Das Hauptquartier der Zeitung Zaman in Istanbul, Türkei. (Archiv, Juli 2016) | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nach Putschversuch in Türkei Lange Haftstrafen für Journalisten

Stand: 06.07.2018 18:07 Uhr

Sechs türkische Journalisten sind im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 zu hohen Haftstrafen verurteilt worden, berichtet Amnesty International. Sie arbeiteten für die inzwischen eingestellte Zeitung "Zaman".

Ein türkisches Gericht hat Amnesty International zufolge mehrere Journalisten im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Sahin Alpay und Ali Bulac, denen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wurde, erhielten nach Angaben der Menschenrechtsorganisation acht Jahre und neun Monate Haft.

Mumtazer Turkone und Mustafa Ünal wurden zu zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt. Fünf Angeklagte wurden freigesprochen, wie aus den dpa vorliegenden Gerichtsunterlagen hervorging. Die Journalisten haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.

Das Gericht in Istanbul, in dem die Verhandlung gegen die Zaman-Journalisten stattfand. | Bildquelle: AP
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Das Gericht in Istanbul, in dem die Verhandlung gegen die Zaman-Journalisten stattfand.

"Zaman" war eng mit Gülen verbunden

Alle arbeiteten bei der inzwischen eingestellten Zeitung "Zaman". Die Zeitung war eng mit der Bewegung des im US-Exil lebenden Geistlichen Fethullah Gülen verbunden. Die Zeitung war bereits im März 2016 unter staatliche Zwangsaufsicht gestellt worden. Nach dem gescheiterten Putsch machte die Regierung das Blatt mit vielen anderen Medien per Notstandsdekret ganz dicht.

30 Journalisten von "Zaman" vor Gericht

Zwei Monate nach dem Putschversuch wurden insgesamt 30 Journalisten von "Zaman" vor Gericht gestellt. Die Zeitung galt als eines der wichtigsten Sprachrohre der Gülen-Bewegung. Gülen wird vorgeworfen, hinter dem Putschversuch zu stecken, was er aber zurückweist.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Journalisten wiederholt vorgeworfen, durch ihre Arbeit den Terrorismus gefördert zu haben. Kritiker werfen Erdogan dagegen vor, den Putschversuch als Vorwand zu nehmen, um Gegner der Regierung zu unterdrücken. Nach Angaben des Innenministeriums vom März wurden bislang 77.000 Menschen wegen angeblicher Verbindungen zum Putsch festgenommen und angeklagt. Zugleich wurden 130 Medien geschlossen.

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sitzen Dutzende Journalisten in türkischen Gefängnissen. Die meisten sind seit dem Putschversuch verhaftet worden. Die einjährige Inhaftierung des "Welt"-Reporters Deniz Yücel bis Februar hatte die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei schwer belastet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Juli 2018 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.

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