Donald Trump 2018 in Davos | Bildquelle: dpa

Enthüllungsbuch über US-Präsident Wie Trumps Nichte mit ihrem Onkel abrechnet

Stand: 08.07.2020 08:13 Uhr

Überfordert, selbstverliebt und gefährlich: Die Nichte von US-Präsident Trump warnt in einem Enthüllungsbuch vor ihrem Onkel - und sorgt mit einer Anschuldigung für Aufsehen: Hat der US-Präsident beim Qualifikationstest für sein Studium betrogen?

Das Weiße Haus hat Vorwürfe aus dem Enthüllungsbuch der Präsidentennichte Mary Trump zurückgewiesen. In den vorab von US-Medien veröffentlichten Passagen des Buches, heißt es, ihr Onkel habe jemand anderen dafür bezahlt, einen Qualifikationstest für die Universität abzulegen.

Donald Trump absolvierte nach Angaben des Weißen Hauses die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Pennsylvania, die Wharton School of Finance. Unklar ist, ob Mary Trump Belege für ihren Vorwurf anführt. Laut CNN schreibt Mary Trump, ihr Buch stütze sich auf eigene Erinnerungen, auf Gespräche mit Familienmitgliedern und auf Dokumente wie etwa Steuerunterlagen. Das Weiße Haus nannte die Anschuldigungen "absurd" und "vollkommen falsch".

"Zu viel und nie genug - Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt geschaffen hat", ist der Titel des Buches der Psychologin Mary Trump. Es soll kommende Woche in den USA auf den Markt kommen. Donald Trumps Bruder Robert hatte versucht, die Publikation gerichtlich zu verhindern.

Vergleich mit einem Dreijährigen

Mary Trump wirft ihrem Onkel zudem vor, ein Narzisst zu sein. Er erfülle alle Kriterien, schreibt sie laut "New York Times". Die Zuschreibung greife dennoch zu kurz. Seine Verhaltensweisen seien oft so unerklärlich, dass eine genaue Diagnose nur mithilfe von Tests erstellt werden könnte, denen sich Donald Trump nie unterziehen würde. Laut CNN vergleicht Mary Trump ihren Onkel in dem Buch mit einem Dreijährigen, der wisse, dass er nie geliebt worden sei.

Donald Trumps Ego sei fragil und müsse stets gestützt werden, "weil er tief im Inneren weiß, dass er nichts von dem ist, was er vorgibt zu sein". Geprägt worden sei der heutige Präsident von seinem Vater Fred, einem "Soziopathen", der die Entwicklung menschlicher Gefühle bei seinem Sohn unterdrückt habe, schreibt die Psychologin laut "Washington Post".

"Ich kann nicht zulassen, dass er mein Land zerstört"

Die Vizesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Matthews, teilte mit, das Buch sei aus finanziellem Interesse der Autorin und des Verlages entstanden - und nicht aus öffentlichem Interesse. Matthews warf die Frage auf, warum Mary Trump das Buch erst nach drei Amtsjahren des Präsidenten veröffentliche. Mary Trump schreibt laut CNN, nach den vergangenen drei Jahren habe sie "nicht länger schweigen" können. "Ich kann nicht zulassen, dass er mein Land zerstört."

Den US-Präsidenten schätzt sie wenige Monate vor der Wahl als völlig überfordert ein. Die Corona-Pandemie, die Gefahr einer Rezession, die immer tieferen Gräben in der Gesellschaft, Trumps Neigung, die Lager gegeneinander auszuspielen, und seine eigene Unsicherheit, was die Zukunft des Landes angehe, hätten zu einer beispiellos katastrophalen Lage geführt, heißt es in dem Buch. Es gebe "niemanden, der weniger dazu in der Lage" sei als ihr Onkel, um diese Katastrophen in den Griff zu bekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2020 um 06:12 Uhr.

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