Kanadas Premierminister Justin Trudeau auf einer Wahlkampfveranstaltung in Vancouver | Bildquelle: REUTERS

Trudeau startet Wahlkampf Kanadas "Mr. Charming" muss zittern

Stand: 12.09.2019 22:14 Uhr

Eigentlich ist er so etwas wie der Sonnyboy der internationalen Politik. Doch ausgerechnet kurz vor der Wahl wird es eng für Kanadas Premier Trudeau. Ihm macht ein Korruptionsskandal zu schaffen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

"Ich habe die Generalgouverneurin zur Auflösung des Parlaments angewiesen" - so Kanadas Premierminister Justin Trudeau vor dem Regierungsgebäude in Ottawa. Damit hat der Wahlkampf in dem nordamerikanischen Land auch offiziell begonnen.

Begeisterte "Justin"-Rufe in Vancouver gab es bereits am Mittwoch. Da begann der Premier seine Tournee 2019 in der multikulturellen Küstenstadt, die er sein zweites Zuhause nennt. Nicht nur ein Wohlfühlfaktor: Die Provinz British Columbia ist wichtig für die Wahl.

Die Region, in der auch die Grünen sehr stark sind, ist geprägt von Umweltschützern. Viele fühlen sich von Trudeau getäuscht, seit sein Kabinett die Erweiterung einer umstrittenen Ölpipeline genehmigt hat - sie soll Bitumenöl aus den Teersandfeldern Albertas an die Pazifikküste bringen.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau auf einer Wahlkampfveranstaltung in Vancouver | Bildquelle: REUTERS
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Trudeau in Vancouver: "Haben gerade erst angefangen"

Umweltschützer sind enttäuscht

Zahlreiche Aktivisten, die Trudeaus grüngefärbte Liberale vor vier Jahren an die Macht gebracht haben, wenden sich von dem Premier ab. Trudeau gibt in Vancouver trotzdem sein Bestes: "Wir haben in den vergangenen Jahren viel zusammen bewegt. Aber die Wahrheit ist: Wir haben gerade erst angefangen."

Der Mr. Charming, den das Magazin "Rolling Stone" einst als "beste Hoffnung der freien Welt" gefeiert hat , muss kämpfen. Trudeau, der sich stets von US-Präsident Donald Trump in Washington abgrenzt und seinem Land einen offenen Politikstil versprochen hat, ist angeschlagen. Ausgerechnet durch einen Korruptionsskandal. Dem Premier wird vorgeworfen, dass er Ermittlungen seiner damaligen Justizministerin gegen einen Baukonzern in seinem Wahlkreis habe unterdrücken wollen.

Mitte August kam eine Ethikkommission zu dem Schluss: Trudeau hat sich falsch verhalten. Zur Freude seines schärfsten Konkurrenten, dem Chef der Konservativen, Andrew Scheer: "Wir haben den Kanadiern gezeigt, dass Justin Trudeau sie in die Irre geführt hat. Er hat gelogen und den Kanadiern dabei in die Augen geschaut. Wir denken, dass er die moralische Berechtigung verloren hat, zu regieren", sagt Scheer.

Flüchtlingspolitik auch in Kanada Thema

Nach jüngsten Umfragen liegen die beiden Rivalen momentan in etwa gleich auf. Der Wahlkampf wird auch geprägt vom wachsenden Einfluss der Populisten in Kanada. Sie bringen die Flüchtlingspolitik auf das Wahlprogramm in dem so oft als vorbildlich gepriesenen Einwanderungsland. Unter den Wahlberechtigten sind auch zahlreiche Zuwanderer aus Deutschland. In einer Statistik von vor drei Jahren gaben mehr als 400.000 Kanadier an, dass Deutsch ihre Muttersprache ist. In dem großen Land leben 37 Millionen Menschen.

Weg frei für Wahlkampf in Kanada - Trudeau am Scheideweg?
Antje Passenheim, ARD New York
12.09.2019 22:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 13. September 2019 um 03:24 Uhr.

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