Untersuchungen an dem Wrack auf dem Victoriasee | Bildquelle: AFP

Victoriasee in Tansania Festnahmen nach Fährunglück mit vielen Toten

Stand: 22.09.2018 13:40 Uhr

Nach dem Tod von fast 200 Menschen bei einem Fährunglück im Victoriasee hat sich heraus gestellt, dass der Kapitän gar nicht an Bord war. Tansanias Präsident Magufuli ordnete Festnahmen an.

Nach einem schweren Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania mit fast 200 Toten und zahlreichen Vermissten hat Präsident John Magufuli die Festnahme der Verantwortlichen angeordnet. Als erster wurde nach einem Bericht der Zeitung "The Citizen" der Kapitän der Unglücksfähre in Gewahrsam genommen, der sich nach Angaben des Staatschefs zum Zeitpunkt des Kenterns nicht an Bord befunden hatte. Er habe das Ruder jemandem überlassen, der für das Führen eines Schiffes keine Ausbildung habe.

Als Hauptgrund für das Unglück nannte Magufuli Überladung der Fähre. Das brechend volle Schiff "MV Nyerere" war gestern auf dem größten See Afrikas von Bugolora auf der Insel Ukerewe zur Nachbarinsel Ukara unterwegs.

196 Tote geborgen

Die Fähre sei nur wenige Meter von der Anlegestelle entfernt gekentert, hieß es von der Behörde, die für die Fähren in Tansania zuständig ist. Mittlerweile wurden nach Angaben von Verkehrsminister Isack Kamwelwe bereits 196 Leichen geborgen. Die Zahl der Toten dürfte aber noch steigen.

Nach ersten Schätzungen waren mehr als 300 Menschen an Bord, die exakte Zahl war aber zunächst nicht bekannt. Rund 100 Menschen wurden gerettet. Um der Opfer zu gedenken, ordnete Magufuli eine viertägige Staatstrauer an.

Kieloben vor dem Ufer

Die Rettungsarbeiten an der Fähre, die kieloben vor dem Ufer trieb, wurden von professionellen Tauchern unterstützt. Sie waren am Vormittag aus der Hafenstadt Daressalam sowie der Nachbarregion Mara am Victoriasee eingetroffen, wie John Mongella, der Regierungsvertreter in der Region Mwanza, sagte.

Die Fähre wurde 2014 in Auftrag gegeben und erst vor zwei Monaten renoviert, sagte Regierungssprecher Hassan Abbas. Unter anderem seien zwei neue Motoren eingebaut worden.

Retter bei der gekenterten Fähre auf dem Victoria-See
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Rettungsarbeiten auf dem Victoriasee. Nach ersten Schätzungen waren mehr als 300 Menschen an Bord.

Kanzlerin Merkel kondoliert

Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb an Magufuli: "Ich möchte Ihnen und den Bürgerinnen und Bürgern Tansanias meine aufrichtige Anteilnahme und mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken."

Auch Papst Franziskus äußerte sich zutiefst traurig über die Katastrophe auf dem Victoriasee. Er drücke seine aufrichtige Solidarität mit denjenigen aus, die um ihre Liebsten trauern und um die noch vermissten Menschen bangen, teilte der Vatikan mit. UN-Generalsekretär António Guterres sprach den Angehörigen der Opfer, der Regierung und den Bürgern des Landes sein Beileid aus.

Der Victoriasee liegt in Tansania, Uganda und Kenia. Tödliche Unfälle kommen auf dem See sowie vor der Küste immer wieder vor. Oft sind Boote und Fähren überfüllt, außerdem können Unwetter zu derartigen Unglücken führen. 2012 etwa war eine Fähre auf dem Weg vom Festland Tansanias zur Tropeninsel Sansibar gesunken, dabei ertranken mindestens 100 Menschen. Im Vorjahr waren mehr als 160 Menschen bei einem Fährunglück vor der Küste von Sansibar gestorben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. September 2018 um 10:15 Uhr.

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