Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro | Bildquelle: REUTERS

Anklage gegen Venezuelas Präsident USA setzen Kopfgeld auf Maduro aus

Stand: 26.03.2020 19:38 Uhr

Dass ein Staat Anklage gegen den Staatschef eines anderen Landes erhebt, ist extrem selten. Die USA haben das jetzt im Fall des venezolanischen Präsidenten Maduro getan. Maduro soll ein Drogen-Kartell angeführt haben.

Die USA haben wegen "Drogen-Terrorismus" Anklage gegen Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro erhoben und ein Kopfgeld von 15 Millionen Dollar ausgesetzt. US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, die Belohnung werde für Hinweise gezahlt, die zur Ergreifung des linksnationalistischen Präsidenten führten.

US-Justizminister Bill Barr verkündete zeitgleich eine Anklage gegen Maduro wegen "Drogen-Terrorismus". "Das venezolanische Regime ist in Kriminalität und Korruption verstrickt", sagte Barr.

"Maduro hat Kokain als Waffe eingesetzt"

Maduro und weiteren Angeklagten wird von der US-Justiz zur Last gelegt, seit mindestens 1999 einen Drogenhändlerring mit dem Namen "Kartell der Sonnen" anzuführen. Der Name soll ein Verweis auf Sonnen-Symbole auf den Uniformen hochrangiger venezolanischer Militärs sein. 

Den Ermittlungen zufolge - die nach US-Angeben bereits seit Jahren laufen - arbeitet die Regierung in Caracas mit Dissidenten der früheren kolumbianischen Rebellenorganisation Farc zusammen, um Kokain in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. US-Staatsanwalt Geoffrey Berman erklärte, Maduro habe die USA mit Kokain "überschwemmen" wollen, um Gesundheit und Wohlergehen der Vereinigten Staaten zu schaden. "Maduro hat Kokain sehr bewusst als Waffe eingesetzt."

Maduro kann noch immer auf Militär zählen

Die US-Regierung gehört zu den erbittertesten Gegnern Maduros. Sie erkannte Oppositionsführer Juan Guaidó Anfang 2019 als legitimen Interimspräsidenten an. Seither fordert sie einen Machtwechsel. Guaidó kann sich in Venezuela bislang aber nicht durchsetzen.

"Maduro steht für Drogenhandel, Maduro steht für organisiertes Verbrechen", sagte Guaidós Außenbeauftragter Julio Borges. Er rief die Streitkräfte dazu auf, die Seiten zu wechseln und die Opposition zu unterstützen. Inzwischen reagierte auch Maduro. Er warf den USA und Kolumbien vor, "Anordnungen zu geben, um Venezuela mit Gewalt zu fluten".

Bislang kann Maduro noch auf den Rückhalt des mächtigen Militärs setzen. Mit der Anklage hofft die US-Justiz nun, ihn bei einer Auslandsreise festnehmen und dann in den USA vor Gericht stellen zu können. Eine Anklage gegen einem amtierenden Staatschef ist äußerst ungewöhnlich. In den 1980er-Jahren waren die USA in ähnlicher Weise gegen Panamas De-facto-Staatschef Manuel Noriega vorgegangen.

USA setzen 15 Millionen Dollar auf Venezuelas Präsident Maduro aus
Torsten Teichmann, ARD Washington
26.03.2020 20:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. März 2020 um 22:23 Uhr.

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