Sicherheitskräfte in der US-Stadt Kenosha | AFP

Auseinandersetzungen in Wisconsin Proteste, zwei Tote - und viele Fragen

Stand: 26.08.2020 19:41 Uhr

Nach den tödlichen Auseinandersetzungen bei Protesten gegen Polizeigewalt in Kenosha ist unklar, wer die Schüsse abgab und wer die Opfer sind. US-Präsident Trump will die Nationalgarde entsenden.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Zwei Menschen tot, einer mit Schussverletzungen im Krankenhaus: Nach zunächst friedlichen Demonstrationen eskalieren die Proteste gegen Polizeigewalt in Kenosha. Wütende Demonstranten ziehen nach Einbruch der Dunkelheit durch die Straßen und werfen mit Steinen und Feuerwerkskörpern. Die Polizei reagiert mit Tränengas.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

In einem Vorort nehmen offenbar Anwohner die Sache selbst in die Hand. Ein Video in den sozialen Netzwerken zeigt Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und bewaffneten Männern, die Geschäfte schützen wollen. Es fallen Schüsse, auf dem Video sieht man, wie ein Mann mit einem Gewehr wegrennt. Noch weiß man weder, wer geschossen hat, noch, wer die Opfer sind.

Der Sheriff von Kenosha County, David Beth, leitet die Ermittlungen. Er spricht von militia - Bürgermiliz. Bakari Sellers, Bürgerrechtler und Politiker aus South Carolina, bestätigt dies auf CNN: "Das sind keine Gegendemonstranten", sagt er. "Das sind Menschen, die ihr Land zurückhaben wollen. Sie tauchen dort auf mit Gewehren, um die örtliche Tankstelle zu beschützen. Und dann kommt es zu Vorfällen wie diesen."

Auslöser: Schüsse auf 29-jährigen Familienvater

Auslöser für die Proteste waren Schüsse eines Polizeibeamten auf den Afroamerikaner Jacob Blake. Warum der Polizist dem 29-jährigen Familienvater mehrmals aus kurzer Distanz in den Rücken schoss, ist nicht klar. Blake hatte zuvor einen Streit zwischen Frauen schlichten wollen, es kam zu einem Handgemenge mit der Polizei, und als Blake in sein Auto steigen wollten, fielen die Schüsse. Drei seiner Kinder, die im Wagen saßen, wurden Zeugen des Vorfalls.

Seine Familie distanziert sich von der Gewalt, die der Fall auslöste. Ihr Anwalt Patrik Salvi sagte auf CNN, es sei sehr bedauernswert und sie wollten jegliche weitere Gewalt verhindern. Er sagte auch, dass Blake durch die Rückenverletzungen vermutlich gelähmt bleibe.

Proteste ab Freitag geplant

Schon werden Mahnungen vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Land laut. US-Präsident Donald Trump kündigte auf Twitter an, die Nationalgarde nach Kenosha zu entsenden.

Zuvor hatte sich auch der ehemalige Polizeichef von Washington D.C., Charles Ramsey, dafür ausgesprochen, die Präsenz der Nationalgarde in der Stadt zu erhöhen. Sonst gebe es noch mehr Vorfälle dieser Art. Er hoffe, dass sich die Unruhen nicht über Kenosha hinaus ausbreite.

Seit dem Tod von George Floyd bei einer Polizeikontrolle kommt es in den USA immer wieder zu Protesten gegen Polizeigewalt. Die meisten davon sind jedoch friedlich. Für Freitag - zum Jahrestag der schwarzen Bürgerrechtsbewegung - planen "Black Lives Matter"-Aktivisten einen Marsch auf Washington, um für mehr soziale Gerechtigkeit zu demonstrieren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. August 2020 um 18:09 Uhr.