Nach der Ankunft in Vilshofen überklebt eine Frau ihr DDR-Kennzeichen. | Bildquelle: imago images / epd

Vor 30 Jahren Das Ende des Eisernen Vorhangs

Stand: 11.09.2019 14:18 Uhr

Vor 30 Jahren ließ die ungarische Regierung alle DDR-Bürger nach Österreich ausreisen. Der Eiserne Vorhang war damit Geschichte. Helmut Kohl verfolgte ein ganz eigenes Kalkül.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Am Abend des 10. September hält der ungarische Außenminister Gyula Horn eine Fernsehansprache. Vor Hunderten DDR-Flüchtlingen in Budapest übersetzt die damalige Chefin der Malteser, Csilla von Boeselager, was der sozialistische Reformpolitiker sagt: "Bürger der DDR können das Land verlassen." Jubel brandet auf.

Das ist das Ende des Eisernen Vorhangs

Die Menschen brechen sofort auf und machen sich auf den Weg zur Grenze nach Österreich, die Grenzanlagen werden da schon schrittweise abgebaut. Beim Paneuropäischen Picknick im August waren bereits fast 700 DDR-Bürger in den Westen geflohen. Nun ist die Grenze und damit auch der Eiserne Vorgang ganz offen. Es ist die Nachricht des Tages. In der Tagesschau sagt ein DDR-Bürger: "Wahnsinn! Man hat da ewig drauf gewartet. Man kann das einfach nicht beschreiben. Unbegreiflich. Emotional und ... irgendwo Freude!"

tagesschau vor 20 Jahren
11. September 1989

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Mehrere Hundert Ostdeutsche überqueren die Grenze nach Österreich und dann weiter nach Bayern, wo sie in Aufnahmelagern registriert werden. "Ganz ganz großer Dank an das ungarische Volk und die ungarische Regierung", sagt einer der dort Untergebrachten.

Heikle Entscheidung der ungarischen Regierung

Für die ungarische Regierung von Miklos Nemeth ist die Entscheidung heikel. Schließlich sind damals sowjetische Soldaten im Land stationiert. Aber auch Zehntausende DDR-Bürger sind bereits seit Wochen in Ungarn und warten auf eine Möglichkeit auszureisen. Der damalige ungarische Innenminister Istvan Horvath erinnert sich an das Ultimatum Ungarns an die DDR-Regierung. "Wenn sie keine Lösung finden, dann gehen wir einseitig vor und sorgen mit BRD-Hilfe dafür, dass sie aus Ungarn ausreisen."

Die BRD-Hilfe war zuvor bei mehreren konspirativen Treffen auf Schloss Gymnich bei Bonn besiegelt worden. Mit einer halben Milliarde Mark, die später ausgezahlt wird, macht die Regierung Kohl den Ungarn die Entscheidung leichter. Die DDR-Führung tobt, lässt im Staatsfernsehen verlautbaren: "Dabei handelt es sich um eine direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Deutschen Demokratischen Republik. Unter dem Vorwand humanitärer Erwägungen wird organisierter Menschenhandel betrieben."

DDR-Bürger, die über Ungarn nach Westdeutschland eingereist sind, zeigen freudig ihre neuen Pässe. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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DDR-Bürger, die über Ungarn nach Westdeutschland eingereist sind, zeigen freudig ihre neuen Pässe.

Kohls Kalkül

Weil Moskau die Ungarn aber schließlich gewähren lässt, bleibt die Kritik aus Ost-Berlin folgenlos. Die Grenze wird in der Nacht vom 10. auf den 11. September geöffnet. Das Datum ist nicht zufällig gewählt - sondern eine strategische Entscheidung des damaligen Kanzleramtschefs Horst Teltschik, sagt der ungarische ex Ministerpräsident Miklos Nemeth.

"Als Teltschik und ich uns auf dieses Datum einigten, wusste ich nicht, dass auf dem CDU-Parteitag in Bremen eine Art Putsch geplant war. Warum wollten sie also diesen Termin? Weil sie wussten - Kohl würde die Nachricht verkünden und die Putschisten würden befriedigt."

Die Rechnung geht auf: Kohl wird als Parteichef bestätigt. Wenige Wochen später fällt die Mauer, ein Jahr später ist die DDR Geschichte und Deutschland wiedervereinigt.

 

30 Jahre Grenzöffnung: „Ewig drauf gewartet“
Srdjan Govedarica, ARD Wien
11.09.2019 13:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2019 um 06:20 Uhr.

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