Das beschädigte Stahl- und Eisenwerk Illich in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol | REUTERS

Russische Offensive in Mariupol Offenbar auch viele Zivilisten im Stahlwerk

Stand: 18.04.2022 04:30 Uhr

Im umkämpften Stahlwerk der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sollen Behörden zufolge auch viele Zivilisten sein. Sie hielten sich dort vor den russischen Soldaten versteckt, teilte die örtliche Polizei mit.

Auf dem umkämpften Gelände des Stahlwerks Asowstal in Mariupol befinden sich nach Angaben örtlicher Behörden neben ukrainischen Truppen auch zahlreiche Zivilisten. Die Menschen hätten sich dort vor Beschuss während der wochenlangem Belagerung der Stadt durch das russische Militär versteckt, sagte der Chef der Streifenpolizei von Mariupol, Michajlo Werschinin.

"Sie trauen den Russen nicht. Sie sehen, was in der Stadt vor sich geht, und bleiben deswegen auf dem Werksgelände", so Werschinin. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

In dem riesigen Stahlwerk, zu dem auch unterirdische Anlagen gehören, sollen sich mehrere Tausend ukrainische Verteidiger der Stadt verschanzt haben. Große Teile von Mariupol befinden sich inzwischen unter Kontrolle des russischen Militärs.

Ultimatum Russlands abgelaufen

Ein Ultimatum Russlands an ukrainische Soldaten und Kämpfer im Stahlwerk war am Sonntagmittag abgelaufen. Angesichts ihrer "katastrophalen Situation" hatte Russland die Kapitulation gefordert. "Wir garantieren, dass das Leben all derer, die ihre Waffen niederlegen, verschont wird", zitierte die Nachrichtenagentur Tass den russischen Generaloberst Michail Mizintsev. Wenn die Gegenwehr anhalte, würden "sie alle vernichtet".

Nachdem das Ultimatum verstrichen war, setzte Russland seine Angriffe auf Mariupol fort. Der ukrainische Generalstab berichtete am Abend von russischen Raketen- und Bombenangriffen. Dabei kämen auch Überschallbomber vom Typ Tu-22M3 zum Einsatz. Man vermute zudem, dass sich russische Einheiten auf eine Marineoperation zur Landung in Mariupol vorbereiten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Moskau mit einem Ende der Friedensverhandlungen gedroht, falls die ukrainischen Soldaten in Mariupol getötet werden sollten.

Tausende tote Zivilisten befürchtet

In Mariupol hielten sich noch rund 100.000 Einwohner auf, sagte Werschinin. Die russischen Truppen ließen sie für Essen Trümmer räumen sowie Leichen bergen und in Massengräbern beerdigen, behauptete er. Mariupol hatte vor dem Krieg rund 400.000 Einwohner.

Nach der langen Belagerung und dem Dauerbeschuss werden Tausende Tote unter den Zivilisten befürchtet. Die Hafenstadt am Asowschen Meer im Südosten der Ukraine hat eine strategische Bedeutung. Sie liegt auf dem Weg zwischen der von Russland annektierten Krim und den von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebieten im Osten der Ukraine.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. April 2022 um 09:00 Uhr.