Eine Gruppe von Polizisten und Festgenommenen. | Bildquelle: screenshot ard-aktuell

Nach Putsch in Türkei Mehr als 1000 Festnahmen bei Großrazzia

Stand: 26.04.2017 15:56 Uhr

Die türkische Regierung geht weiter hart gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger vor: Bei einer Großrazzia wurden mehr als 1000 Menschen festgenommen - nach Medienberichten gehörten sie überwiegend zum Polizeiapparat. Insgesamt ergingen offenbar 3224 Haftbefehle.

Bei landesweiten Razzien in der Türkei sind mehr als tausend mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung festgenommen worden. Die Aktion habe in 72 Provinzen stattgefunden, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu Innenminister Süleyman Soylu. Die meisten der Festgesetzten stammten offenbar aus dem Polizeiapparat. Die Sender NTV und CNN Türk meldeten, insgesamt seien 3224 Haftbefehle ergangen. 1009 Personen seien nun bereits festgenommen, wurde Soylu zitiert.

Mehr als 1000 mutmaßliche Gülen-Anhänger festgenommen
tagesschau 20:00 Uhr, 26.04.2017, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Präsident Recep Tayyip Erdogan macht die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den gescheiterten Militärputsch im Juli des vergangenen Jahres verantwortlich. Dieser weist das zurück.

Mehr als 40.000 Verhaftungen

Türkischer Präsident Erdogan | Bildquelle: REUTERS
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Erdogan geht weiter hart gegen seine Gegner vor.

Seit der versuchten Machtübernahme wurden in der Türkei mehr als 40.000 Menschen verhaftet. Zudem wurden 120.000 Beschäftigte unter anderem des öffentlichen Dienstes, der Justiz, der Polizei und des Militärs entlassen oder suspendiert.

Vor knapp zwei Wochen hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan das umstrittene Referendum über die geplante Verfassungsreform knapp gewonnen. Dadurch würde Erdogan deutlich mehr Befugnisse bekommen. Kritiker sehen hingegen Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechte in Gefahr.

Bundesregierung mahnt Verhältnismäßigkeit an

Die Bundesregierung hat sich wegen der Verhaftungswelle besorgt gezeigt. Zwar seien Ermittlungen gegen die Hintermänner des gescheiterten Militärputsches richtig, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. "Aber dabei müssen rechtsstaatliche Maßnahmen eingehalten werden." Die Massenverhaftungen nehme man mit Sorge zur Kenntnis und glaube nicht, dass sie so lange nach dem Putschversuch verhältnismäßig seien.

Der Außenamtssprecher bekräftigte darüber hinaus die Zurückhaltung der Bundesregierung in der Frage von Wirtschaftshilfen für die Türkei. Es gebe eine Reihe von Fällen, die die deutsch-türkischen Beziehungen belasteten. Ein Beispiel sei die Verhaftung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel. "Ich denke, das macht es nicht einfacher, über Wirtschaftshilfe zu sprechen." Der türkische Finanzminister Mehmet Simsek hatte vor einigen Tagen eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen und Stützungsmaßnahmen für die türkische Wirtschaft gefordert.

Neue Verhaftungswelle in der Türkei
Reinhard Baumgarten, ARD Istanbul
26.04.2017 19:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. April 2017 um 11:00 Uhr.

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