Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte dieses Foto des Raketenstarts auf der Insel San Nicolas vor der Küste Kaliforniens. | Bildquelle: AFP

Nach Ende des INF-Abkommens USA testen Marschflugkörper

Stand: 19.08.2019 19:54 Uhr

Erstmals nach dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags hat das US-amerikanische Militär einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet. Das Pentagon kündigte weitere Raketenversuche an.

Die USA haben den ersten Test eines landgestützten Marschflugkörpers seit dem Rückzug aus dem INF-Abrüstungsvertrag bekanntgegeben. Die Rakete habe am Sonntag in Kalifornien nach einem Flug von mehr als 500 Kilometern ihr Ziel getroffen, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Zu dem Test erklärte das Pentagon zwar, es habe sich um eine "konventionell konfigurierte" Rakete gehandelt. Allerdings können derartige Raketen schnell mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden. Die Daten und Erfahrungen aus dem Test sollten nun für die Entwicklung künftiger "Mittelstreckenkapazitäten" verwendet werden.

INF-Abkommen untersagte Raketentests

Der Test wäre nach dem INF-Vertrag verboten gewesen. Das Abkommen untersagte beiden Seiten Produktion, Tests und Besitz von bodengestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern. Seegestützte Flugkörper dieser Reichweite - zum Beispiel auf Lenkwaffenzerstörern und Unterseebooten - waren hingegen erlaubt. So ist es auch zu erklären, dass die USA so schnell nach Ende des Vertrags einen Flugkörper testen konnten. Er ähnelt sehr wahrscheinlich bisher seegestützten Raketen.

Die USA hatten den Vertrag Anfang Februar zum 2. August gekündigt. Die US-Regierung behauptet, dass die russische SSC-8 (Russisch: 9M729) die INF-Richtlinien verletze. Angeblich hat das russische Raketensystem von mehr als 2000 Kilometern. Russland bestreitet dies.

Kritiker in den USA und in Russland behaupten hingegen, dass die US-Regierung nur einen Vorwand suchte, um den INF-Vertrag kündigen zu können. Dies habe viel weniger mit Russland als mit Nationen wie China, Indien und Iran zu tun, die nicht an den INF-Vertrag gebunden sind und in den vergangenen Jahren Mittelstreckenraketen entwickelt haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. August 2019 um 20:00 Uhr.

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