In Kabul zählen Mitglieder der Wahlkommission die Stimmen nach der Präsidentenwahl. | Bildquelle: REUTERS

Präsidentenwahl Afghanistan Geringe Wahlbeteiligung nach Drohungen

Stand: 28.09.2019 18:47 Uhr

Die Präsidentschaftswahl in Afghanistan ist von Gewalt überschattet worden. Auch wenn die geringer ausfiel als befürchtet, scheinen die Taliban ihr Ziel erreicht zu haben: Die Wahlbeteiligung war gering.

Afghanistan hat einen neuen Präsidenten gewählt, und in einigen Wahllokalen haben die Taliban ihre Drohungen wahrgemacht: Es gab mehrere Explosionen im Land. Im Osten, in Nangahar, explodierte eine Mine. In der Provinzhauptstadt Kundus wurde ein Wahlbeobachter getötet, als eine Rakete einschlug.

Im Süden des Landes, in Kandahar, explodierte in einer Moschee eine Bombe, die in einem Lautsprecher versteckt war. Insgesamt jedoch war die Gewalt weniger intensiv als befürchtet, nach derzeitigem Stand starben drei Menschen, 44 wurden verletzt.

Taliban wollten vor allem einschüchtern

Dem Afghanistan-Experten von der Kabuler Denkfabrik Afghanistan Analysts Network zufolge gab es deutlich weniger Opfer als bei früheren Wahlen aber mehr Zwischenfälle. Die Taliban hätten fast jedes zehnte Bezirkszentrum angegriffen, wohl mehr um abzuschrecken als zu zerstören.

Aber ihre Abschreckungsstrategie mit Drohungen direkt an die Wähler habe funktioniert. "Zusammen mit Frustration über die gegenwärtige Regierung und ihre beiden Spitzen, Präsident Ashraf Ghani und Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah, sorgte dies für eine sehr niedrige Wahlbeteiligung - wahrscheinlich die niedrigste seit 2001", sagte Ruttig.

Geringe Wahlbeteiligung bei Präsidentenwahl in Afghanistan
tagesthemen 23:25 Uhr, 28.09.2019, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Wieder Unregelmäßigkeiten

Anders als bei der chaotisch verlaufenen Parlamentswahl im Oktober des Vorjahres öffneten die Wahllokale praktisch pünktlich, kam das Wahlpersonal in die Wahllokale und die Wahlmaterialien waren vorhanden. Nach Berichten unabhängiger afghanischer Wahlbeobachter allerdings konnten vielerorts Wähler ihre Stimme nicht abgeben, weil sie ihren Namen nicht auf den Wählerlisten finden konnten. 

Massives Sicherheitsaufgebot

Mehr als 70.000 Polizisten und Soldaten waren im Einsatz, weitere 30.000 in Bereitschaft, um die Wahlen abzusichern. Vor allem Frauen, die von den Taliban besonders bedroht wurden, sollten so ermutigt werden, trotzdem ihre Stimme abzugeben. Maryam Ghulami aus Herat sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Ich möchte, dass unser zukünftiger Präsident sich vor allem um die Rechte der Frauen hier im Land kümmert und natürlich auch um Frieden und Sicherheit."

Das waren auch die wichtigsten Themen im Wahlkampf. Der amtierende Präsident Ashraf Ghani trat erneut zur Wahl an und galt auch als einer der Favoriten. Als Ghani seine Stimme abgab, sagte er. "Frieden schaffen, ist das Wichtigste für unsere Nation. Und diese Wahlen schaffen die Grundlage dafür."

Wahl Afghanistan Ghani gibt Stimme ab | Bildquelle: JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX
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Der amtierende Präsident Ashraf Ghani bei der Stimmabgabe. Er galt als Favorit.

Wahl Afghanistan Stimmabgabe Abdullah | Bildquelle: AP
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Galt als aussichtsreichster Herausforderer: Regierungschef Abdullah Abdullah.

Das sehen nicht alle so im Land. Politikexperten wie Ahmad Saeedi hätten die Wahlen am liebsten ein weiteres Mal verschoben. "Wir wollen natürlich eine Demokratie in unserem Land, aber dafür brauchen wir Frieden, damit wir nicht Angst haben müssen, bei der Stimmabgabe umgebracht zu werden. Wir wollen eine Demokratie für die Lebenden, nicht für die Gräber."

Mögliche Stichwahl Ende November

Erste vorläufige Resultate sollen am 19. Oktober veröffentlicht werden, die offiziellen am 7. November. Erhält kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang, geht es in eine Stichwahl der beiden bestplatzierten Kandidaten, voraussichtlich Ende November. 

Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Wahltag in Afghanistan
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
28.09.2019 11:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 28. September 2019 um 12:07 Uhr.

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