US-Präsident Trump schaut während eines Rundgangs in einem Ford-Werk durch ein Gesichtsvisier. | Bildquelle: dpa

Corona-Tote in den USA Trumps lautes Schweigen

Stand: 27.05.2020 12:29 Uhr

Trump-Kritiker sprechen von einer neuen Höchstmarke an Fehlinformation: Der US-Präsident behauptet derzeit viel - aber über die konkrete Zahl der Toten redet er nicht. Lieber lässt er Erfolge verkünden.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Pressekonferenzen mit dem US-Präsidenten sind für Reporter im Weißen Haus Gelegenheit, Klarheit über Donald Trumps Textnachrichten im Netz zu bekommen. Zum Beispiel, warum sich der Präsident mit dem Re-Tweet einer spöttischen Bemerkung über die schwarze Stoffmaske seines Kontrahenten Joe Biden mokiert hat. "Biden kann eine Maske tragen", so Trump nun. "Aber er war draußen, mit seiner Frau, perfektes Wetter. Im Haus tragen sie keine Maske und deshalb fand ich das ungewöhnlich."

Biden hatte sich genau an die Empfehlungen des Corona-Krisenstabs im Weißen Haus gehalten - offenbar kein Maßstab für den US-Präsidenten. Wie zum Beweis verlangte Trump von Jeff Mason, dem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters, dass der seinen Mund-Nase-Schutz für eine Nachfrage abnimmt.

Neue Höchstmarke an Fehlinformationen?

Trump weiß, dass er die Schlagzeilen bestimmen muss. Angesichts der aktuellen Zahl von 99.000 Menschen, die im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankungen gestorben sind, scheint jedes Mittel recht: Verschwörungstheorien, persönliche Angriffe, zurecht gebogene Erinnerung - Trumps Kritiker in den USA sprechen von einer neuen Höchstmarke an Fehlinformationen.

So wiederholt Trump die These, dass die Zahl der Toten viel höher liegen würde, hätte er nicht entschlossen gehandelt. Tatsächlich hatten Trump und andere US-Politiker, wie New Yorks Bürgermeister Bill deBlasio, die Gefahr einer Pandemie lange heruntergespielt.

Und so kommt Vizepräsident Mike Pence die Aufgabe zu, den amerikanischen Ausbruch in Zahlen zu fassen: 52 Staaten und Außenterritorien hätten mit Geschäftsöffnungen begonnen oder erlaubten Kunden, Waren abzuholen, referiert Pence. Aber es gibt Unterschiede.

Der Wissenschaftler Christopher Murray von der Universität in Washington bestätigt im Fernsehsender CNN, dass die Entwicklung nicht in allen Bundesstaaten gleich verläuft. "In Alabama, Louisiana, Florida, North- und South Carolina sowie Arizona steigt die Zahl der Infektionen, aber auch die Zahl der Toten", sagt er. "Menschen behaupten, eine steigende Zahl der Infektionen habe mit mehr Tests zu tun, aber die Zahl der Toten lässt sich so nicht erklären. Dort beobachten wir besonders, was in den kommenden Wochen passiert."

Symbol für den Neustart gesucht

Wissenschaftler Murray geht in seinem Modell derzeit von 134.000 Toten bis Anfang August aus. Die Trump-Administration sucht als Gegensatz nach einem Symbol für den Neustart. Und sie hat es offenbar gefunden: Ende Juni sollen sich die Staats- und Regierungschefs der G7 nun doch persönlich in Washington treffen. Daran hält auch die Sprecherin des Präsidenten Kayleigh McEnany fest. "Amerika läuft wieder an", sagt sie. "Wir versuchen, eine Normalität zu erreichen, in der Menschen zur Arbeit zurückkehren, wieder Sport treiben. Und nach Ansicht des Präsidenten gibt es kein größeres Symbol, als den G7-Gipfel hier abzuhalten."

McEnany spricht davon, dass die Teilnehmer der anderen Staaten den Plan unterstützen. Damit baut das Weiße Haus öffentlichen Druck auf die Verbündeten auf. Kann die Bundesregierung zum Beispiel die Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten einfach ausschlagen? Aber "America First" kann eben nur für einen vermeintlich gut ausgehen.

Trump spricht nicht über konkrete Zahl der Corona-Toten
Torsten Teichmann, ARD Washington
27.05.2020 10:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Mai 2020 um 06:53 Uhr.

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