Fahne der Terrorgruppe Islamischer Staat | Bildquelle: AFP

Europäische Kämpfer Türkei will IS-Anhänger abschieben

Stand: 02.11.2019 17:18 Uhr

Die türkische Regierung droht damit, europäische IS-Gefangene in die Heimatländer zurückzuschicken. Man sei kein Hotel für IS-Mitglieder, so Innenminister Soylu. Zwei EU-Staaten kritisierte er direkt.

Bei ihrem Einmarsch in Nordsyrien haben türkische Truppen eine nicht genau bekannte Anzahl von IS-Anhängern gefangen genommen. Darunter sind offenbar auch ausländische Kämpfer, die nun in ihre europäischen Heimatländer zurückgeschickt werden sollen.

Die Türkei sei kein Hotel für IS-Mitglieder, machte Innenminister Süleyman Soylu deutlich. Zugleich kritisierte er, dass mehrere europäische Staaten IS-Verdächtigen die Staatsangehörigkeit entzogen hätten. Das sei "inakzeptabel und unverantwortlich". Länder wie Großbritannien oder die Niederlande, aus denen einige der Gefangenen aus der türkischen Nordsyrien-Offensive stammten, machten es sich auf diese Weise einfach.

Hunderte IS-Anhänger ausgebrochen

Die türkische Armee und verbündete syrische Kämpfer hatten am 9. Oktober eine Offensive in Nordsyrien begonnen. Dadurch sollte die Kontrolle der von den Kurden dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im syrisch-türkischen Grenzgebiet gebrochen werden.

In ihrer militärischen Notlage vernachlässigte die SDF den Schutz von Lagern, in denen Familienangehörige von IS-Kämpfern inhaftiert waren. Nach Angaben der Kurdenmilizen flohen daraufhin Hunderte IS-Anhänger. Vermutlich nahm die Türkei einen Teil dieser Geflohenen wieder gefangen.

Europäische Staaten - auch Deutschland - hatten es in der Vergangenheit immer wieder abgelehnt, IS-Anhänger zurückzuholen.

BND: Gefahr durch IS gestiegen

Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendienstes, kommt zu einer öffentlichen Anhörung im Bundestag. | Bildquelle: dpa
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BND-Präsident Kahl warnte im Bundestag vor IS-Aktionen.

In einer Anhörung des Bundestags stellte BND-Präsident Bruno Kahl fest, dass der Kampf gegen den IS im Nordosten von Syrien durch den Einmarsch der Türkei nachgelassen habe. Dadurch sei die Gefährdung durch die Terrororganisation insgesamt gestiegen. Es wird vermutet, dass IS-Anhänger die Tötung ihres Anführers Abu Bakr al-Bagdadi rächen wollen.

Zu Beginn des türkischen Offensive hatte das Bundesinnenministerium betont, dass Deutschland und andere europäische Staaten Daten zu ausgereisten IS-Anhängern mit dem Zusatz "ausländische Kämpfer" im Schengener Informationssystem gespeichert hätten. Es ist aber fraglich, ob das eine Rückkehr in jedem Fall verhindern kann.

Sei 2013 sind nach Angaben der deutschen Sicherheitsbehörden mehr als 1050 Islamisten nach Syrien und Irak gereist. Demnach wurde ein Drittel von ihnen getötet - zu mehr als 220 Getöteten liegen der Bundesregierung konkrete Hinweise vor. Ende September waren in Syrien noch 111 deutsche Männer und Frauen sowie ungefähr 120 Kinder in Gefangenschaft.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. November 2019 um 16:40 Uhr.

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