Papst Franziskus betet mit gesenktem Kopf während der Christmette im Jahr 2021. | dpa

Papst feiert Christmette in Rom "Die kleinen Dinge des Lebens schätzen"

Stand: 25.12.2021 06:51 Uhr

Das zweite Jahr hat Papst Franziskus die Christmette im Petersdom unter Corona-Bedingungen gefeiert. Er rief die Menschen zu Bescheidenheit auf - und dazu, den Blick auf die einfachen Gesten des Alltags zu richten.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Mit Abstand zueinander und mit Maske stehen die Gläubigen im Petersdom, als Papst Franziskus einzieht. Zum zweiten Mal feiert er die Geburt Christi unter Corona-Bedingungen. Doch während im vergangenen Jahr nur wenige Gläubige teilnehmen konnten, sind dieses Mal etwa 2000 Männer, Frauen und Kinder in der festlich geschmückten Basilika.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Gemeinsam mit Franziskus zelebrieren auch Kardinäle und Bischöfe der römischen Kurie. Es ist das neunte Weihnachtsfest des 85-Jährigen als Kirchenoberhaupt. In seiner Predigt erinnert er daran, dass das Zeichen von Weihnachten ein Kind sei - ein Kind in der unwirtlichen Armut einer Krippe.

Das ist die Botschaft: Gott kommt nicht hoch erhaben daher, sondern er begibt sich hinab in das Kleine. Die Kleinheit ist der Weg, den er gewählt hat, um zu uns zu gelangen, um unsere Herzen zu berühren, um uns zu retten und uns zu dem zurückzubringen, was zählt.

Franziskus mahnt Abkehr von der Gier an

Es sei die große Herausforderung an Weihnachten, diese Kleinheit zu erkennen. Gerade in den einfachen Gesten des Alltags könne man Gott annehmen und erkennen. Franziskus ruft die Menschen zu Bescheidenheit auf. Man solle nicht nur nach Erfolg streben, sondern demütig sein. "Jesus lädt uns ein, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen und neu zu entdecken", sagte Franziskus weiter:

Wenn er dort mit uns ist, was fehlt uns dann? Weinen wir also nicht der Größe nach, die wir nicht haben. Hören wir auf, zu jammern und lange Gesichter zu machen, und lassen wir ab von der Gier, die uns immer unbefriedigt lässt.

Fokus auf ärmere, arbeitende Bevölkerung

Kleinheit anzunehmen, bedeute auch, die Armen zu ehren. Jesus habe sich mit den Bedürftigen identifiziert. Indem man sich um sie kümmere, erweise man Jesus seine Liebe. In seiner Ansprache hob der Papst besonders die arme, arbeitende Bevölkerung hervor. Die Hirten an der Krippe stünden für sie, sie seien die einfachsten Menschen gewesen.

Und Jesus kommt dort zur Welt, in ihrer Nähe, in der Nähe der Vergessenen der Peripherien. Er kommt dorthin, wo die Menschenwürde auf die Probe gestellt wird. Er kommt, um die Ausgeschlossenen zu adeln, und offenbart sich vor allem ihnen: Nicht den gebildeten und bedeutenden Menschen, sondern der armen, arbeitenden Bevölkerung."  

Gott sei also auch in die Welt gekommen, um die Härte der Arbeit mit Würde zu erfüllen. Franziskus mahnt dabei an, sich für ein Ende von Todesfällen bei der Arbeit einzusetzen.

Hunderte verfolgen Christmette auf Petersplatz

Die Christmette, die der Papst dieses Jahr erneut früher als sonst begeht, feiern auf dem Petersplatz auch einige Hundert Menschen mit. Sie können den Gottesdienst auf Großbildschirmen verfolgen. Vor dem Schlussgebet gedenken die Gläubigen der Geburt Jesu mit dem Lied "Stille Nacht, Heilige Nacht".

Den traditionellen Segen "Urbi et Orbi", also "der Stadt und dem Erdkreis", wird der Papst am Samstagmittag spenden - in diesem Jahr wie üblich von der Loggia der vatikanischen Basilika.

Über dieses Thema berichteten am 25. Dezember 2021 Deutschlandfunk um 07:53 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.