober 2019 kann ein Land dann noch einmal auf die oft "Winterzeit" genannte Normalzeit umstellen - muss es aber nicht.

EU will Flickenteppich vermeiden

"Die Entscheidung, ob ein Land dauerhaft in der Sommer- oder Winterzeit bleibt, liegt bei den Mitgliedsstaaten", sagte die zuständige Verkehrskommissarin Violeta Bulc. Sie forderte aber insbesondere Nachbarstaaten auf, sich in der Frage abzustimmen und eine "gute Lösung" zu finden. Denn einen regelrechten Flickenteppich bei den Zeitzonen innerhalb der EU will die Kommission unbedingt vermeiden.

Zeitzonen in der EU

Derzeit gibt es drei Zeitzonen in der EU. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht dieselbe Zeit. Acht Länder - unter ihnen Bulgarien, Finnland und Griechenland - sind eine Stunde voraus. Drei Staaten - Großbritannien, Irland und Portugal - sind eine Stunde zurück.

Und wie entscheidet sich Deutschland?

Die endgültige Entscheidung soll nun rasch fallen: Das EU-Parlament und die Mitgliedsländer sollen bis Ende des Jahres ihre Stellungnahmen abgeben, sagte Bulc. Bis April 2019 müssten sich die Staaten dann festlegen, ob sie dauerhaft bei der Sommer- oder Winterzeit bleiben wollen. Bulc zufolge haben bisher erst einige Mitgliedstaaten Stellung genommen.

Die deutsche Regierung - hier ist das Wirtschaftsministerium zuständig - hat sich nach Angaben einer Sprecherin noch nicht festgelegt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier ließ aber eine Präferenz für die dauerhafte Sommerzeit erkennen. Im MDR verwies er auf die Online-Befragung der EU-Kommission: "Wir haben in Deutschland eine große Mehrheit an Einsendungen festgestellt, dass es die Sommerzeit geben soll. Der Vorschlag ist gut und so sollte er umgesetzt werden."

Dass die Zeitumstellung überhaupt abgeschafft werden soll, hängt mit eben dieser Online-Umfrage zusammen, die die EU-Kommission gestartet hatte. Die Mehrheit der Teilnehmer - von denen die meisten aus Deutschland kamen - sprachen sich für ein Ende der Umstellung aus. Kritiker halten diese Umfrage allerdings für nicht repräsentativ, weil sie nicht einmal ein Prozent aller EU-Bürger widerspiegele.

Nicht um jede Kleinigkeit kümmern

EU-Verkehrskommissarin Bulc | Bildquelle: AFP
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EU-Verkehrskommissarin Bulc bei der Vorstellung der Pläne für ein Ende der Zeitumstellung

Der EU-Kommission geht es aber auch darum, die Kritik zu entschärfen, wonach Brüssel alles regeln wolle. "Wir wollen zeigen, dass wir uns nicht um jede Kleinigkeit, sondern nur um die großen Dinge kümmern", sagte Energiekommissar Maros Sefcovic. Dieser Gesetzesvorschlag über die Abschaffung der Zeitumstellung beweise, dass die Kommission Wort halte.

Verkehrskommissarin Bulc erinnerte an die Gründe, weshalb die Zeitumstellung einst eingeführt wurde: In einigen Ländern bereits im Ersten oder Zweiten Weltkrieg, um Energie zu sparen. In den meisten EU-Staaten wegen der Ölkrise in den 1970er-Jahren. All diese Gründe existierten heute aber nicht mehr, so Bulc.

LED-Lampen bringen mehr als die Sommerzeit

Darüber hinaus hätten jüngste Studien belegt, dass die Energieeinsparungen durch die Zeitumstellung heutzutage recht gering sei, sagte Energiekommissar Sefcovic. Aktuelle Projekte, mit denen mehr Energieeffizienz in Europa erreicht werden sollen, seien deutlich erfolgreicher: zum Beispiel energiesparende Straßenbeleuchtung mit LED oder Gebäude, die so gebaut und ausgestattet sind, dass sie deutlich weniger Energie benötigen. Diese "smarten" Lösungen brächten viel mehr Einsparungen als die Zeitumstellung, erkläre der Energiekommissar.

Mit Informationen von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Zeitumstellung: Im Okt 2019 soll zum letzten Mal die Uhr umgestellt werden
Karin Bensch, WDR Brüssel
14.09.2018 14:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. September 2018 um 16:45 Uhr.

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